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Claus-Peter Reisch.

Kapitän und Lebensretter

“Kann die doch nicht ertrinken lassen“: Dieser Bayer steuert das Flüchtlingsschiff „Lifeline“

Tausende Tote im Mittelmeer - der Kapitän der „Lifeline“, der Bayer Claus-Peter Reisch, will das verhindern. Nun wird er vor Gericht gestellt.

München - Das Mittelmeer als Massengrab: Allein heuer sind bereits rund 1000 Flüchtlinge darin ertrunken. Ohne die Rettungsschiffe der Hilfsorganisationen wäre die Zahl der Opfer noch viel höher. Dennoch wird die Kritik an den sogenannten NGOs – die Abkürzung steht für non-governmental organizations – immer größer. Italien und Frankreich werfen diesen Nichtregierungsorganisationen vor, den kriminellen Schleusern in die Hände zu spielen.

“Man kann die doch nicht ertrinken lassen“

Sie seien ein „Taxi-Dienst für Schlepper und Migranten“, wettert Italiens neuer Innenminister Matteo Salvini. Ein Vorwurf, den Claus-Peter Reisch scharf zurückweist. Der ehrenamtliche Kapitän steuert das deutsche Rettungsschiff Lifeline, das seit Tagen im Brennpunkt des Geschehens im Mittelmeer steht. Auf Malta wurde er mehrfach verhört, weil er sich angeblich über die Anweisung der italienischen Behörden hinweggesetzt und vor der libyschen Küste Flüchtlinge aus dem Meer gefischt hatte. Wir erklären, was den Lebensretter aus Landsberg am Lech umtreibt.

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Vor 14 Jahren machte Reisch auf dem Starnberger See seinen Jachtschein. Aber erst im Winter 2016 kam er auf die Idee, mit einem erweiterten Patent als Hochsee-Kapitän auf einem Flüchtlingsschiff anzuheuern. Tief berührt von den Dramen, die sich damals bereits auf dem Mittelmeer abspielten, kam er zu einem simplen Schluss: „Man kann die doch nicht einfach so ertrinken lassen.“ 

Er will nicht auf eine Stufe mit Schleusern gestellt werden

Dann nämlich, so der 57-Jährige weiter, würde man sich auf eine Stufe stellen mit den Schleusern, die menschenverachtend die Verzweiflung der Flüchtlinge ausnutzen. „Die Schlauch- oder Holzboote, die sie zur Flucht über das Mittelmeer nutzen, sind One-Way-Boote, also von der Beschaffenheit her nicht zur Wiederkehr oder gar für eine sichere Ankunft ausgerüstet: Die haben drei Benzinkanister dabei, die keineswegs für die 200 Seemeilen ausreichen, die zurückgelegt werden müssen“, sagte Reisch der Augsburger Allgemeinen.

Inzwischen ist Reisch, der eine Firma im Installations- und Sanitärbereich betreibt, auf seiner fünften Rettungsmission unterwegs – ehrenamtlich, wie er betont. Flug und Ausrüstung bezahlt er selbst.

Reisch wird vor Gericht gestellt

Nun soll Reisch vor Gericht gestellt werden: Verfehlungen im Zusammenhang mit der Registrierung des Schiffes wird ihm vorgeworfen, wie der maltesische Rechtsbeistand Neil Falzon der Dresdner Organisation Mission Lifeline am Donnerstag mitteilte. Gerichtstermin sei am Montag.

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