Das E-Bike - Gefahr für die Berge
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Ist das E-Bike wirklich eine Gefahr für die Alpen? 
Wanderer rasten auf Bergwiese
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Ein Wanderer rastet auf einer Bergwiese.
Milde Temperaturen im Süden
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Ausblick auf das Panorama der schneebedeckten Alpen.

Das gibt Naturschützern zu denken

Darum gefährdet das E-Bike unsere Alpen

München - E-Bikes sind beliebt, CSU-Chef Horst Seehofer hat auch eins. Nur für die seltenen Tiere und Pflanzen der Alpen ist das keine erfreuliche Nachricht. 

Die Vorteile des Elektrorads haben sich bis in die Staatsspitze herumgesprochen. „Das empfehle ich jedem“, schwärmte Ministerpräsident Horst Seehofer im Sommer 2014. Denn E-Bikes verhelfen Radlern zu Erfolgserlebnissen: Mit elektrischem Hilfsmotor lassen sich steile Anstiege bezwingen, die der Normalradler nur mit sehr viel mehr Mühe oder gar nicht hinauf kommt. Seehofers erfreutes Fazit: „Sie schwitzen, Sie merken es in den Muskeln, aber Sie schaffen es.“

Mit E-Bike dringen Mountainbiker in abgeschiedene Ecken des Gebirges vor

Seehofer radelt im Altmühltal, doch 150 Kilometer weiter südlich erhöht die für Radler so erfreuliche Wirkung des elektrischen Hilfsmotors den Stress für seltene Tiere und Pflanzen in den Alpen. Der Grund: Mit Hilfe von E-Bikes können Mountainbiker weiter in abgeschiedene Ecken des Gebirges vordringen als bisher. Und es kommen nun auch Menschen die Berge hoch, die es allein mit Muskelkraft nicht schaffen würden. Diese Einschätzung äußern die Fachleute des Umweltministeriums in der Antwort auf einen Berichtsantrag der Landtags-SPD.

„Der Trend zum E-Mountainbike erweitert den Aktionsradius der Sportler, aber auch den Personenkreis, der in abgelegene Gebiete vordringen kann“, heißt es in dem Schreiben. „Frequentierung und Störpotenzial steigen dementsprechend ebenfalls.“

Das Problem wird in den kommenden Jahren voraussichtlich größer, denn das Bergradeln mit E-Mountainbike ist nach Einschätzung der Ministerialen eine der „dynamischsten Entwicklungen bei Trendsportarten im Alpenraum“.

Zu den „störanfälligen Tierarten“ zählen vor allem die scheuen und im Bestand bedrohten Raufußhühner. Aber auch Säugetiere wie Steinböcke, Gämsen oder Schneehasen reagieren empfindlich auf Störungen. Für Raufußhühner stellen keinesfalls nur die Radler ein Stressfaktor dar, sondern im Winter auch Skitourengeher und Schneeschuhwanderer - zwei weitere Trendsportarten in freier Natur.

Naturschützern gibt der Bergsportboom seit Jahren zu denken. Im Sommer radeln inzwischen sogar Scharen von Freizeitsportlern mit Reiseveranstaltern auf organisierten Touren von Bayern nach Italien über die Alpen. Abgesehen von der Störung der Tierwelt können Mountainbiker mit und ohne Hilfsmotor Erosionsschäden verursachen, wenn sie wilde Pisten durchs freie Gelände anlegen.

Andere Länder außerhalb des Alpenbogens haben eine einfache Antwort auf den Andrang: Der Zugang zum Hochgebirge ist reguliert. Ob in den USA oder Taiwan - wer in die Wildnis vordringen will, braucht vielerorts eine Genehmigung.

Noch denkt niemand ernsthaft über Zwangsmaßnahmen nach

Die Alpen aber sind traditionell für jedermann frei zugänglich. Bisher denkt niemand ernsthaft über Zwangsmaßnahmen nach. Initiator des Berichts ist SPD-Umweltexperte Florian von Brunn. Er meint: „Wir brauchen Aufklärungskampagnen.“ Von Brunn - der selbst gern radelt und klettert - favorisiert die Kooperation der Behörden mit dem Alpenverein und anderen Initiativen, um die Freizeitsportler für die Belange der Natur zu sensibilisieren.

Das ist auch die Linie der Staatsregierung. Das Umweltministerium favorisiert freiwillige Vereinbarungen mit den betreffenden Fachverbänden. Der Deutsche Alpenverein lehnt Zugangsbeschränkungen zum Gebirge grundsätzlich ab. „Wir brauchen eine gewisse Selbstbeschränkung“, sagt Hanspeter Mair, Leiter des Geschäftsbereichs Naturschutz, Hütten und Raumordnung beim DAV. „Es kommen mehr Leute ins Gebirge, und sie kommen höher“, meint Mair zum E-Bike-Trend. Dabei hält Mair Elektroräder keineswegs für Teufelszeug - denn sie ermöglichten auch körperlich weniger starken Menschen das Erleben der Natur.

Ein Beispiel für zumindest weitgehend erfolgreiche Selbstbeschränkung der Bergsportler kann der Alpenverein bereits vorweisen: das Projekt „Skibergsteigen umweltfreundlich“. DAV-Karten und Hinweisschilder vor Ort machen Skitourengeher auf Schutzzonen aufmerksam, die im Winter nicht betreten werden sollten, und die Mehrheit hält sich offenbar auch daran.

dpa

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