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Drogen und Munition: Polizei in Erklärungsnot

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Augsburg/Kempten - Im Büro eines Drogenfahnders aus Kempten liegen 1,6 Kilo Kokain. Ein Augsburger Polizist bunkert eine große Mengen Munition in der Wache. Einzelfälle, heißt es offiziell.

Das Dezernat 13 im Landeskriminalamt ist zuständig für interne Ermittlungen. Derzeit haben die Ermittler des Öfteren in Schwaben zu tun. Im Büro des obersten Kemptener Drogenfahnders wurden Ende Februar 1,6 Kilo Kokain gefunden. Erst am Dienstag flog ein Beamter aus Augsburg auf, der in seiner Dienststelle größere Mengen an Munition gelagert hatte. In seiner Wohnung fanden die Kollegen zudem zwei Kilo Schwarzpulver, Übungshandgranaten, Leuchtsprunggeschosse und selbst gebastelte Munitionskörper (wir berichteten). Der Augsburger Beamte ist vom Dienst suspendiert, der Drogenfahnder sitzt in Untersuchungshaft.

Polizisten, die Drogen und Munition verstecken – was ist da los?

„So entsteht natürlich der Eindruck, dass das in Schwaben alles etwas laxer gehandhabt wird“, sagt der Landtagsabgeordnete Peter Paul Gantzer (SPD). Für den jüngsten Vorfall in Augsburg hat er besonders wenig Verständnis. „Das geht nicht.“ Gerade ein Polizist müsse die strengen Regeln im Umgang mit Waffen und Munition kennen. Er hat Innenminister Joachim Herrmann (CSU) per Brief um Aufklärung gebeten.

„Natürlich macht man sich bei uns Gedanken darüber“, sagt auch Helmut Bahr, der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Bayern. Allerdings spricht er von „Einzelfällen“. Eine Häufung im Bereich Schwaben stellt er nicht fest – zumal die beiden beschriebenen Funde in zwei verschiedenen Präsidien gemacht wurden. Kempten gehört zum Bereich Schwaben Süd/West, Augsburg zu Schwaben Nord.

„Dass es natürlich schwarze Schafe gibt, ist klar"

Auch Harald Schneider, der bis zur Wahl 2013 für die SPD im Landtag saß und sich als Abgeordneter vor allem mit Bayerns Polizei beschäftigt hat, hält eine Verallgemeinerung für falsch. „Dass es natürlich schwarze Schafe gibt, ist klar. Aber die gibt es überall.“ Außerdem, fügt er an, funktioniere der „Selbstreinigungsprozess in der Polizei bisher gut“.

Dabei sind die Fälle im Einzelnen keine Kavaliersdelikte. Der 52-jährige Drogenfahnder behauptet zwar, das Kokain zu Schulungszwecken gebraucht zu haben. Die Staatsanwaltschaft München I hält diese Erklärung aber für nicht plausibel – dafür sei die Drogenmenge zu groß. Bekannt ist, dass die italienische Mafia in Schwaben lukrative Geschäfte mit Rauschgift macht. Von einer Verbindung zwischen dem Fahnder und der organisierten Kriminalität ist bisher nichts bekannt. Im Falle des Streifenbeamten aus Augsburg haben die Ermittlungen des LKA gerade erst begonnen. Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Nord deutete an, es handele sich bei dem Mann wohl um einen Waffennarren.

Dass gerade der Drogenfund ein dunkles Licht auf Schwabens Polizei geworfen hat, weiß auch Polizeipräsident Hans-Jürgen Memel. Bei der Präsentation der Kemptener Kriminalitätsstatistik sagte er vergangene Woche: „Wir wissen um den Imageschaden und wissen, dass man in der Region auch in zehn Jahren noch darüber sprechen wird.“

Rubriklistenbild: © dpa

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