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Mehr Einsätze für die Lebensretter: Immer weniger Menschen können schwimmen.

DLRG-Sprecher im Interview

Mehr Badetote in Bayern: Das raten die Rettungsschwimmer

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Die aktuelle Studie der DLRG ist besorgniserregend. Es gibt immer mehr Nichtschwimmer in Deutschland. DLRG-Sprecher Michael Förster bei uns im Interview erklärt warum.

Die Zahl der Nichtschwimmer steigt. Aber auch viele Schwimmer unterschätzen die Gefahren im Wasser. Am Wochenende sind im Freistaat erneut drei Menschen ertrunken. Michael Förster von der DLRG Bayern erklärt, warum gerade die ersten Sommertage so gefährlich sind.

Die Zahl der Badetoten war 2016 so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr. Woran liegt das?

Michael Förster: Das hängt stark mit dem Wetter zusammen. Der vergangene Sommer war ein guter Badesommer. Je heißer es ist, desto größer ist das Bedürfnis, ins Wasser zu springen – und das weniger besonnen.

Viele Badeseen sind noch sehr kalt. Welche Rolle spielt die Wassertemperatur?

Förster: Eine sehr große. Besonders, wenn es an der Luft sehr heiß ist. Wer an solchen Tagen einfach ins Wasser springt, kann Kreislaufprobleme bekommen. Das gilt besonders für ältere Menschen. Denn durch die Kälte ziehen sich die Blutgefäße zusammen, der Blutdruck wird dadurch kurzzeitig erhöht – das kann zur Bewusstlosigkeit führen oder zu Schwächeanfällen, so wie es am Wochenende einem 82-Jährigen im Starnberger See passiert ist. Menschen mit Vorerkrankungen können sogar einen Herzinfarkt erleiden.

Was rät die DLRG?

Förster: Man sollte nicht ins Wasser springen, sondern sich abduschen und langsam hineingehen, um den Körper an die Temperatur zu gewöhnen. Dann ist das Risiko deutlich geringer. Im Grunde gilt es, die guten alten Baderegeln zu befolgen. Außerdem würde ich vor allem älteren Schwimmern raten, nicht alleine schwimmen zu gehen, so dass notfalls jemand Hilfe holen kann.

Michael Förster von der DLRG Bayern

Vergangene Woche ertrank eine 15-Jährige im Münchner Eisbach, weil sie nicht schwimmen konnte. Am Samstag ertrank ein Nigerianer in Landsberg. Warum gehen Menschen ins Wasser, obwohl sie nicht schwimmen können?

Förster: Sie schätzen die Gefahr nicht richtig ein, weil sie mit dem Wasser nicht vertraut sind. Das ist besonders bei Migranten ein Problem, weil sie in ihrer Heimat oft nicht schwimmen gelernt haben. Dahinter stehen auch kulturelle Gründe. In muslimischen Familien dürfen Mädchen oft nicht ins selbe Wasser wie Jungs. Manchmal kommt wohl auch Scham dazu. Jugendliche wollen vor ihren Freunden nicht zugeben, dass sie das Schwimmen nicht richtig gelernt haben. So war es möglicherweise bei der 15-Jährigen in München.

Sie hatte die Strömung des Flusses unterschätzt. Was macht die Badeseen gefährlich?

Förster: Die meisten Seen sind am Ufer sehr flach, fallen aber plötzlich stark ab. Nichtschwimmer verschwinden unter Wasser und niemand bekommt das mit. Dazu kommt: Viele Menschen können sich nicht vorstellen, dass Erwachsene oder Jugendliche nicht schwimmen können. Sie achten zu wenig auf die Menschen im Wasser.

Die Zahl der Nichtschwimmer ist gestiegen. Woran liegt das?

Förster: Zum einen an dem Anteil der Migranten in der Bevölkerung. Aber auch daran, dass es immer weniger Schwimmbäder gibt. Die langen Anfahrten machen den Schwimmunterricht immer schwieriger. Dazu kommt, dass viele Eltern überfordert damit sind, ihre Kinder für Schwimmkurse anzumelden oder ihnen selbst das Schwimmen beizubringen.

In Bayern gibt es die meisten Badetoten. Wieso?

Förster: Das hängt sicher mit der Anzahl und Attraktivität unserer Badeseen zusammen. Und natürlich mit der Einwohnerzahl. Die Bayern sind nicht schlechtere Schwimmer und die bayerischen Seen sind nicht weniger gut bewacht. Trotzdem sind 91 Badetote in einem Jahr sehr besorgniserregend.

Ein Grund dafür ist, dass die Kommunen sparen. Der Kurs hat verheerende Folgen, findet Merkur-Redakteurin Katrin Woitsch in ihrem Kommentar.

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