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Ein Drogensüchtiger beim Aufziehen einer Spritze mit Heroin.

Zahl der Drogentoten steigt beharrlich

Drogen-Problem: Fixerstuben auch in Bayern?

München - Alarmierend: Die Zahl der Drogentoten in Bayern steigt seit Jahren, psychoaktive Substanzen sind auf dem Vormarsch. Die Politik sucht nach Lösungen: Sogar in der CSU denkt man über "Fixerstuben" nach.

Das Drama spielte sich in einer Wohnung nahe Wasserburg ab: Eine 18-Jährige musste am vergangenen Wochenende mitansehen, wie ihr drei Jahre älterer Freund in dessen Wohnung plötzlich zusammenbrach und leblos am Boden liegen blieb. Beide hatten zuvor synthetische Drogen genommen, der Mann offenbar eine zu hohe Dosis erwischt – der herbeigerufene Notarzt konnte ihn nicht mehr retten.

Kein Einzelfall. Sogenannte neue psychoaktive Substanzen (NPS) bereiten den Ermittlern Sorgen, sagt ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Denn auch im Oberland oder im Chiemgau landen solche Chemikalien unter der Bezeichnung „Kräutermischungen“, „Badesalz“ oder „Pflanzendünger“ nicht zuletzt über das Internet immer öfter auf den Markt. Im menschlichen Körper entfalten die, dem Abhängigen oft nicht einmal bekannten, Inhaltsstoffe häufig völlig unkalkulierbare Wirkungen, erläutert der Sprecher. Auch in anderen bayerischen Polizeipräsidien hat man zunehmend mit diesen Substanzen zu tun. So gab es etwa in Nürnberg einen geringen Anstieg der NPS-Todesfälle. Und auch bei der Suchthilfeberatung Prop, die unter anderem im Münchner Hauptbahnhofviertel eine Einrichtung betreibt, heißt es, psychoaktive Substanzen spielten „zunehmend eine Rolle“. Suchttherapeutin Regina Radke sagt: „Manche unserer Klienten hatten deshalb schon ein Multi-Organversagen.“ Mehrmals habe man in den vergangenen Monaten den Notarzt rufen müssen, weil jemand eine Überdosis hatte. Anders als in der Landeshauptstadt, wo die Zahl aller Rauschgiftopfer 2014 im Vergleich zum Vorjahr um ein Viertel auf 48 anstieg, sank sie im Umland leicht: Im Präsidium Oberbayern Nord, zu dem etwa die Landkreise Fürstenfeldbruck und Freising gehören, starben im vergangenen Jahr 14 statt wie im Vorjahr 13 Menschen am Rauschgiftkonsum. In Oberbayern Süd kamen 2014 mit 23 sogar fünf Konsumenten weniger ums Leben. Todesursache Nummer eins im Freistaat ist der Polizei zufolge weiterhin Heroin. Doch auch Fentanyl, an das Junkies deutlich leichter kommen als an Heroin, wird zu einer wachsenden Gefahr: Ein Sechstel der Drogentoten an der Isar fielen dem Stoff, den Abhängige aus speziellen Pflastern abkochen, im Jahr 2014 zum Opfer. Im Bereich des Präsidiums Oberbayern Süd kostete die teuflische Substanz sogar mehr Menschenleben als jede andere Droge. Bei Fentanyl könnten die Süchtigen „nur schwer abschätzen, wie stark dann die Dosis ist, die sie sich spritzen“, warnt Expertin Radke.

Dramatische Entwicklung

Im vergangenen Jahr starben allein in München etwa zwei Drittel der 48 Drogenopfer in einer Wohnung - meist der eigenen. Hinzu kamen noch jene, die alleine zuhause gefunden wurden und dann im Krankenhaus nicht mehr wiederbelebt werden konnten, weiß Thomas Althaus vom für Todesfälle zuständigen Kommissariat. Auf dem Land ist es nicht anders. Doch selbst wenn Junkies den Stoff in der Gruppe konsumieren, bietet dies oft keinen Schutz. Suchtberatungsstellen zufolge rufen Abhängige aus Angst, dass der Notarzt auch die Polizei in Schlepptau hat, oft keine professionelle Hilfe. Klaus Fuhrmann von der Suchtberatung Condrobs empfiehlt seinen Klienten, am Telefon keinesfalls den Drogenkonsum zu erwähnen.

Bayernweit stieg die Zahl der Drogentoten 2014 im Vergleich zum Vorjahr um 22 auf 252 an – ein Höchstwert unter allen Ländern. Es ist der dritte Anstieg in Folge. Auch pro Kopf verzeichnete der Freistaat 2014 unter den Flächenstaaten den höchsten Wert pro Einwohner.

Angesichts dieser dramatischen Entwicklung gibt es auch in Teilen der CSU Anzeichen für ein Umdenken. Der CSU-Landtagsabgeordnete Joachim Unterländer fordert, die Einrichtung von Fixerstuben „ergebnisoffen zu prüfen“. Für den Sozialpolitiker ist klar: „Sollten wissenschaftliche Studien zeigen, dass diese tatsächlich Menschenleben retteten, darf es hier keine Denkblockaden geben.“ Ähnlich denkt auch der Münchner CSU-Stadtrat Hans Theiss.

Bisher sind nur SPD und Grüne für die Einrichtung. Die SPD-Gesundheitsexpertin Kathrin Sonnenholzner sagt: „Mit der Schaffung von Räumen, die gewisse Kontroll- und Sicherheitsstandards vorweisen und auch sauberes Besteck bieten, wird zumindest das Infektionsrisiko von Krankheiten wie HIV oder Hepatitis eingedämmt.“ Ein Sprecher des Innenministeriums hält Drogenkonsumräume dagegen „für einen völligen Irrweg.“

Tobias Lill

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