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Eine Bühne für die ganze Welt: Bei dem Musik-Märchen „Weltworte“ stehen Darsteller aus unterschiedlichen Kulturen gemeinsam auf der Bühne. Alle Sprachen, Tänze und Bräuche sollen einfließen. Es ist eines der drei Gewinner-Projekte.

Integrationspreis

Drei Arten des Willkommenseins

München - Die Regierung von Oberbayern hat drei Initiativen ausgezeichnet, die in ihren Landkreisen die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund vorantreiben. Alle auf ganz unterschiedliche Weise.

Manchmal ist ihre Bühne winzig klein – und trotzdem ist darauf immer Platz für die ganze Welt. Für alle Nationen, für ihre Sprache, für ihre Tänze, für ihre Kultur. Genau darum geht es bei dem Projekt „Weltworte“, erzählt Gerhild Schenck-Heuck. Sie ist eine der vielen Helfer aus Herrsching (Kreis Starnberg), die vor einem Jahr dabei geholfen haben, das Musik-Märchen auf die Beine zu stellen. Es sollte eine kultur- und generationenübergreifende Aufführung werden – ein Theater, das mit seinen Darstellern wächst. Weder Gerhild Schenck-Heuck noch die anderen Organisatoren hatten damit gerechnet, wie schnell es wachsen würde. „Unser jüngster Darsteller ist drei, unser ältester 73“, erzählt sie. Laienschauspieler aus Bayern gestalten das Stück gemeinsam mit Menschen aus aller Welt, die Sprachen aller Mitwirkenden fließen ein. Wenn neue Darsteller dazu kommen – umso besser. „Bei jeder Aufführung ist das Stück ein klein wenig anders“, erzählt Gerhild Schenck-Heuck, die sich seit Jahren im Integrationsteam von Herrsching engagiert. Es wächst und wächst – und mit ihm wachsen Freundschaften.

Das Musik-Märchen „Weltworte“ ist eines von 19 Projekten, mit denen sich Helferkreise für den Integrationspreis beworben haben, den die Regierung von Oberbayern gestern verliehen hat. Es ist eines der drei Gewinner-Projekte. „Das ist für uns die schönste Wertschätzung unserer Arbeit“, sagt Schenk-Heuck. „Besonders den Flüchtlingen tut es unheimlich gut, für etwas Anerkennung zu bekommen.“

Ähnlich groß war die Freude in Dachau, als Stadtjugendpflegerin Christine Wörthmann vor einigen Wochen die Nachricht bekam, dass auch der Runde Tisch „Jugend und Integration“ unter den drei Preisträgern ist. Sie war eine der Initiatoren, die das Projekt vor fünf Jahren ins Leben gerufen haben, um Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund besser in Vereinen einzugliedern. Seitdem gab es viele große und kleine Aktionen und Projekte, die das Zusammenleben der Kulturen in Dachau verändert haben, sagt Wörthmann. Den schönsten Beweis dafür hat sie im Sommer erlebt: „Der türkisch-islamische Verein hat angeboten, im Dachauer Jugendzentrum ein großes Familienfest für alle zu organisieren“, erzählt sie. Es war ein Fest, das es jedes Jahr gab – von dem in Dachau aber zuvor kaum jemand etwas mitbekommen hatte.

Die Auszeichnung und die 1000 Euro Preisgeld sind für die rund 50 Mitglieder des Runden Tisches nicht der einzige Grund zur Freude, sagt Christine Wörthmann. „Bisher war der Runde Tisch ein Modellprojekt – nun wird die Stadt voraussichtlich eine halbe Fachkraft-Stelle für die Integrationsarbeit schaffen.“ Das ist in Dachau längst gefeiert worden – schon lange vor der offiziellen Preisverleihung.

Die dritte Auszeichnung ging gestern Abend an die Integrationslotsen, die in Mühldorf und Waldkraiburg seit drei Jahren Eltern beraten, die erst seit kurzer Zeit in Deutschland leben. Sie erklären ihnen das Schulsystem, begleiten sie zu Ämtern oder unterstützen die Familien bei der Wohnungssuche. „Wir sind inzwischen 31 Lotsen und können in 22 Sprachen beraten“, sagt Jelena Djakovic, die Leiterin der Integrationslotsen. Sie ist mit ihrer Familie 1999 aus Serbien nach Deutschland gekommen – und erinnert sich noch zu gut, wie dankbar sie damals für ein bisschen Hilfe gewesen wäre. „Die Hemmungen, Fragen zu stellen, sind genauso groß, wie die Unsicherheit, sich in einer fremden Kultur zurecht zu finden“, sagt sie. Durch die Beratung der Integrationslotsen sind in den vergangenen Jahren viele Freundschaften entstanden. „Einige, die wir vor einigen Jahren beraten haben, sind inzwischen selbst Lotsen“, sagt Djakovic. Das ist für sie die schönste Bestätigung dafür, dass sich das Projekt lohnt.

Katrin Woitsch

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