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„In besten Händen“: Das BRK ist auch Träger vieler Seniorenwohnheime.

Am Dienstag vorerst letzte Tarifverhandlung

Droht jetzt auch Streik beim BRK?

München - Viele Erzieher und Paketboten im Freistaat streiken bereits. Nun drohen auch in einem anderen Bereich öffentlichen Lebens in den kommenden Monaten Arbeitsniederlegungen.

Die Tarifverhandlungen zwischen der Gewerkschaft Verdi und dem Bayerischen Kreuz (BRK) könnten bereits kommende Woche endgültig scheitern. Unbemerkt von der Öffentlichkeit hatte die Gewerkschaft jüngst die Verhandlungen mit den Arbeitgebern abgebrochen. Morgen will Verdi in einem Sondierungsgespräch mit der BRK-Spitze einen letzten Versuch unternehmen, das endgültige Scheitern der Verhandlungen zu verhindern.

„Sollte das Bayerische Rote Kreuz dann kein vernünftiges Angebot machen, werden wir zügig mit der Vorbereitung von Streiks beginnen“, sagt Verdi-Verhandlungsführer Dominik Schirmer im Gespräch mit unserer Zeitung.

Zunächst will die Gewerkschaft „ihre betriebliche Aktivitäten ausbauen und den Tarifkonflikt in die Kreisverbände tragen“. Einen möglichst flächendeckenden Arbeitskampf soll es Schirmer zufolge dann frühestens im Juli, spätestens jedoch nach den Sommerferien geben. Angesichts der bisherigen Verhandlungsstrategie des BRK sei man wenig optimistisch am Dienstag eine Lösung zu finden.

Bayernweite Arbeitsniederlegungen beim BRK hätten massive Folgen: Gut 22.000 Menschen arbeiten aktuell bayernweit bei dem Wohlfahrtsverband, etwa im Rettungsdienst, Altenheimen, Krankenhäusern und anderen sozialen Einrichtungen. Verdi hatte den Manteltarifvertrag für die Mitarbeiter des BRK für Ende 2014 gekündigt. Die Gewerkschaft fordert eine Reform der Arbeitszeitkonten, um so unbezahlte Mehrarbeit zu verhindern. Auch soll das BRK die Dienstpläne anders gestalten, um den Mitarbeitern mehr Planungssicherheit zu geben und ausreichende Pausen zu gewährleisten. Ebenso auf der Agenda: 30 Tage Urlaub für alle Altersgruppen. Vor allem jedoch will Verdi die volle Bezahlung der Arbeitsbereitschaft durchsetzen. Bislang müssen Rettungssanitäter laut Verdi zusätzlich zu ihrer regulären Arbeitszeit noch mehrere Stunden unbezahlte Bereitschaftsdienste leisten – so kommen sie nicht selten auf 45-Stunden-Wochen. Bis zu 17 Prozent ihrer Arbeitszeit bekämen Mitarbeiter so oft nicht bezahlt.

Zwar fordert die Gewerkschaft auch eine Lohnerhöhung von 100 Euro pro Mitarbeiter und weitere 3,5 Prozent mehr Gehalt – doch darüber will das BRK erst nach einer erfolgreichen Einigung in Sachen Manteltarif verhandeln. „Wir müssen ja wissen, welche Summen da auf uns zukommen“, rechtfertigt Leonhard Stärk, Geschäftsführer des BRK, das Vorgehen. Er verweist darauf, dass schon frühere Tariferhöhungen von den Krankenkassen mitunter nicht voll erstattet wurden.

Das BRK sieht wenig Spielraum. Alleine die geforderte Lohnerhöhung bedeute eine Mehrbelastung von 45 Millionen Euro für den Verband. Stärk räumt offen ein, dass es bei den Arbeitsbedingungen der Rettungsassistenten „Probleme gibt“. Diese ließen sich jedoch innerhalb des bestehenden Manteltarifs lösen. Bei Verdi ist man anderer Meinung. „Die Arbeitsbelastung der Mitarbeiter ist enorm und hat in den vergangenen Jahren sogar noch einmal deutlich zugenommen. Deshalb ist ein neuer Mantel-Tarifvertrag unerlässlich“, sagt Schirmer.

Darauf deuten auch Ergebnisse einer nicht repräsentativen Verdi-Umfrage unter knapp 2100 BRK-Mitarbeitern, insbesondere aus dem Rettungsdienst, hin. Sechs von zehn Befragten klagen demnach, ihr Dienstplan werde „oft“ oder „sehr oft“ innerhalb eines Monats umgestellt. Für 55 Prozent sind die kurzfristigen Dienstplanänderungen nach eigenen Angaben „oft“ oder „sehr oft“ eine gesundheitliche Belastung. Auch die vielen Überstunden sind laut der bislang unveröffentlichte Studie für einen Großteil der Mitarbeiter problematisch. „Es ist skandalös, dass sich die Arbeitgeber bisher nicht bewegen“, schimpft Schirmer. Er glaubt nicht, dass die Arbeitgeber am Dienstag einlenken. „Aber die Hoffnung stirbt zuletzt.“

BRK-Boss Stark hält dagegen eine rasche Verhandlungslösung für möglich. Im Falle von Streiks werde aber in jedem Fall wie im Gesundheitsbereich üblich, „ein Notdienst aufrechterhalten“.

 Tobias Lill

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