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Per Hand füttert Dompteur Christian Walliser in der Manege des Münchner Circus Crocofant einen seiner Tiger.

Walliser nach Attacke weiter im Koma

Dompteur zog Tiger mit Flasche auf

München – Der Vorfall in Hamburg, bei dem drei Tiger ihren Dompteur Christian Walliser schwer verletzt haben, erschüttert auch Zirkus-Leute in der Region. Sein Chef Francois Meise kennt das Opfer gut – und weiß, wie eng die Bindung zwischen dem 28-Jährigen und den Tieren ist.

Der Münchner Circus Crocofant wirbt im Internet mit einem Video für seine Show: In dem kurzen Film folgen die Tiere den Anweisungen des Dompteurs, springen über Hindernisse. Der junge Mann in der Manege streichelt einem der Tiger über den Rücken und gibt ihm einen freundschaftlichen Klapps. Der Mann in der Manege ist Christian Walliser.

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Der gebürtige Augsburger war in dieser Zirkussaison, von März bis November, im Circus Crocofant engagiert, der zurzeit sein Winterquartier in Icking (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen) aufgeschlagen hat. Zuschauer und Zirkuspersonal hatte der 28-Jährige mit seinen Bengalischen Tigern begeistert. Am Dienstagabend war Walliser bei einer Vorstellung im Dinner-Zirkus in der Hamburger Hagenbeck-Manege gestürzt und daraufhin von drei Tieren angegriffen und lebensgefährlich verletzt worden.

Im Münchner Circus Crocofant herrscht nach dem Vorfall tiefe Betroffenheit. Direktor Francois Meise ist erschüttert: „Ich habe schon mit Christians Vater telefoniert und die besten Wünsche ausgerichtet. Alle sind sehr zuversichtlich, dass er wieder gesund wird.“

Das Opfer habe die Tiere gut gekannt, die ihn verletzt haben. „Christian ist ein Zirkusmensch, der mit seinen Tieren gelebt und gut gearbeitet hat“, berichtet Meise. Walliser hatte die Tiere vor zwei Jahren einem polnischen Zirkus abgekauft, nachdem er sie dort zuvor als Dompteur betreut hatte. Zwei Jungtiere zog Walliser selbst mit der Flasche auf. In einem Interview im Januar sprach der Augsburger davon, seinen Traum zu leben, wenn er mit den Raubtieren arbeitet: „Ich hatte immer Haustiere, habe mit Pferden gearbeitet. Aber immer hatte ich im Kopf: Tiger, Tiger, Tiger. Sie sind wunderschön, es sind wilde Tiere. Man kann sie nicht zähmen, nur trainieren.“ Zirkus-Direktor Meise, der selbst mit Elefanten arbeitet, kennt diese enge Bindung zwischen Tier und Mensch: „Für uns sind die Tiere unsere Partner. Wir leben mit ihnen zusammen jeden Tag im Jahr.“ Das sei das eine. Aber auch der Kontakt zwischen den Menschen müsse stimmen, was bei Walliser offenbar der Fall war. „Ein sehr guter Mitarbeiter“, so Meise. Ein Mitarbeiter, der im März 2010 – zur neuen Saison – wiederkommen sollte. „Ich warte erstmal ab, vielleicht arbeitet er wieder bei uns“, sagt Meise.

Er befürchtet indes nicht, dass der Vorfall in Hamburg Konsequenzen für das Zirkusgeschäft habe: „Es war ein Unfall wie jeder andere. Wenn ein Tiger einen Menschen töten will, beißt er ihm ins Genick. Die Verletzungen deuten darauf hin, dass die Tiere nur spielen wollten.“

Auch Susanne Matzenau, Sprecherin des Circus Krone, für den Walliser im Winter 2008 gearbeitet hat, glaubt nicht, dass sich etwas ändert. Raubtiernummern seien beim Publikum sehr beliebt. Um diese Annahme zu bekräftigen, zitiert Matzenau aus einer Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung. Da heiße es, dass rund 85 Prozent der Deutschen gerne Tiere im Zirkus sehen, wobei Raubtiere die Favoriten sind (68,4 Prozent).

Wann Christian Walliser wieder in einem Zirkus zu sehen sein wird, ist unklar. Meise: „Christian liegt jetzt im künstlichen Koma, damit der Heilprozess besser voranschreiten kann.“

Im Januar hatte der 28-Jährige noch über die Gefahr als täglichen Begleiter gesprochen. „Wenn ich in den Käfig steige, darf ich nicht an die Gefahr denken. Gebissen wurde ich jedenfalls noch nie.“

Sascha Karowski

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