Razzia in Augsburg: Terrorverdacht gegen drei Männer

Razzia in Augsburg: Terrorverdacht gegen drei Männer
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Ein Polizist trägt eine Steuereinheit ab. Für die Ermittler ist es ein großes Puzzle, das sie zu lösen haben.

Nach dem Zugunglück bei Bad Aibling

Dritte Blackbox gefunden: "Wir brauchen noch mehr Puzzleteile"

Bad Aibling - Die Bergungsarbeiten nach dem Zugunglück bei Bad Aibling gehen voran. Einsatzkräfte haben den dritten Fahrtenschreiber gefunden. In den Krankenhäusern kämpfen schwerverletzte Opfer ums Überleben.

Es ist eine Puzzlearbeit – für die Ermittler, die die Ursache für das Zugunglück von Bad Aibling finden wollen. Und für diejenigen, die die Wracks abtransportieren sollen. Bei den Aufräumarbeiten ist am Freitag auch die letzte Blackbox aufgetaucht. Dieser Fahrtenschreiber zeichnet relevante Informationen während der Fahrt auf und soll dazu beitragen, den Hergang des Unfalls mit bisher elf Toten und zahlreichen Verletzten herauszufinden. Die Experten kommen bei der Spurenanalyse voran – bislang aber ohne konkrete Ergebnisse. Doch schlechte Nachrichten kommen aus den Kliniken.

Einige Opfer sind "in einem kritischen Zustand"

Die Zahl der Opfer könnte noch steigen, sagte eine Polizeisprecherin: „Es ist leider so, dass einige in einem kritischen Zustand sind.“ Es stehe zu befürchten, dass weitere Menschen den Kampf um ihr Leben verlieren. Am Wochenende hat die Geschäftsführung der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) der Opfer des Zugunglücks gedacht. In einer Traueranzeige heißt es: „In tiefer Trauer verneigen wir uns vor allen Verstorbenen, die auf so tragische Weise aus dem Leben gerissen wurden. Mit unseren Gedanken und unserer tiefen Anteilnahme sind wir bei den Familien der Opfer.“

Die Unfallstelle wird unterdessen Stück für Stück mit schwerem Gerät aufgeräumt. „Die zwei Triebwagen sind jetzt voneinander getrennt, die rollfähigen Zugteile werden langsam abtransportiert“, erläuterte die Polizeisprecherin. „Das Gleis wird heute nicht vollständig geräumt werden.“ Wann die letzten Zugteile abtransportiert sein werden, war zunächst unklar.

Polizei spekuliert nicht zur Unfallursache

Zur Suche nach der Ursache sagte die Sprecherin: „Wir brauchen noch mehr Puzzleteile, um das gesamte Bild sehen zu können.“ Es sei noch nicht ausgemacht, ob es sich um menschliches oder technisches Versagen handele. „Da können auch mehrere Sachen zusammenspielen.“ Der Polizeisprecher betonte: „Die Ermittlungsarbeit müssen wir seriös und sachlich voranbringen.“ Daher äußere sich die Polizei nicht weiter. Experten haben zwei der drei Fahrtenschreiber aus den Zugwracks vollständig ausgelesen. „Es konnten keine Hinweise auf Missachtung von Signalen festgestellt werden“, berichtete ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums mit Blick auf die Datenspeicherkassette desjenigen Zuges, der von Rosenheim nach Holzkirchen unterwegs war.

Der eine der beiden Fahrtenschreiber des Gegenzuges sei ebenfalls bereits ausgewertet worden. „Daraus können keine Erkenntnisse auf die Handlungen des Triebfahrzeugführers gewonnen werden.“ Die Auswertung der dritten, erst am Freitag geborgenen Blackbox werde derzeit versucht – die Blackbox sei allerdings beschädigt. Wie unsere Zeitung aus sicherer Quelle erfahren hat, sind die Daten trotzdem noch lesbar. Dass es in dem Zug zwei Fahrtenschreiber gegeben habe, liege daran, dass in dem Fall ein zweiteiliger Zug unterwegs gewesen sei.

Zugfunkgespräche werden ausgewertet

Als nächstes würden die Zugfunkgespräche ausgewertet und mit dem Fahrtverlauf abgeglichen, erläuterte der Ministeriumssprecher. Zudem würden die im Stellwerk registrierten und dokumentierten Bedienhandlungen mit den Aufzeichnungen der Datenspeicherkassette abgeglichen und dortige Abläufe untersucht. Der Polizeisprecher sagte, wenn das Gleis von Wrackteilen freigeräumt sei, müssten die Ermittler noch technische Untersuchungen vornehmen etwa an den Gleisen und am Stellwerk. Zudem sollen Zeugen vernommen werden, die dazu schon in der Lage sind.

Fahrdienstleiter wollte Züge stoppen

Der diensthabende Fahrdienstleiter im Stellwerk von Bad Aibling hat nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ noch versucht, die aufeinander zurasenden Züge per Notruf zu stoppen. Weder das Polizeipräsidium noch der Traunsteiner Oberstaatsanwalt Volker Ziegler wollten das bestätigen. Dazu lägen keine Informationen vor. Zur Unfallursache wird es wohl frühestens im Laufe der kommenden Woche eine erste offizielle Stellungnahme zu den Erkenntnissen der 50-köpfigen Sonderkommission. Sobald die Gleise frei sind, wollen die Ermittler die Unglücksfahrten nachstellen. Das könnte schon an diesem Wochenende passieren.

Wann die Strecke wieder für den Zugverkehr geöffnet wird, ist noch unklar. Nach den Bergungsarbeiten müssen noch Gleise und Oberleitungen instandgesetzt werden. Zudem muss es laut Polizei eine Probefahrt geben.

Von Elke Richter, Marco Krefting und Ludwig Simeth

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