Ein Höhlenforscher schwimmt durch einen Unterwasserschacht in der Mühlbachquellhöhle
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Tauchgang in der Mühlbachquellhöhle: In einem Unterwasserschacht wie diesem ertrank am Samstag ein Höhlenforscher.

Unglück in Mühlbachquellhöhle

Todesdrama in Höhle: Kameraden reanimierten mehrere Stunden - „Er war ein erfahrener Höhlenforscher“

  • Katrin Woitsch
    vonKatrin Woitsch
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Ein Höhlenforscher ist in der Mühlbachquellhöhle in der Oberpfalz ums Leben gekommen. Er ertrank, als er durch einen gefluteten Schacht kroch. Sein Team versuchte stundenlang, ihn zu reanimieren.

  • Höhlenforscher-Kollegen rätseln, wie es zu dem tragischen Unglück kommen konnte
  • Maske und Sauerstoff-Flasche müssen noch aus der Höhle geborgen werden
  • Höhlenforscher des Vereins hat der Tod ihres Kameraden sehr mitgenommen

Das acht Kilometer lange Labyrinth liegt tief unter der Erde der Fränkischen Alb. Mehrere Quellen fließen durch die verästelten, schmalen Gänge, es gibt unterirdische Wasserfälle, Seen und Hallen. Für Höhlenforscher ist diese verborgene, noch nicht völlig erschlossene Welt pure Faszination. Seit 2001 erkunden Christian Schöffel und die anderen Mitglieder des Vereins Karstgruppe Mühlbach die Höhle. Und genauso lange werden auch Rettungseinsätze für diese Expeditionen vorbereitet – für den Ernstfall. Noch war das nie nötig. Doch am Samstag kam es in der Mühlbachquellhöhle zu einem tragischen Unglück. Ein 57-jähriger Höhlenforscher aus dem Raum Nürnberg ertrank auf dem Rückweg nach draußen in einem gefluteten schmalen Schacht.

Weil wir bei jeder Expedition alle Risiken ausschließen wollen, hatten die Forscher Pressluftflaschen mit Sauerstoff dabei.

Christian Schöffel vom Verein Karstgruppe Mühlbach

„Er war ein sehr erfahrener Höhlenforscher“, sagt Christian Schöffel, Die meisten Mitglieder des Vereins waren in den vergangenen 20 Jahren 50 bis 100 Mal in der Höhle. Nie gab es Unfälle, jeder Schritt ist gut geplant, erklärt er. So war es auch an diesem Samstag. Die vier Höhlenforscher hatten Messgeräte in die Höhle gebracht, mit denen die Quellen im Untergrund erforscht werden sollen. Auf dem Rückweg mussten sie durch einen 40 bis 50 Zentimeter hohen Schacht, der komplett geflutet war. Das wäre auch mit Luftanhalten möglich gewesen, erklärt Schöffel. „Weil wir bei jeder Expedition aber so viele Risiken wie möglich ausschließen wollen, hatten alle Pressluftflaschen mit Sauerstoff dabei.“

Tauchunfall in Dietfurt: Kameraden reanimierten den 57-Jährigen stundenlang

Die Höhlenforscher tauchten nacheinander durch den etwa sechs Meter langen Durchgang. Doch der vierte Taucher kam auf der anderen Seite nicht an. Sein Team versuchte daraufhin ihn zu bergen. Bewusstlos zogen sie den 57-Jährigen auf die andere Seite an die Oberfläche. „Sie haben sofort mit der Reanimation begonnen“, berichtet Schöffel. Ein Höhlenforscher verständigte sofort den Verein und die Rettungskräfte. Die beiden anderen animierten ihren Kameraden – stundenlang. Auch als er in einer aufwändigen Rettungsaktion an die Oberfläche gebracht wurde. „Wir mussten die Trage auch über einen unterirdischen Wasserfall transportieren“, berichtet Christian Schöffel, der im Vorstand des Vereins ist und bis in die späte Nacht die Einsatzkräfte an der Höhle unterstützte. Auch die intensiven Reanimationsversuche der Rettungskräfte blieben erfolglos.

Das Unglück geschah im sogenannten Maulwurfsiphon, einem sechs Meter langen Unterwasserschacht.

Noch ist völlig unklar, wie es zu dem tragischen Unglück unter der Erde kommen konnte. Christian Schöffel kann sich nicht vorstellen, dass der erfahrene Höhlenforscher in dem Schacht feststeckte. Weil die drei anderen problemlos durchkamen und diese Engstelle schon häufig problemlos durchquert worden ist. Er könnte sich vorstellen, dass das Ventil der Schutzmaske auf den Schlamm im Wasser reagiert hat und abgeblasen hat, um sich zu reinigen. „So etwas könnte ihn irritiert haben, vielleicht hat er sich die Maske vom Gesicht gerissen und ist in Panik geraten.“ Das seien aber bisher nur Mutmaßungen, betont Schöffel. Der Höhlenforscher könnte auch einen Herzinfarkt bekommen haben.

Viele von uns haben die Nacht nach dem Unfall kaum geschlafen, das nimmt uns sehr mit.

Christian Schöffel vom Verein Karstgruppe Mühlbach

Klären muss das nun die Kriminalpolizei. Der Verein wird die Beamten bei den Ermittlungen unterstützen. „Bei der Bergung sind die Sauerstoffflasche und die Maske in der Höhle zurückgeblieben“, berichtet Schöffel. Sie sollen nun an die Oberfläche transportiert und untersucht werden. Auch die erfahrenen Höhlenforscher werden diese Expedition mit einem mulmigen Gefühl antreten, sagt er. „Viele von uns haben die Nacht nach dem Unfall kaum geschlafen, das nimmt uns sehr mit“, sagt er. Das Unglück, das sich am Samstag in der Mühlbachquellhöhle ereignet hat, sei tragischer gewesen, als die schlimmsten Szenarien, die sich die Vereinsmitglieder vorstellen konnten, sagt Schöffel. Besonders die drei Höhlenforscher, die dabei waren, seien extrem traumatisiert.

So tragische Höhlen-Unglücke wie dieses kommen nur sehr selten vor, betont er. Den letzten großen Rettungseinsatz gab es 2014 in der Riesending-Schachthöhle bei Berchtesgaden. Der Höhlenforscher Johann Westhauser war damals von einem unterirdischen Steinschlag getroffen worden. Die Höhlenforscher seien zwar Ehrenamtliche, aber sehr erfahrene Spezialisten. Sie sind mit der besten Ausrüstung unterwegs, jede Expedition ist klar koordiniert. „Keiner geht allein in die Höhle“, sagt Schöffel. „Und keiner macht das, um sich einen Kick zu holen.“

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