Direktorenvereinigung gesteht

„Mehrheit der Schulen für G9“

München - Die Freien Wähler haben ihr Volksbegehren für eine Wahlfreiheit zwischen acht- und neunjährigem Gymnasium gestartet. Indirekte Unterstützung bekommen sie – ausgerechnet – von einem glühenden G8-Anhänger.

Karl-Heinz Bruckner ist Chef der Bayerischen Direktorenvereinigung, ein elitärer Zirkel, in dem sich die Direktoren bayerischer Gymnasien austauschen. Schon immer war der Verein eher CSU-treu – und leistete bei der G8-Einführung wenig Widerstand. Das Volksbegehren der Freien Wähler zur Wiedereinführung des G9 hat Bruckner nun aufgeschreckt. In einem am Dienstag verschickten dreiseitigen Rundbrief, der unserer Zeitung vorliegt, warnt der Leiter des Nürnberger Neuen Gymnasiums mit Verve vor der Initiative. Er gibt aber auch zu, dass die Mehrheit der Eltern und Schüler das G9 bevorzugen würde. „In der Erwartung, dass die neunjährige Form weniger anstrengend ist, werden die Eltern auf Nummer sicher gehen und sich in der Regel für diese Form entscheiden“, heißt es in dem Schreiben. Auch die Schüler, „die über Jahre gehört haben, wie schlecht das G8 ist, werden überwiegend für ein G9 stimmen“.

Ebenso werde „die überwiegende Mehrheit der Schulen“ für ein G9 votieren, „nicht weil es der bessere, sondern der vermeintlich einfachere Weg ist“, schreibt Bruckner, der in seinem Brief den G8-Initiatoren von damals noch eine mitgibt („krasse aus der Hybris geborene politische Fehlentscheidung“).

Ungeachtet aller Kritik haben die Freien Wähler gestern offiziell ihr Volksbegehren gestartet. Generalsekretär Michael Piazolo ließ zum Auftakt am Münchner Marienplatz Luftballons steigen – orange fürs G9, schwarze fürs G8. Auch die ersten Unterschriften kamen zusammen – 50 Unterzeichner. „Bei 35 Grad im Schatten ließ es sich ganz gut an“, meint Piazolo.

In den kommenden drei Wochenenden würden bayernweit „Aktionstage“ stattfinden. Piazolo rechnet aber damit, dass es bis zum Herbst dauert, bis die erforderlichen 25 000 Unterschriften zur Einleitung eines Volksentscheids zusammen sind.

Dirk Walter

Rubriklistenbild: © dpa/Symbolbild

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