20 Riesen für die Piraten: Rainer Langhans in seiner Münchner Wohnung. foto: h. weissfuss

Der „Dschungel-Opa“ beglückt die Piraten

München - Der Alt-68er Rainer Langhans unterstützt die bayerische Piratenpartei. Er spendet einen Teil einer delikaten TV-Gage. Erklärtes Ziel: Revolutionäre und chaotische Elemente unterstützen.

Es ist eine Parteispende, für die ekelhaft hart gearbeitet wurde. Elf Minuten lag Rainer Langhans in einem Sarg mit 30 000 Kakerlaken. Einen Blutegel-Regen genoss er, dann waren da auch noch Schlangen, Mehlwürmer und Semiprominente aus dem Unterschichten-Fernsehen. Mit 50 000 Euro wurde Langhans der Auftritt im RTL-Dschungelcamp bezahlt. Einen Teil davon hat er nun an die Piratenpartei überwiesen - die wohl spektakulärste Parteispende des Jahres.

Langhans ist einer der prominentesten Alt-68er, war wuschelhaariger Vorkämpfer für freien Sex und Drogen. Derzeit wohnt der Autor und Filmemacher (71) in einer Schwabinger Wohngemeinschaft mit einigen Damen jenseits der 60; Codename: „Der Harem“. „Ich kriege 207 Euro Rente und lebe mit vier Frauen“, verkündete er via „Bild“- Zeitung vor einem Jahr.

Das mit den vier Frauen wollte er mal ausbauen, indem er Ex-CSU-Rebellin Gabriele Pauli einlud (er wurde aber nicht erhört). Und die Sache mit der Rente ist so dramatisch nicht. Durch Bücher und Medienauftritte kommt Geld rein. So kann er sich die 20 000-Euro-Spende leisten und sogar weitere 20 000 Euro für einen Unterstützungsfonds für Julian Assange („Wikileaks“). Er wolle mit der Parteispende „revolutionäre und chaotische Elemente in der Piratenpartei unterstützen“. Das Internet, der Piraten liebstes Polit-Feld, hält Langhans inzwischen für die wahre Kommune.

Die Piraten reagieren begeistert, seit man sich vor einer Woche in einem Münchner Café traf. „Ich habe ihm versprochen, dass wir nicht wie die etablierten Parteien werden“, sagt Landeschef Stefan Körner. Mit dem Geld will er eine Geschäftsstelle in München aufbauen und Parteitage organisieren. Womöglich kommt noch mehr rein: Langhans habe Interesse am Aufbau einer Parteistiftung. Bei Terminen auftreten will er für die Piraten. Über eine Kandidatur hingegen sei noch nicht gesprochen worden, heißt es auf beiden Seiten.

Die Höhe der Spende an sich ist so sensationell nicht. Die etablierten Parteien erhalten von Firmen und Verbänden oft bis zu sechsstellige Großspenden. Das ist, wenn fristgerecht offengelegt, nicht illegal. Die Piraten profitieren zudem von der staatlichen Parteienfinanzierung mit nach eigenen Angaben bundesweit rund 585 000 Euro.

Allerdings zahlen die Mitglieder weniger bereitwillig als in anderen Parteien. In Bayern ist nur gut die Hälfte der 4000 Mitglieder stimmberechtigt, hat also die geforderten drei Euro pro Monat überwiesen. Das ist weit weniger als im Bundesschnitt.

Dass Langhans zu den Piraten geht, kommt hingegen überraschend. „Zeige mir Deine Unterstützer und ich sage Dir, wer Du bist“, lästert die CSU-Vizegeneralsekretärin Dorothee Bär. Statt frischem Wind brächten die Piraten nun „einen Alt-68er-Dschungel-Opa“. Die Grünen, zu deren Landeszentrale Langhans einst enge Kontakte hatte, bezweifeln, ob der Schritt der Glaubwürdigkeit der Piraten diene. „Piraten und Dschungelcamp“, sagt Landeschef Dieter Janecek, „klingt wie Guido Westerwelle und Big Brother“.

Von Christian Deutschländer

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