Einmal aufladen, bitte: Für E-Autos sollen mehr Aufladestationen geschaffen werden.
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Einmal aufladen, bitte: Für E-Autos sollen mehr Aufladestationen geschaffen werden.

Neues Förderprogramm

Anschubhilfe für E-Ladesäulen: Verkehrsministerium bietet bis zu 80 Prozent Zuschuss für Firmen und Kommunen

  • Dirk Walter
    vonDirk Walter
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Mit einem Förderprogramm für Kommunen und Firmen will das Bundesverkehrsministerium den Bau von Ladesäulen für E-Autos ankurbeln. Die Interessenvertretung der Städte und Gemeinden sieht das indes kritisch.

München – Vielleicht wird es ja doch noch etwas mit dem Versprechen, Deutschland zu einem Land der E-Mobilität zu machen. Die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen steigt spürbar an – 13,5 Prozent der im vergangenen Jahr neu zugelassenen Autos hatten einen Batterieantrieb. Über elf Prozent immerhin waren es in Bayern.

Das Bundesverkehrsministerium hat nun ein weiteres Förderprogramm gestartet, um den Aufbau von E-Ladesäulen zu beschleunigen. Das Programm heißt „Ladeinfrastruktur vor Ort“. Beantragen können die Förderung kommunale Unternehmen – zum Beispiel Stadtwerke – sowie kleine und mittlere Unternehmen (Höchstzahl: 249 Beschäftigte). Sie wissen am besten, wo eine E-Säule Sinn macht, sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) unserer Zeitung. „Wir bauen die Ladeinfrastruktur dort auf, wo sie gebraucht wird.“ Das sei bei den Menschen vor Ort – an Supermärkten, Hotels, Restaurants, Schwimmbädern oder Sportplätzen.

2030 soll es bis zu 440 000 Ladepunkte geben - derzeit sind es nur 41 000

Es eilt. Im Jahr 2030 werden nach Berechnungen der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur mindestens 440.000 öffentlich zugängliche E-Säulen benötigt. Bis dahin dürften bis zu 14,8 Millionen Fahrzeuge mit Elektro-Antrieb unterwegs sein. Von diesem Ziel ist Deutschland heute noch weit entfernt. Derzeit gibt es laut Bundesnetzagentur gut 35.000 Normalladepunkte und knapp 6000 Schnellladepunkte, die zum 1. März 2021 in Betrieb waren. Insgesamt rund 7860 davon stehen in Bayern.

Von einer reinen Kommunalförderung ist das Ministerium abgekommen. Früher leistete sich ein kleinerer Ort meist nur ein, zwei Ladesäulen, die nah am Rathaus gebaut wurden – damit der Dienstwagen des Rathauschefs stets aufgeladen werden kann. Dafür kam der wenig rühmliche Begriff „Bürgermeistersäule“ in Umlauf, den Scheuer strikt ablehnt.

Gefördert wird nach dem „Windhundprinzip“

Das neue Förderprogramm hat ein Volumen von 300 Millionen Euro. Gefördert wird der Kauf von E-Ladesäulen mit bis zu 80 Prozent der Gesamtkosten – Normalladepunkte mit maximal 4000 Euro, Schnellladestationen mit bis zu 16 000 Euro. Es gilt das „Windhundprinzip“ – wer schnell einen Antrag stellt, hat größere Chancen, dass er zum Zug kommt.

Während Scheuer mit einem großen Zuspruch rechnet, sieht der Bayerische Gemeindetag das Förderprogramm zwiespältig. Der Aufbau der Ladesäulen sei eigentlich Sache der Autoindustrie oder der Energieversorger, sagt Sprecher Wilfried Schober. „Da fehlt eigentlich die kommunale Zuständigkeit.“ Es stehe nirgends geschrieben, dass der Aufbau der Landeinfrastruktur Sache der Gemeinden sei – zumal die von Scheuer angebotene Förderung eben nicht 100 Prozent sein solle, sondern eben nur maximal 80. Auch die Folgen müssten bedacht sein – wer zahle die Instandsetzung und Modernisierung der E-Säulen? Trotzdem würden sich die Gemeinden nicht verschließen. „Wenn jeder auf den anderen zeigt, dann passiert ja gar nichts.“

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