Staatliche Spielbanken

Düstere Zeiten für die Casinos

München - Bei den Spielbanken sieht es düster aus: Die Erträge der neun Casinos in Bayern sind erneut eingebrochen. Schuld daran sind vor allem die privaten Spielhallen, die sich explosionsartig ausbreiten, und das Rauchverbot.

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Den bayerischen Spielbanken fehlt das Glück: Bereits zum dritten Mal in Folge sind die Spielerträge empfindlich zurückgegangen. 2009 wurden 7,7 Millionen Euro weniger eingenommen. Schon hat der Bayerische Oberste Rechnungshof (ORH) die Casinos im Visier: Er forderte in seinem jüngsten Bericht sogar, Bad Steben (Oberfranken) und Bad Kötzting (Oberpfalz) zu schließen. Sie erwirtschafteten seit ihrer Eröffnung vor knapp zehn Jahren ohnehin nur Verluste. In Bad Kötzting ist der Bruttospielertrag an den Automaten im vergangenen Jahr noch einmal um satte 23,8 Prozent zurückgegangen.

Eine Schließung lehnt das bayerische Finanzministerium, dem die Staatliche Lotterieverwaltung (SLV) untersteht, ab. „Unser öffentlicher Auftrag ist es, die Spielbanken zu betreiben, um ein seriöses und sauberes Spiel zur Suchtprävention anzubieten“, meint Lotterie-Chef Erwin Horak.

Auch die übrigen bayerischen Spielbanken erlitten erhebliche Einbußen. Die empfindlichsten Einbrüche beim Großen Spiel (Roulette, Poker) verzeichnet Garmisch-Partenkirchen mit 22,4 Prozent. Zwar sind die Gesamteinbußen aller Casinos nicht mehr so hoch wie 2008 (28 Prozent), liegen aber immerhin bei 9,2 Prozent. „Unterm Strich rentieren sich die Spielbanken für den Staat aber“, betont Horak. Rund 16 Millionen Euro Spielbankabgabe haben nach seinen Angaben die Spielbanken 2009 weitergereicht. Über elf Millionen gingen davon an die Kommunen. Um weitere Einbrüche zu verhindern, empfiehlt der ORH in seinem Jahresbericht die Zusammenführung der Spielbanken zu einem Betrieb in privater Rechtsform. Derzeit werden sie von der SLV zentral geleitet. So könne man die Abstimmung vereinfachen und sei beim Personal flexibler. Das Finanzministerium hält die private Rechtsform aber für ein falsches Signal für die Sicherung des Staatsmonopols, heißt es im Jahresbericht.

Darüber hinaus rät der ORH, vom personalintensiveren Französischen Roulette auf American Roulette umzusteigen. Damit wären pro Tisch nur zwei statt vier Mitarbeiter notwendig. Mit kürzeren Öffnungszeiten fürs Große Spiel könnten jährlich 1,3 Millionen Euro eingespart werden. In Bad Steben und Bad Kötzting werden diese Maßnahmen seit Mitte 2009 getestet. Durch Stellenabbau sollen pro Jahr 500 000 Euro gespart werden. Auch wurden Großes und Kleines Spiel zusammengelegt. Das größte Problem für die staatlichen Casinos sind die gewerblichen Spielhallen mit Geldspielautomaten, die derzeit inflationär aus dem Boden schießen (wir berichteten gestern). Sie unterliegen nicht denselben Auflagen wie die Spielbanken und haben teilweise 23 Stunden geöffnet. „Das ist ein gesellschaftspolitisches Problem“, findet Horak im Hinblick auf Suchtprävention und Jugendschutz. 80 Prozent der Spielsüchtigen würden aus den Spielhallen kommen. In Spielbanken werden die Gäste dagegen kontrolliert. Personen, die gesperrt sind, dürfen dort nicht spielen.

Neben der Wirtschaftskrise macht den Spielbanken auch das Rauchverbot zu schaffen. Nicht zuletzt wegen des Rauchverbots wanderten viele Gäste auch zur Konkurrenz in Tschechien und Österreich ab. Dass die Gäste seit dem 1. August eingeschränkt wieder in der Spielbank rauchen dürfen, habe man sofort am Ertrag gespürt. Mit Sorgen blickt Horak daher auf den Volksentscheid, der das strikte Rauchverbot wieder durchsetzen könnte.

Elisa von Grafenstein

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