„Das ist der Wahnsinn“ – der SPD-Kandidat Michael Adam am Wahlabend. Foto: dapd

CSU droht Fiasko in Niederbayern

Regen/Bodenmais - Der CSU droht in Niederbayern eine symbolträchtige Niederlage: In der Heimat von Agrarminister Helmut Brunner steht der junge SPD-Bürgermeister Michael Adam vor der Wahl zum Landrat. Er wäre der jüngste Amtsträger Bayerns.

Blutjung, evangelisch, offen schwul - das ist Michael Adam. Seit drei Jahren ist der heute 26-Jährige Bürgermeister in Bodenmais, seit wenigen Monaten auch SPD-Chef in Niederbayern - und in zwei Wochen vielleicht Landrat von Regen. Bei der Wahl am Sonntag, als 64 000 Wahlberechtigte einen neuen Landrat für den durch Suizid gestorbenen Landrat Heinz Wölfl (CSU) bestimmen sollten, gab es eine faustdicke Überraschung: Adam rangierte mit 42,66 Prozent weit vor dem CSU-Konkurrenten Helmut Plenk (34,88 Prozent). Am übernächsten Sonntag kommt es jetzt zur Stichwahl.

Ausgeschieden sind die Bürgermeisterin der kleinen Gemeinde Kollnburg, Josefa Schmid (8,95 Prozent), und der Rathauschef von Prackenbach, Franz-Xaver Eckl (5,33 Prozent). Eine Schlappe kassierte ganz nebenbei auch der Freie Wähler Heinrich Schmidt (8,17 Prozent), immerhin Vize-Chef der FW in Niederbayern und zweiter Landrat.

Noch am Wahlabend sprach sich Eckl offen für Adam aus. Wenig Unterstützung darf sich CSU-Mann Plenk auch von Josefa Schmid erwarten. Sie gebe mit Rücksicht auf ihre CSU-Mitgliedschaft keine Wahlempfehlung, „aber ich glaube nicht, dass meine Wähler Helmut-Plenk-Wähler sind“, zitierte sie die „Passauer Neue Presse“.

Der drohende Absturz der CSU in Niederbayern kommt nicht von ungefähr. CSU-Insider sagen offen, dass sich die örtlichen Partei-Granden Helmut Brunner und Bundestagsabgeordneter Ernst Hinsken verzockt haben. Sie setzten auf Helmut Plenk, obwohl dieser erst seit 2008 im Kreistag sitzt und als Vize-Bürgermeister von Bischofsmais wenig Verwaltungserfahrung besitzt. Auch manche der CSU wohlgesonnene Einheimische meinen, Plenk solle einfach bleiben, was er ist: Kreisgeschäftsführer des VdK. Josefa Schmid (37), die ein CSU-Parteibuch besitzt, wäre nach dem Tod von Wölfl gerne offizielle CSU-Kandidatin geworden. Aus Verärgerung kandidierte sie mit einer eigenen Gruppierung („Aufbruch Regen“). Brunner selbst tat wenig, um Schmid einzubinden, und drohte mit einem Parteiausschluss. Als Zitat sind Schmähungen überliefert: „Die Dame ist eigenwillig, eigensinnig und beratungsresistent.“

Einer, der die Konsequenzen aus internen CSU-Streitereien schon gezogen hat, ist Franz Xaver Eckl. Der hauptberufliche Polizist an der Dienststelle Viechtach trat 2008 aus der CSU aus und begründete seine Wahlempfehlung für Michael Adam gegenüber unserer Zeitung gestern so: „Es muss verhindert werden, dass ein Triumvirat aus Brunner, Hinsken und einem CSU-Landrat unseren Landkreis leitet.“ Den Zusatz „und ruiniert“ verkneift sich Eckl nur mühsam.

Die jüngsten Entwicklungen im fernen Bayerwald werden von politischen Beobachtern in München aufmerksam registriert. „Im Zweifel verbünden sich alle gegen die CSU“, heißt es.

Michael Adam wiederum freut sich über den Erfolg vom Sonntag. „Das ist der Wahnsinn. Dass der Abstand so riesig ist, damit hätte ich nicht gerechnet“, sagte der 26-Jährige, der mit seinem Lebenspartner zusammenwohnt und das auch offen bekennt.

Er wäre der jüngste Landrat Bayerns. Einen kleinen Anteil daran hätte vielleicht auch der Münchner Oberbürgermeister und designierte SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2013: Christian Ude kam im Wahlkampf vorbei. 1000 Leute füllten die Regener Festhalle - just am selben Tag, da Ministerpräsident Horst Seehofer die Bayerwald-Kaserne in Regen besuchte und dort zu den Bundeswehr-Kürzungen Stellung nehmen musste.

Dirk Walter

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