Fischsterben nach Brand in Chemie-Fabrik

Burgkirchen - Kiloweise tote Fische: Nach einem Brand in einer Chemiefirma bei Burgkirchen im Kreis Altötting verseuchte Löschwasser die Alz. Das Ausmaß des Unglücks ist noch unklar.

Ein Brand, ein Feuerwehreinsatz, so fing es an – doch jetzt scheint aus einer kleinen Sache eine mittlere Umweltkatastrophe zu werden. Zahllose Fische tot, die Alz auf 15 Kilometern verseucht, vielleicht auch der Inn. Was war passiert?

Mittwochabend, 19.45 Uhr: Ein Brand wird gemeldet, im Industriepark Werk Gendorf bei Burgkirchen (Kreis Altötting), direkt an dem Flüsschen Alz. Dort sind mehrere Chemie-Firmen angesiedelt. Es brennt in der Produktionsstätte von Clariant. Dort wird Amin, ein Rohstoff für Waschmittel, hergestellt. Die Werksfeuerwehr rückt aus, vorsorglich werden auch die Wehren aus den umliegenden Gemeinden alarmiert. Nach einer halben Stunde ist das Feuer am Dach der Halle gelöscht. Der Mitarbeiter, der den Brand entdeckt hatte, kommt leicht verletzt ins Krankenhaus. Messtrupps des Industrieparks untersuchen die Luft auf gefährliche Stoffe – Fehlanzeige. Die Rettungskräfte rücken ab.

Doch am nächsten Morgen macht ein Spaziergänger ein Stück flussabwärts eine grausige Entdeckung: tote Fische, überall. Die alarmierte Polizei fliegt im Hubschrauber die Alz ab und stellt fest, dass sich das Fischsterben auf mehrere Kilometer erstreckt. Das Wasserwirtschaftsamt, das Landratsamt, die österreichischen Behörden werden alarmiert – auch der Inn, der in der Nähe auf die Grenze trifft, könnte verseucht sein. Eine Familie, die im relevanten Bereich Grundwasser verwendet, wurde gewarnt.

Die Ermittler stehen noch am Anfang, allerdings scheint kontaminiertes Löschwasser in die Alz gelangt zu sein. Eigentlich machen im Brandfall spezielle Schleusen dicht und führen das Wasser in ein Rückhaltebecken – doch offenbar hat das nicht funktioniert. Unklar ist auch die Brandursache: Laut Rosenheim24.de brach das Feuer auf dem Dach des 17 Meter hohen Gebäudes aus, in dem das Amin hergestellt wird. Dieser Stoff brenne ausschließlich in einer Reaktion mit Sauerstoff, so teilte die Geschäftsleitung mit. Wie das Amin in die Nähe des Dachs gelangen konnte? Ein Rätsel.

Bereits vor sechs Jahren hatte ein Umweltskandal im Werk Gendorf für Aufregung gesorgt. Aktivisten von Greenpeace hatten herausgefunden, dass vom Werksgelände aus PFT, Perfluorierte Tenside, in die Alz geleitet wurden. Die Konzentration sei so hoch wie an keinem anderen deutschen Fluss, hieß es 1996. Die Behörden gaben damals Entwarnung: Die Einleitung der PFT sei genehmigt, die Konzentration unbedenklich.

Von Carina Lechner

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