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Andreas Schäfer (l) und Timo Seregely präsentieren Knochenfunde aus der Kirschbaumhöhle auf der Fränkischen Alb.

In Höhle entdeckt

Diese Knochen  faszinieren die Forscher

Bamberg - Zunächst sah es wie ein unbedeutendes Erdloch aus. Doch beim genauen Hinschauen, entdeckten die Mitglieder eines Höhlenvereins Knochenreste. Jetzt fasziniert die Kirschbaumhöhle in Oberfranken die Wissenschaft.

Vor gut drei Jahren haben Mitglieder eines Höhlenforschungsvereins auf der Fränkischen Alb eine Schachthöhle voller Knochen entdeckt. Die ersten Altersdatierungen der Funde liegen jetzt vor - und die Überraschung ist groß: In der Höhle lagen Knochen aus der Eisen-, Bronze- und Steinzeit. „Wir haben damit die Möglichkeit, gleich drei prähistorische Epochen auf einmal untersuchen zu können“, sagt Forschungsleiter Timo Seregély.

Die Höhle sei außerdem völlig unberührt gewesen, schwärmt der Archäologe von der Universität Bamberg. Es handle sich somit um die erste Schachthöhle Deutschlands, die im Originalzustand mit modernster Technik erforscht werden könne.

Knochenfunde aus der Kirschbaumhöhle auf der Fränkischen Alb.

Entdeckt wurde sie von zwei Mitgliedern der Forschungsgruppe Fränkischer Karst. „Sie haben genau richtig gehandelt: nichts verändert und den Fund sofort an das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege gemeldet“, lobt Seregély. Die Forschungsgruppe ist einer der größten Höhlenvereine im Fränkischen Jura. Wie ein Vereinssprecher berichtet, werden die Mitglieder regelmäßig geschult, um bei Entdeckungen von neuen Höhlen nichts falsch zu machen. In der Vergangenheit sei der Verein bei der Erforschung und Vermessung von knapp 20 Höhlen beteiligt gewesen.

Rund 50 Jahre gibt es den Verein bereits. Der besondere Fund auf der Fränkischen Alb war ein echter Glücksfall. Denn auf den ersten Blick sah die Schachthöhle wie ein unbedeutendes Erdloch aus - gut zwei Jahrtausende blieb sie deshalb unentdeckt. Die Forscher haben sie Kirschbaumhöhle getauft, weil am Fundort früher ein Kirschbaum stand. Bislang wurden darin Skelettreste von fünf Erwachsenen und zwei Jugendlichen, neun Haustieren, drei Wildtieren und Nagern sowie 30 unbestimmbare Knochenfragmente geborgen. Knapp 5000 Jahre alt sind die ältesten Knochen. Weitere Funde hält Seregély für durchaus möglich.

Mit Hilfe eines 3D-Scanners wird jeder Winkel der Höhle abgesucht. „Für uns spielt jeder kleinste Knochen eine Rolle“, sagt der Archäologe. Noch nie sei dieses moderne Verfahren in einer Schachthöhle zum Einsatz gekommen. Er schätzt, dass es noch zwei Jahre dauern wird, ehe die Dokumentation abgeschlossen ist. Erst danach kann im Detail weiter geforscht werden.

Völlig unklar ist deshalb derzeit, weshalb die Menschen und Tiere einst in die Höhle kamen. War es eine Grabstätte, die über Epochen hinweg immer wieder genutzt wurde? Oder eine Opferstätte? Wurden die Menschen dort hineingelegt oder vielleicht sogar hineingeworfen?

Um das Geheimnis zu knacken, wollen die Forscher zunächst herausfinden, ob die Höhle für sozial schwache oder sozial starke Menschen verwendet wurde. Das lässt sich unter anderem über Essgewohnheiten herausfinden. „Eine überwiegend tierische Ernährung lässt darauf schließen, dass es der Person gut ging, sie Zugang zu Fleisch hatte“, erläutert Seregély. Mit der Bestimmung der Isotopenverhältnisse in den datierten Knochen stellte sein Forschungsteam bereits fest: Bei den Menschen der Steinzeit spielte tierische Nahrung eine bedeutendere Rolle als in der Eisenzeit.

dpa

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