Unangenehme Spät-Folge

Hochwasser: Jetzt droht die Stechmücken-Invasion

München - Ein kleines Wesen gibt es, das von dem Hochwasser in Bayern enorm profitiert. Und das sich in den kommenden Wochen, sobald es warm wird, explosionsartig vermehren könnte: die Stechmücke.

Es surrt, es juckt, es nervt. Die Beziehung zwischen Mücken und Menschen könnte sich schon bald stark intensivieren – wohl nur zur Freude einer Seite. Denn das Hochwasser hat Bayern in ein riesiges Mücken-Paradies verwandelt. Große und kleine stehende Gewässer soweit das Insektenauge reicht, ideale Bedingungen für alle Mücken-Weibchen, um ihre Eier abzulegen. Immer wieder und überall. Bei warmem Wetter schlüpfen die lästigen kleinen Blutsauger wie am Fließband. Ein Weibchen legt 200 bis 300 Eier, die sich innerhalb von ein bis zwei Wochen zu flugfähigen Insekten entwickeln, wenn sie überschwemmt werden und es angenehm warm ist. Und auch sie sind dann reif für die Paarung und danach kontinuierlich auf Blutsuche.

Großes Aufräumen in Passau

Großes Aufräumen in Passau

„Ob eine richtige Mückenplage auf uns zukommt, hängt davon ab, wie lange das Wasser bleibt und wie schnell es warm wird“, sagt Professor Hans-Dieter Nothdurft, Oberarzt am Münchner Institut für Infektions- und Tropenmedizin. Noch traut er sich nicht, zu prognostizieren, dass die Bayern den ganzen Sommer über mit mehr juckenden Stichen als sonst an das Hochwasser erinnert werden. Aber eine schlechte Nachricht hat er auf jeden Fall: „Selbst das braune Schmutzwasser ist bei Mücken sehr beliebt – vor allem bei den Culex-Mücken, den besonders lästigen Schnaken.“ Sie können allerdings höchstens ein nerviges Ärgernis werden – aber nicht gefährlich, betont Nothdurft. „Krankheiten oder Bakterien übertragen die Mücken durch das Dreckwasser nicht.“

Aber jucken wird es wohl in etwa zwei Wochen – denn der Deutsche Wetterdienst hat bis zum Wochenende Temperaturen von bis zu 24 Grad angekündigt. Genau das, was den Mücken im Moment noch fehlt in ihrem Brut-Paradies.

Die Kommunen bekämpfen Mückenplagen seit einigen Jahren mit dem Bakterium BTI. Es bildet ein Eiweiß, das den Darm der Larven zerstört und sie sterben lässt, bevor sie sich zu Mücken entwickeln. Vor drei Jahren wurden allein am Chiemsee 6,6 Tonnen BTI mit einem Hubschrauber versprüht. In vielen Naturschutzgebieten ist der Einsatz des Insektizids allerdings nur mit Genehmigung erlaubt.

Eine Berufsgruppe gibt es, die sich angesichts der drohenden Mückenplage bereits die Hände reibt: die Apotheker. Jochen Bischoff hat seine Apotheke in Grabenstätt im Chiemgau. Eine Gegend, die auch ohne Hochwasser im Sommer oft genug mückengeplagt ist.

Deshalb hat Bischoff schon vor zwei Jahren das Vermarktungspotenzial kleiner Hilfsmittel erkannt – und ein „Vampiröl“ auf den Markt gebracht. „Die Bauern waren früher clevere Beobachter“, erzählt er. „Sie haben gemerkt, dass dort, wo es Geranien gibt, kaum Mücken auftauchen.“ Diese alte Weisheit hat er genutzt und nach alten Hausrezepten ein biologisches Gemisch aus Geranien- und Nelkenölen hergestellt, das die lästigen Insekten wirkungsvoll abwehren soll. Er räumt seine Regale derzeit voll mit dem Vampiröl und anderen chemischen Hilfsmitteln, die den Menschen die ungebetenen Gäste vom Leib halten.

Aber – räumt Bischoff ein – „es gibt Bedingungen, da hilft einfach nichts anderes mehr als zuschlagen und treffen.“ Wenn es schwül ist beispielsweise. Die Vorgewitterstimmung lieben die Mücken genauso wie Überschwemmungen, „da drehen die Viecher durch“, sagt Bischoff. Deshalb hat er sich vorbereitet, um wenigstens beruflich von der anstehende Mückenplage zu profitieren. Schließlich hat er schon oft genug beobachtet, wie schnell sich die lästigen Blutsauger vermehren können: „Wenn es jetzt zu dem ganzen Wasser auch noch warm wird, dann ist bei uns der Teufel los.“

VON KATRIN WOITSCH

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