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Babyklappen sind für Mütter oft der letzte Ausweg.

Streit um Babyklappen

München - Babyklappen – viele Mütter in Not sehen sie als letzten Ausweg. Für die Forderung, diese Einrichtungen und Angebote für anonyme Geburten abzuschaffen, erntet der Deutsche Ethikrat Kritik.

Sie will nicht zu den Müttern gehören, die ihr Baby in den Müll werfen. „Ich habe lange überlegt, ob ich Emilia behalten soll, doch ihre Zukunft mit mir als Mutter wäre nicht vertretbar“, schreibt die 21-Jährige aus Immenstadt in einen Brief, bevor sie die wohl schwerste Entscheidung ihres Lebens trifft. Sie legt ihre fünf Tage alte Tochter vor dem Krankenhaus ab. Dann ruft sie anonym in der Klinik an. Ihre Tochter wird gerettet, mittlerweile lebt Emilia in einer Pflegefamilie.

Verzweifelte Frauen wie diese Allgäuerin sehen nach der Geburt ihres Kindes keinen Ausweg – sie können ihr Kind nicht behalten und sie wollen sich auf keinen Fall zu erkennen geben. Sie setzen es aus. „Dann besteht die Gefahr, dass das Kind überhaupt nicht oder zu spät entdeckt wird“, sagt Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU). Deshalb seien Babyklappen und die Möglichkeit zur anonymen Geburt wichtige Mittel.

Doch diese Instrumente werden jetzt in Frage gestellt – vom Deutschen Ethikrat. Er hat sich mit deutlicher Mehrheit für ein Ende von Babyklappen und anonymen Geburten ausgesprochen. Die Begründung: Beide seien ethisch und rechtlich sehr problematisch, „weil sie das Recht des Kindes auf Kenntnis seiner Herkunft und auf Beziehung zu seinen Eltern verletzen“. Dass Säuglinge ausgesetzt oder getötet werden, könne damit nicht verhindert werden. Er schlug stattdessen ein „Gesetz zur vertraulichen Kindesabgabe“ vor: Mütter sollen verpflichtet werden, die Daten zu der Geburt einer nichtstaatlichen Beratungsstelle zu melden. Nur sechs der 26 Mitglieder des Gremiums sprachen sich dafür aus, die Angebote fortzusetzen, darunter der Augsburger Weihbischof Anton Losinger.

Doch die Empfehlung des Ethikrates – einem 2007 gegründeten unabhängingen Sachverständigengremium – stößt auf großen Widerstand. „Das ist völlig indiskutabel“, empört sich Elisabeth Schmucker, Initiatorin der „Lebenspforte“, einer Babyklappe in München. Vom Vorschlag des Ethikrates, Hilfsangebote für Schwangere und Mütter in Not- und Konfliktlagen zu verstärken, erhofft sich die Münchner CSU-Stadträtin wenig: „Die Frauen, die ihr Kind in der Klappe abgeben, lassen sich nicht beraten.“ Auch Bayerns Justizministerin Beate Merk will an Babyklappen und anonymen Geburten festhalten: „Im Hinblick auf das Leben des Kindes ist das Informationsrecht, auch wenn es grundgesetzlich verbürgt ist, dennoch nur eine Formalie. Das Leben des Babys ist das wichtigste.“

Weil die umstrittenen Instrumente rechtlich in einer Grauzone liegen, erhält der Vorstoß des Ethikrats auch Zustimmung – wenn auch teilweise eingeschränkt. Bayerns Familienministerin Christine Haderthauer (CSU) plädiert für eine gesetzliche Regelung. Aber: „Im Mittelpunkt muss die Schwangere in Not stehen. Jetzt ein Angebot zu kappen, bevor ein anderes fest installiert ist, halte ich für gefährlich.“ Die katholische Schwangerenberatung Donum Vitae sieht in Babyklappen nur die „zweitbeste Möglichkeit“, so die Landesvorsitzende Maria Eichhorn. Wichtig sei es, dass die Mutter bei der Geburt nicht alleine gelassen wird, die anonymen Geburten müssten gesetzlich verankert werden. Das fordert auch der Sozialdienst katholischer Frauen, selbst Betreiber von 19 Klappen bundesweit. Die Erfahrung zeige: Viele Mütter wollen ihr Baby nicht mehr hergeben, nachdem sie den ersten Schock nach der Geburt überwunden haben.

Carina Lechner

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