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Der Spion im Wald: Wildkameras fallen oft nur sehr aufmerksamen Spaziergängern auf. Das Landesamt für Datenschutz entscheidet von Fall zu Fall, ob sie zulässig sind.

Datenschützer schlagen Alarm

Diskussion um Wildkameras: Fotofallen im Wald

München- In Rheinland-Pfalz drohen Datenschützer den Jägern mit hohen Strafen, wenn sie ihre Wildkameras im Wald nicht entfernen. Wie viele Kameras in den bayerischen Wäldern montiert sind, wissen die Datenschützer im Freistaat nicht genau.

Thomas Petri erinnert sich noch gut an diesen Fall in Kärnten vor zwei Jahren. Dort hatte damals eine Wildkamera einen Politiker zwischen den Bäumen fotografiert – in flagranti mit seiner Geliebten. Der kleine Skandal in Österreich beunruhigte auch die Waldspaziergänger in Bayern. Damals häuften sich bei dem Landesdatenschutz-Beauftragten Petri die Anfragen. Viele Waldbesucher wollten von ihm wissen, ob diese Kameras zulässig sind, ob sie sich überall beobachten lassen müssen.

„Damals haben wir die Rechtslage gründlich geprüft“, sagt Petri. In den bayerischen Staatsforsten ist keine Überwachung zulässig, betont er. Dort gilt das bayerische Datenschutzgesetz. Und das erlaubt Überwachung nur in öffentlichen Einrichtungen. „Ausnahmen gibt es kaum“, sagt er. „Höchstens für Kultur- oder Naturdenkmäler im Wald oder wenn es konkrete Anhaltspunkte für Beschädigungen gibt.“ Aber selbst dann müssten Spaziergänger mit einem Schild auf die Überwachung hingewiesen werden. „Und das wird kein Jäger machen“, sagt Petri. „Es wäre eine Einladung, die Kamera zu klauen.“ Allerdings, räumt er ein, gibt es keine Kontrollen. „Wir gehen nur konkreten Hinweisen oder Beschwerden nach – und die gibt es kaum.“

Auch das Landesamt für Datenschutzaufsicht bekommt nur selten Anfragen von besorgten Waldspaziergängern, betont Präsident Thomas Kranig. Die vergangenen drei Jahre kam jeweils ein Hinweis wegen einer Kamera. „Wir wissen nicht, wie viele Kameras im Privatwald angebracht sind“, sagt er. „Es gibt dafür keine Meldepflicht.“ Aber Kranig ist sicher. „Ein Massenphänomen kann es nicht sein – sonst würden sich mehr Spaziergänger beschweren.“

Die gesetzlichen Anforderungen, um eine Kamera zu installieren, sind im Privatwald nach Bundesdatenschutzgesetz geregelt – und nicht ganz so streng wie im Staatsforst. Der Zweck der Überwachung muss genau festgelegt sein, sagt Kranig. Die Interessen von Menschen dürfen nicht beeinträchtigt werden. „Ein eindeutiges Schwarz-Weiß gibt es in dieser Frage aber nicht, wir müssen von Fall zu Fall entscheiden.“ Wenn das Landesamt einen Hinweis bekommt, wird ermittelt, wem die Kamera gehört. Dann wird geprüft, ob die rechtlichen Voraussetzungen für die Überwachung gegeben sind. Bislang konnten sich Jäger und Datenschützer immer schnell einigen, sagt Kranig. Eine Diskussion um Bußgelder in vierstelliger Höhe oder Musterprozesse, wie sie derzeit in Rheinland-Pfalz zwischen Datenschützern und Jägern geführt wird, war in Bayern bislang nicht nötig.

Die Situation ist hier sehr entspannt, sagt Alfred Jobst vom Bayerischen Jagdverband. Er hält es für völlig ausgeschlossen, dass in den deutschen Wäldern 100 000 Wildkameras installiert sind – das hatte der rheinland-pfälzische Datenschutzbeauftragte geschätzt. „Die Jäger, die Kameras verwenden, benutzen sie vor allem an Futterstellen oder an Stellen, an denen sich Wildschweine suhlen“, sagt er. „Und dort kommen keine Spaziergänger vorbei.“ Er ist sicher, dass kein Jäger ein Interesse daran hat, eine Kamera an einem Waldweg aufzustellen – die Gefahr, dass sie dort geklaut wird, wäre viel zu groß. Und wenn Discounter Wildkameras anbieten, werden die meisten von Privatmenschen für andere Zwecke gekauft, ist Jobst überzeugt, denn: „Jeder Jäger schaut sich das Wild lieber in der Natur an.“

Katrin Woitsch

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