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Mehrmals täglich spritzte sich der Angeklagte.

Dopinglabor im Keller versteckt

Feldkirchen – Sein Labor lag versteckt im Keller, der Öffnungsmechanismus erinnerte an einen James Bond-Film. Von Ende 2009 bis Sommer 2011 mixte ein 40-Jähriger verbotene Dopingmittel.

Sein Labor lag versteckt im Keller, der Öffnungsmechanismus erinnerte an einen James Bond-Film. Von Ende 2009 bis Sommer 2011 mixte ein 40-jähriger Kaufmann in seinem Haus in Feldkirchen-Westerham (Kreis Rosenheim) verbotene Dopingmittel. Teilweise konsumierte er sie selber, teilweise verkaufte er sie. Seit gestern muss sich der gelernte Elektriker wegen gewerbsmäßigen Handels mit Dopingmittel vor dem Landgericht München I verantworten. Er sitzt seit neun Monaten in U-Haft.

Vor gut 20 Jahren hatte der Angeklagte erstmals das Hormonmittel Testosteron genommen. Er litt unter Epilepsie. In dem Bericht eines US-Professors war das Sexualhormon als Behandlungsmethode angepriesen worden. Ein Arzt hatte ihm seinerzeit völlig problemlos die Substanz verschrieben. Durch die Einnahme wurde nicht nur die Epilepsie bekämpft. Der Angeklagte erlebte auch eine unglaubliche Steigerung seiner Leistungsfähigkeit. Er wurde nach eigenen Worten süchtig. Er arbeitete gleichzeitig in verschiedenen Jobs, gründete eine Firma für Nahrungsergänzungsmittel, begann mit dem Bodybuilding und baute sein Haus in Feldkirchen-Westerham. Zur Finanzierung der Immobilie wollte er angeblich den Kellerbereich mit „Hygieneschleuse“ an ein Pharma-Unternehmen vermieten. Doch der Plan missglückte. Schließlich zog er mit seiner Dopingküche selber in die Geheimkammer.

Er informierte sich in Fachzeitschriften, machte eigene Versuche, er spritzte sich immer mehr und nahm schließlich die siebenfache Menge, die ein Profi-Bodybuilder üblicherweise konsumiert. Laut Anklage hatte er aber auch namhafte Abnehmer – unter anderem einen erfolgreichen Amateur-Kickboxer und einen Professor der Deutschen Hochschule für Präventation und Gesundheitsmanagement in Saarbrücken. Gegen diese und die übrigen Kunden wird laut Staatsanwaltschaft gesondert ermittelt.

„Ich stehe zu meinen Taten, es tut mir Leid. Mein Handeln und die Konsequenzen waren mir nicht so klar“, zeigte sich der Angeklagte reumütig. Angeblich hatte er die Mittel vorrangig für sich selber zusammengestellt. Er wollte immer stärker werden. „Ich habe mein Wertgefühl allein über Leistung definiert“, sagte der 40-Jährige. Zum Schluss schlief er täglich nur noch zweimal zwei Stunden. Seine Dopingsubstanzen bezog er längst nicht mehr von heimischen Ärzten, sondern aus China.

Die Postsendungen sollten ihm zum Verhängnis werden. Der Zoll wurde auf seine Pakete aufmerksam und überprüfte sie. Daraufhin wurden verschiedene Sendungen zurückbehalten, bis die Polizei den Mann schließlich festnahm. In seinem Labor fanden die Beamten tausende von Etiketten und hunderte von Ampullen. Er war im Begriff, ganz groß in den Handel einzusteigen. Der Prozess dauert an.

Angela Walser

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