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Rettung von der Piste: Ein Verletzter Wintersportler wird von der Bergwacht ins Tal transportiert.

42.000 Verletzte Skifahrer 

Mehr Kopfverletzungen trotz Helm

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München - Einen kurzen Moment nicht aufgepasst und schon ist es passiert: Man verliert die Kontrolle über seine Skier und stürzt. Die Unfallzahlen sind zwar auf niedrigem Niveau – dafür gibt es immer öfter schwere Verletzungen.

Eigentlich war der 67-jährige Dachauer ein fitter Sportler und ein erfahrener Skifahrer. Vergangene Woche war er mit einem Freund wieder im Brauneck unterwegs – doch dieser Skitag endete mit einer Tragödie. Auf einer mittelschweren Piste kam der 67-Jährige nach rechts von der Piste ab, warum ist ungeklärt. Er prallte gegen einen Baum, die Wucht des Aufpralls war so stark, dass er sich trotz Helm tödliche Verletzungen zuzog. Der Mann starb noch an der Unfallstelle, sein Freund wartete an der Talstation vergeblich auf ihn.

Solche Unglücke passieren zum Glück nicht oft. „Tödliche Unfälle auf der Piste sind äußerst selten“, bestätigt Andreas König vom Deutschen Skiverband. Generell ist die Zahl der verletzten deutschen Skifahrer in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. In der Saison 2015/2016 waren es 42 000 – und damit rund 50 Prozent weniger als 1980. In einer Gruppe von 100 Wintersportlern verletzt sich statistisch gesehen mittlerweile eine Person.

Das hat verschiedene Gründe. „Das Material wird immer besser und das Sicherheitsbewusstsein größer“, erklärt König. Über 90 Prozent der Erwachsenen seien inzwischen mit Helm unterwegs. Dazu, sagt er, komme noch ein weiterer Punkt: „Ganz klar liegt es auch an der Beschneiung.“ Dadurch gebe es weniger gefährliche schneefreie Stellen und Felsen auf der Piste.

Der Chefarzt der Abteilung für Sportorthopädie im Klinikum Rechts der Isar, Andreas Imhoff, hält nichts von dieser Theorie. Er sagt: „Kunstschnee ist ein Problem.“ Die Pisten seien härter und schneller. Wenn außerhalb der Pisten kein Schnee liegt, sei außerdem die Fläche für die Wintersportler kleiner. „Es wird halt einfach enger auf der Piste“, sagt Imhoff – Zusammenstöße würden wahrscheinlicher.

Nach der Statistik des DSV werden über 15 Prozent der Wintersportunfälle durch Kollisionen verursacht. Die Entwicklung ist zwar rückläufig, die Zahl ist aber immer noch im hohen Bereich. Laut König liegt das jedoch nicht an überfüllten Pisten: „Kollisionen passieren dann, wenn auf der Piste nichts los ist“, sagt er, „weil die Leute dann weniger aufpassen“. Er appelliert an die Wintersportler, sich nicht zu überschätzen. „Man soll körperlich fit sein“, erklärt er, „wenn die Muskeln nicht mehr mitmachen sinkt auch die Konzentration.“

Die Erfahrung, dass einige Bergsportler ihre Grenzen nicht kennen, macht auch Josef Lohr von der Bergwacht Oberau (Kreis Garmisch-Partenkirchen) immer wieder. Die Retter sind vor allem für das Estergebirge zuständig, einen Skilift gibt es dort zwar nicht, dafür sind einige Skitourengeher unterwegs. „Da überschätzt man sich leicht“, so Lohr. Manche Sportler seien so erschöpft, dass sie von der Bergwacht gerettet werden müssten.

Die häufigsten Verletzungen beim Wintersport bleiben jedoch Knieverletzungen, auch wenn die Tendenz rückläufig ist. Verletzungen an Kopf, Hals und Brustkorb nehmen laut DSV dagegen zu. Viele Ärzte beobachten außerdem, dass die Schwere der Unfälle steigt. Schädel-Hirn-Traumata, Wirbelbrüche und innere Verletzungen seien keine Seltenheit mehr. Damit es gar nicht erst zu einem Unfall kommt, hat Andreas König einen weiteren Tipp an alle Wintersportler: „Das Material muss in einem guten Zustand sein.“ Mit scharfen Kanten, gewachsten Belegen und richtig eingestellten Skiern ist man gleich viel sicherer unterwegs.

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