Droht Bayerns Skigebieten - hier am Brauneck bei Lenggries - bald das Aus?

Der Schnee wird knapp

Düstere Zukunft: Bangen um Bayerns Skigebiete

München - In den bayerischen Skigebieten wird trotz intensiver Beschneiung der Schnee knapp – zumindest in Zukunft. Dieses Ergebnis liefert eine Studie, die der Deutsche Alpenverein herausgegeben hat.

„Und wenn der Schnee staubt, und wenn die Sonn’ scheint, dann hab’ i alles Glück in mir vereint“, singt Wolfgang Ambros in seinem bekannten Lied „Schifoan“. Dieses Glück scheint auf den bayerischen Skipisten dahin zu schmelzen. Den Wintersportregionen geht der Schnee aus. In den kommenden Jahrzehnten nimmt die Zahl der Pistenkilometer deutlich ab. Dass will der Deutsche Alpenverein (DAV) mit einer Studie zur Schneesicherheit bayerischer Skigebiete belegen.

„Beschneiung ist ein probates Mittel, um heute den Skibetrieb abzusichern“, sagt Hanspeter Mair von der DAV-Geschäftsleitung. Doch in den kommenden Wintern wird selbst der künstliche Schnee nicht mehr ausreichen, um den Skibetrieb in den meisten Wintersportregionen in Bayern zu sichern. Selbst der massive Ausbau der Anlagen in den nächsten 15 bis 25 Jahren bringe nur noch 50 bis 70 Prozent Schneesicherheit. Dabei handele es sich aber um die höher gelegenen Gebiete wie beispielsweise die Pisten auf der Zugspitze. Als Maßstab für Schneesicherheit gilt in der Studie der Skibetrieb in den für den Umsatz wichtigen Weihnachtsferien oder ein Skibetrieb an mindestens 100 Tagen.

Und dann soll nach Möglichkeit gutes Wetter herrschen und ausreichend Schnee auf den Pisten liegen. Doch das wird immer unwahrscheinlicher. „Das Klima ist chaotisch“, sagt Robert Steiger vom österreichischen Forschungszentrum Alps GmbH. Das Unternehmen hat die Studie zusammen mit der Universität Innsbruck für den DAV erstellt. „Es gibt mal mehr und mal weniger gute Winter“, erklärt Steiger. „Die Zahl der schneearmen Monate wird aber deutlich zunehmen.“ Auf der Erde werde es wärmer. Der Klimawandel sei nicht aufzuhalten. Basis für die Studie sind die aktuellen Verhältnisse. „Die haben wir in Schritten von 0,5 Grad nach oben getrieben.“ Bis um vier Grad soll sich das Klima demnach Ende des Jahrhunderts erwärmen. Dann, so das Ergebnis der Studie, wäre in Bayern nur noch Skifahren auf der Zugspitze möglich.

„Mittel- bis langfristig wird die Beschneiung keine Lösung für die meisten Skigebiete sein“, berichtet Steiger. Deshalb sollen sich die Tourismusdirektoren und Anlagenbetreiber schon heute Gedanken machen, wie es weitergeht. „Man muss sich jetzt damit beschäftigen damit man nicht reagiert, sondern agiert“, betont auch Mair.

Der Verband Deutscher Seilbahnen (VDS) ist schon mittendrin. Die Verantwortlichen beschäftigen sich schon länger mit dem Thema Klimawandel. „Als Wirtschaftsunternehmen müssen wir uns den geänderten Rahmenbedingungen stellen“, sagt VDS-Sprecher Hannes Rechenauer. Viele der Betriebe arbeiten jetzt schon ganzjährig und seien deshalb, im Gegensatz zu Mitbewerbern in den Nachbarländern, nicht völlig vom Winter abhängig. Schon in der Vergangenheit wurde das Sommerangebot – beispielsweise Erlebniswege und Themenwanderungen – weiter ausgebaut.

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Ein Ansatz, der in den nächsten Jahren noch verstärkt werden muss. Zumindest, wenn es nach dem DAV geht. Mair und seine Kollegen haben vier Forderungen aufgrund der Untersuchungsergebnisse erarbeitet: Eingriffe in die Alpenlandschaft müssen minimiert werden, alternative Tourismuskonzepte sollen vorangetrieben und der Neubau von Beschneiungsanlagen an strenge ökologische Kriterien geknüpft werden. Außerdem fordert der DAV, die finanzielle Förderung des Tourismus nicht einseitig für die Skigebiete zu verwenden.

Peter Lorenz, Geschäftsführer der Brauneck-Bergbahn bei Lenggries (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen), hält gerade die Forderung zum Thema Steuergelder für falsch: „Wir werden darauf immer wieder mal angesprochen, haben aber noch keine Steuergelder gekriegt, noch nie.“ Angst, dass am Brauneck bald der Schnee knapp wird, hat Lorenz nicht. „Wir brauchen da momentan nicht gegensteuern.“ Ohnehin hält er die Ergebnisse der DAV-Studie für spekulativ. „Hahnebüchen, was da drinsteht.“

Matthias Strehler

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