Drei Wochen im Koma

Ein Böller hätte mich fast umgebracht

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Drei Wochen im künstlichen Koma: Die Mischung für den Silvesterböller Marke Eigenbau brachte einen 23-Jährigen fast um. Nun warnt er vor dem gefährlichen Umgang mit Feuerwerk.

Schwabhausen - Ein greller Blitz ist das Letzte, woran sich Klaus (23, Name geändert) erinnern kann. Der Flug im Rettungshubschrauber in die Klinik, wie die Ärzte um sein Leben kämpften – all das fehlt ihm. Drei Wochen lag er im künstlichen Koma. Eine lebensgefährliche Chemikalien-Mischung für Silvesterböller der Marke Eigenbau hatte ihn an jenem 28. Dezember 2016 daheim in der Werkstatt in Schwabhausen/Weil zwischen Geltendorf und Lansberg am Lech beinahe das Leben gekostet – und drei seiner Freunde (19, 20, 25) zum Teil schwer verletzt. Auf den Tag genau ein Jahr danach stand Klaus gestern auf Einladung der Sprengstoffexperten des Bayerischen Landeskriminalamtes im Schneegestöber hinter der Olympia-Schießstätte in Garching und warnte mit fester Stimme: „Ich dachte immer, ich hätte es im Griff. Aber ich hatte es nicht im Griff. Bitte baut keine Böller selbst und kauft kein Feuerwerk im Ausland oder im Internet!“

So sah die Werkstatt nach der Explosion aus.

Klaus und seine Freunde bauten seit Jahren kurz vor Silvester eigene Böller. Vor einem Jahr wogen sie die Zutaten mit der Feinwaage ab und mahlten das Ganze mit Metallkugeln und der Küchenmaschine. Die Metallschüssel hatte er sich dafür zwischen die Beine geklemmt. „Ist das nicht gefährlich?“, fragte der Freund (25) noch. Klaus sagte: „Nein.“ Genau in diesem Moment erschütterten zwei schwere Explosionen die Werkstatt. Die Garagentore flogen aus der Verankerung, die ganze Werkstatt wurde verwüstet, das Haus beschädigt. Die junge Frau (19) und ein 20-jähriger hatten Glück. Der 25-Jährige wurde schwer verletzt in einen Klinik geflogen. Für Klaus jedoch ging es ums Leben. Die Explosion hatte seine Oberschenkel bis auf die Knochen zerrissen, ihm schwere Brandwunden zugefügt, einen Finger abgerissen, seine Haare verbrannt und seine Augen verletzt. Dass er heute wieder gehen, joggen und Skifahren kann, verdankt er der Kunst der Ärzte und seinem eisernen Willen.

Klaus (Name geändert) zeigt das Bild der Verwüstung.

Gemütlich feiern - ohne Feuerwerk

Klaus hat heute eine neue Sicht aufs Leben: „Ich habe meine Freunde in Gefahr gebracht und meiner Familie großen Schaden und Angst zugefügt. Das hat mich verändert. Ich genieße mehr als früher, sehe die Schönheit in kleinen Dingen. Streiten ist nicht wichtig.“ Silvester wird er daheim verbringen: „Gemütlich im Kreis der Familie.“ Ohne Feuerwerk.

Tödlich! Jürgen Gust zeigt einen Gipspfropfen, welcher mit 330 Metern pro Sekunde durch die Gegend schießt.

Experten-Tipps: So sind Sie sicher

Sie sehen viel Unglück und sind stets an vorderster Front bei Explosionen wie damals bei der Katastrophe in Schwabhausen – das Team der Sprengstoffexperten des Landeskriminalamts. Chef dieses Sachgebiets ist Kriminalhauptkommissar Jürgen Gust, der ein paar sehr einfache, aber wichtige Sicherheits-Tipps fürs Feuerwerk hat:

„Achten Sie darauf, dass nach oben alles frei ist.“ Bäume, Äste, ein Balkon oder die Laterne – daran können Feuerwerkskörper abprallen und als gefährliche Blindgänger wieder zurückkommen.

„Stecken Sie Ihre Raketen in leere Flaschen und lassen Sie die Flaschen im Kasten stehen.“ Dann kippt beim Start nichts um.

„Benutzen Sie zum Anzünden immer ein Stabfeuerzeug.“ Das gibt es für wenig Geld in jedem Drogeriemarkt und verhindert fiese Brandblasen an den Fingern.

„Beugen Sie sich niemals beim Anzünden mit dem Gesicht voran über die Raketen.“ So entgeht man üblen Verletzungen, falls eine Rakete doch mal schneller startet, als man es erwartet hätte.

Alkohol und Selbstüberschätzung fordern jedes Jahr Schwerstverletzte beim Feuerwerk. Jürgen Gusts Ratschlag: „Überlassen Sie anderen das Abfeuern, wenn Sie den Alkohol spüren.“

„Kaufen Sie Böller und Feuerwerk nur im deutschen Handel, niemals jedoch im Ausland oder im Internet. Dann sind Sie auf der sicheren Seite.“

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Video: Glomex

Rubriklistenbild: © K laus Haag

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