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Der Donaudurchbruch bei Kelheim ist als Teil eines Donauauen-Nationalparks im Gespräch. Doch ob der dritte Nationalpark überhaupt noch kommt, ist fraglich.

Projekt auf der Kippe

Drittem Nationalpark in Bayern droht das Aus – so reagieren Naturschützer

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Einem möglichen dritten Nationalpark in Bayern droht das Ende. Die Gegner sehen sich von der kritischen Haltung des künftigen Ministerpräsidenten beflügelt und fordern, das Projekt schnell zu beerdigen. Naturschützer hingegen liebäugeln mit einem Volksbegehren.

München – Am kommenden Freitag hätte Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) eigentlich in Ingolstadt über die Möglichkeiten eines Nationalparks in den Donauauen sprechen sollen. Aber offenbar ist es mit diesen Möglichkeiten nicht mehr weit her, denn Scharf hat den Termin vorsorglich auf unbestimmte Zeit verschoben. Ihr Ministerium verweist auf die anstehende Grundsatzentscheidung des designierten Ministerpräsidenten Markus Söder. „Diese Entscheidung gilt es abzuwarten“, sagt ein Sprecher. „Deshalb ist es im Moment nicht zielführend, vor Ort über Details eines dritten Nationalparks zu diskutieren.“

Das verwundert schon deshalb, weil Scharf noch vor wenigen Wochen angekündigt hatte, den Dialog vor Ort „mit großem Engagement“ weiterzuführen. Dass das große Engagement nun erst einmal unterbrochen ist, werten viele als Zeichen für eine Entscheidung gegen einen dritten Nationalpark in Bayern. Söder würde damit dem Wunsch der Mehrheit in seiner Fraktion folgen. Denn dort hielt sich die Begeisterung über Seehofers Nationalpark-Vorstoß schon immer in Grenzen. Doch Kritiker gibt es nicht nur in Reihen der CSU.

„Ich hoffe, dass das Projekt beerdigt wird“

„Ich hoffe, dass das Projekt beerdigt wird“, sagt Stefan Wurst von der Holzvermarktungsgesellschaft der Waldbesitzervereinigung Nordschwaben. Landwirte und Waldbesitzer in Schwaben und im nördlichen Oberbayern hatten sich immer wieder kritisch zu einem Nationalpark in den Donauauen geäußert. Wurst glaubt, dass die Nationalpark-Idee vor allem bei Stadtbewohnern Anklang findet – „die Landbevölkerung sieht es eher kritisch“.

Martin Neumeyer, CSU-Landrat von Kelheim, hatte die Nationalparkfrage bislang immer „mit einem klaren Jein“ beantwortet. „Es gibt einfach noch viel zu viele offene Fragen“, sagt er. Doch ob es die Antworten darauf überhaupt noch geben wird, ist offener denn je. Denn auch Neumeyer sagt: „Ich gehe davon aus, dass dieses Projekt auf Eis gelegt ist.“

„Es gibt zwar noch offene Fragen, aber keine davon wäre unlösbar“

Der Grünen-Abgeordnete Christian Magerl hält es für völlig falsch, den Dialog jetzt einzustellen. „Es gibt zwar noch offene Fragen, aber keine davon wäre unlösbar.“ Dass Ministerin Scharf die Infoveranstaltung abgesagt hat, wertet er als „vorauseilenden Gehorsam“. „Sollte Söder den Kabinettsbeschluss kassieren, steht er in Sachen Naturschutz mit leeren Händen da“, kritisiert Magerl.

Claus Obermeier vom Bündnis Auennationalpark kündigt an, dass man weiter für einen Nationalpark kämpfen werde. „Der Prozess ist so weit fortgeschritten, das lässt sich nicht mit einem Nebensatz beerdigen.“ In dem Bündnis gibt es bereits erste Stimmen, die ein Volksbegehren fordern – zumal es Anzeichen gebe, dass Söder seine Entscheidung erst nach der Landtagswahl fällen könnte. In einer Strategiesitzung am kommenden Freitag soll auch über die Möglichkeit eines Volksbegehrens diskutiert werden. Man werde jedenfalls nicht auf neue Vorstöße aus dem Umweltministerium warten, sondern eigene Ideen über eine mögliche Gebietskulisse einbringen, so Obermeier. Zur Debatte stehen neben dem Kerngebiet der Donauauen auch die Isarauen in den Landkreisen Freising und Erding.

Beim zweiten Nationalparkskandidaten, der Rhön, ist die Lage ähnlich. Auch dort sehen sich die Gegner von Söders Haltung gestärkt. Die großen Naturschutzverbände wie der Bund Naturschutz und der Landesbund für Vogelschutz wollen weiter für einen dritten Nationalpark neben dem Alpennationalpark Berchtesgaden und dem Bayerischen Wald kämpfen.

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