Der Pilot landete den Rettungshubschrauber trotz der schlechten Sichtverhältnisse souverän auf dem Felsvorsprung unter dem Gipfel des Biberkopfes. Foto: Willert/Bergwacht

Dramatische Rettungsaktion am Biberkopf

Oberstdorf - Nebel hängt zwischen den Felswänden des Biberkopfes, als eine achtköpfige Gruppe aus Sachsen am Pfingstsonntag den Berg in den Allgäuer Alpen bezwingen will.

Von der Rappenseehütte aus machen sich die drei Frauen und fünf Männer, alles erfahrene Bergsteiger, auf den Weg zum Gipfel - dass wenige Stunden später eine Teilnehmerin beinahe in den Tod stürzen wird, ahnen sie nicht.

Die Gruppe folgt den Markierungen auf der Westseite des Berges. Gegen Mittag befinden sich die Bergsteiger auf einem rund 50 Zentimeter schmalen Pfad - Halteseile gibt es hier nicht. Es sind nur noch 200 Meter bis zum Gipfel, als eine der Frauen plötzlich auf einem Schneerest ausrutscht. Die 46-Jährige stürzt 25 Meter in die Tiefe und kommt am Rande eines Abgrunds zum liegen. „Sie hatte unglaubliches Glück. Wenn sie nur zwei oder drei Meter weitergerutscht wäre, dann hätte sie das nicht überlebt“, sagt Bernhard Böck von der Bergwacht Oberstdorf. Er war selbst als Retter vor Ort und berichtet, dass es an dieser Stelle 300 Meter in die Tiefe geht.

Der Partner der 46-Jährigen seilt sich zu der Verletzten ab. Später werden die Bergretter neben einer stark blutenden Platzwunde am Kopf diverse Knochenbrüche und einen zertrümmerten Ellenbogen diagnostizieren. Der Mann alarmiert die Rettungsleitstelle. Es ist 12.35 Uhr. Die Bergwacht Oberstdorf (Kreis Oberallgäu) schickt einen Hubschrauber. Etwa eine halbe Stunde später sind die Rettungskräfte vor Ort. Eine Meisterleistung angesichts der schwierigen Sichtverhältnisse, wie Böck betont: „Der Pilot ist an die Grenze des Machbaren geflogen.“

Die 46-Jährige ist ansprechbar, steht aber unter Schock. Sie wird zunächst für eine medizinische Erstversorgung auf einen Zwischenlandeplatz geflogen, bevor sie ins Krankenhaus nach Immenstadt (Landkreis Oberallgäu) gebracht wird. „Wenn man die Höhe bedenkt, ist sie noch relativ glimpflich davongekommen“, sagt Böck und fügt hinzu: „Sie hatte einfach Pech, dass sie auf dem alten Schnee ausgerutscht ist.“

Andrea Pientka

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