Doppelmörder Müller: Sein Versteck lag fast am Tatort

Rosenheim - Der Gejagte hat die Jagd beendet: Bevor die Polizei den Rosenheimer Doppelmörder schnappen konnte, beging er Selbstmord. Franz Müller hielt sich die ganze Zeit nur wenige Meter vom Tatort entfernt auf.

Spezialeinheiten durchsuchten die Wälder, Gärten und Flussläufe in Rosenheim und Umgebung nach ihm, bei „Aktenzeichen XY“ wurde sein Bild gezeigt und mehr als 100 besorgte Bürger riefen bei der Kriminalpolizei an, wollten ihn gesehen haben: den Doppelmörder Franz Müller. Mehrfach rückten Streifenwagen nach vielversprechenden Hinweisen mit Blaulicht und Sirene aus – vielleicht saß der Gesuchte da in seinem Versteck und lauschte dem Martinshorn. Seit Dienstagabend nämlich steht fest: Franz Müller, der vor gut drei Wochen seine Ex-Frau und den gemeinsamen Sohn umgebracht hat, hat sich seit dem Mord in unmittelbarer Nähe des Tatorts aufgehalten. Am Dienstag fand ihn ein Hausmeister erhängt in einem Schuppen.

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Doppelmord in Rosenheim

Ruzhdi Zhabari, der Hausmeister, geht an diesem Tag um kurz vor 18 Uhr zu dem Lagerraum im Hinterhof eines schmucklosen Mehrfamilienhauses. Die Wohnung, in der Franz Müller am 30. August die Rumänin Lacramioara M. und den drei Jahre alten Buben Marcus umgebracht hat, liegt um die Ecke, auf der anderen Seite der Straße, nur wenige hundert Meter entfernt. Zhabari will ein Regal im Schuppen verstauen, der ist vollgestopft mit alten Fahrrädern, ausrangierten Möbeln und Sperrmüll. Als der 41-Jährige auf das Gebäude zugeht, kommt ihm der Geruch komisch vor, erzählt er am Mittwochmorgen dem Kamerateam von „Rosenheim24“. Vorsichtig öffnet er die Tür, er steckt den Kopf hinein – „das hat brutal gestunken“, sagt er später. Trotzdem geht der Hausmeister hinein. Als sich seine Augen ans Dunkel gewöhnen, sieht er einen Mann. Erhängt, stark verwest. Ruzhdi Zhabari ruft sofort die Polizei.

Der Schuppen, in dem sich Müller erhängte

Leiche von Franz Müller gefunden?

Die Streife vermutet gleich: Das ist Franz Müller. Wenige Minuten später rückt die Spurensicherung an, ein Leichenwagen, Ermittler von der Soko „Hochgern“. Schnell erkennen die Beamten, dass der Deutschrumäne mehrere Tage vor dem Selbstmord in seinem Versteck, dem seit längerem nicht genutzten Schuppenabteil, verbracht hat. Der Gesuchte hat sich den Schuppen wohnlich eingerichtet, sogar eine Art Bett ist vorhanden. Bei dem Toten finden die Polizisten einen Abschiedsbrief, von Hand geschrieben.

Das Schriftstück ist adressiert an Müllers Tochter und datiert auf den 5. September, also knapp eine Woche nach der Tat. Doch auf den Tod seiner Ex und seines Kindes geht Müller nicht ein – er kündigt lediglich seinen Suizid an: „in einigen Tagen“. Wann er tatsächlich verstorben ist, wird die Obduktion der laut Polizei stark verwesten Leiche klären. Die Identität des Toten stand bereits vor der gerichtsmedizinischen Untersuchung fest: Die Fingerabdrücke des Toten stimmen mit denen von Franz Müller, die in einer Datenbank gespeichert sind, überein. Die Soko „Hochgern“, benannt nach der Adresse des Tatorts, wird jetzt verkleinert: von etwa 60 Beamten auf eine kleine Gruppe. Ob die Polizei das Motiv der Tat vollständig klären wird, ist fraglich. Aus dem Abschiedsbrief geht dazu nichts hervor. Den Ermittlungen zufolge hatte Müller den – falschen – Verdacht, dass Sohn Marcus ein Kuckuckskind ist.

Mit seinem Selbstmord hat der Gejagte die Jagd selbst beendet. Die Bürger in der Region waren durch den hohen Fahndungsdruck und die Ungewissheit, ob der Mörder noch in der Gegend ist, stark verunsichert. Viele fragen sich jetzt: „Warum hat die Polizei Müllers Versteck trotz aufwändiger Suchaktionen nicht gefunden?“ Es habe keinen Hinweis oder Anlass gegeben, diesen Schuppen zu durchsuchen, heißt es bei der Polizei. Es sei rechtlich nicht möglich, sämtliche Gebäude zu inspizieren. Auch wenn man den Mörder lieber lebendig gefunden hätte, gibt ein Sprecher zu: „Wir sind sehr erleichtert, dass die Suche ein Ende hat.

Carina Lechner

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