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Tonnenweise Hilfe: In Nordrhein-Westfalen ist gestern ein Transportflugzeug mit medizinischem Material in die senegalesische Hauptstadt Dakar gestartet. Humedica schickt am Montag in München ein Flugzeug los nach Liberia.

Einsatz im Krisengebiet

Ebola: Kampf gegen unsichtbare Katastrophe

Kaufbeuren - Die Bayern Raphael Marcus und Sabine Kirchner fliegen am Montag für Humedica ins Ebola-Krisengebiet. Im Gepäck haben sie 45 Tonnen Hilfsgüter - und den Willen zu helfen.

Raphael Marcus hat schon viele Katastrophen gesehen. Er ist in Dörfer gereist, die von Erdbeben zerstört wurden, hat Menschen geholfen, die durch Flutwellen alles verloren haben. Seit drei Tagen bereitet er sich auf eine Katastrophe vor, die man weder sehen, noch hören kann. Der 32-jährige Münchner fliegt am kommenden Montag nach Liberia – direkt ins Ebola-Krisengebiet. Gemeinsam mit der Ärztin Sabine Kirchner wird er einen Hilfsgüter-Flug begleiten und dann vor Ort eine amerikanische Partnerorganisation im Kampf gegen die Ebola-Seuche, eine der gefährlichsten Krankheiten, unterstützen. Er wird dabei helfen, in den Krankenstationen Sicherheitsstandards und Hygienevorschriften zu prüfen und zu verbessern.

Raphael Marcus fliegt für Humedica ins Ebola-Krisengebiet.

Direkten Kontakt mit Ebola-Infizierten werden die Helfer nicht haben. Vermutlich nicht. „Ein gewisses Ansteckungsrisiko bleibt“, sagt Raphael Marcus. Trotzdem hat er keinen Moment gezögert, als in der Humedica-Zentrale in Kaufbeuren (Landkreis Ostallgäu) darüber gesprochen wurde, wer den Einsatz übernehmen wird. „Ich kenne Katastrophen“, sagt er. „Es ist mein Beruf, zu helfen. Und es ist meine Leidenschaft.“

Schon seit Wochen steht im Raum, dass die Hilfsorganisation Humedica Mitarbeiter in die Krisenregionen schicken wird. Raphael Marcus hat sich intensiv mit der Epidemie beschäftigt. Er weiß, welche Schutz- und Sicherheitsmaßnahmen es für Helfer gibt – und er weiß, dass es trotzdem möglich ist, sich mit der tödlichen Infektionskrankheit anzustecken. „Kurz waren diese Gedanken da“, erzählt er. Er hat sie weggeschoben, sich wieder auf den Grund für seinen Einsatz konzentriert: die Menschen, die so dringend Hilfe brauchen. „Es ist keine Last, zu helfen“, sagt er. „Es ist ein Privileg.“

Raphael Marcus ist nicht der Einzige, der solche Sätze denkt. „Wenn irgendwo auf der Welt eine Katastrophe passiert, schicken wir eine Nachricht an unsere 600 freiwilligen Helfer“, sagt Humedica-Sprecher Steffen Richter. Meistens dauert es nur wenige Minuten, bis die ersten Antworten kommen. Der Wunsch zu helfen ist größer als die Angst. „Wir werden noch Monate gegen Ebola kämpfen“, sagt Raphael Marcus. „Es ist wichtig, dass wir die Situation vor Ort kennen, um den Menschen helfen zu können.“

Ärztin Sabine Kirchner hat sich freiwillig für den Einsatz gemeldet.

Bisher hatte der 32-Jährige es bei seinen Humedica- Einsätzen eher mit sichtbaren Gefahren zu tun. Gegen Seuchen musste er noch nie kämpfen. „Aber jeder Einsatz ist sowieso etwas völlig anderes“, sagt er. Egal wie gut er sich vorher informiert, genau weiß er nie, was in Krisengebieten auf ihn zukommen wird. Er hat immer einen kleinen Glücksbringer dabei – seine Freundin hat ihm den Anhänger geschenkt. Raphael Marcus weiß, dass sie sich wesentlich mehr Sorgen macht als er selbst. Dagegen gibt es kein Mittel und keine Worte. Sorgen gehören dazu, wenn man einen Krisenhelfer liebt.

Katrin Woitsch

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