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Komplett verpackt: In Schutzkleidung versorgen Ärzte am Flughafen München eine Patientin. Die Bilder stammen von einer Übung im November 2013.

Krisenszenario

Ebola: Bayern gewappnet für den Fall der Fälle

München/Schongau – Ebola – es gibt keinen Fall in Bayern. Und doch wollen die Behörden gewappnet sein. Mit „Task Force“, Spezialkrankenwagen und Isolierstation. Ein Krisenszenario für den Fall der Fälle.

Auf dem Heimweg von Westafrika fühlt sich der Fluggast unwohl. Schweißausbrüche, Erbrechen, Blutspuren am Mund. Das Flugpersonal ist alarmiert – ein Ebolaverdachtsfall im Anflug auf München. Genau diesen Fall haben die Behörden geprobt – und zwar schon im November vergangenen Jahres. Damals simulierten sie einen Ebola-Transport vom Flughafen zum Krankenhaus München-Schwabing. Männer in Schutzanzügen trugen eine Patientin von der Gangway eines Airbus A 340. Blaulicht flimmerte, Funkgeräte knarzten – dann fuhr eine Fahrzeugkolonne im hohen Tempo vom Flugfeld.

Bei Übung im November brachte ein Konvoi von sieben Rettungs- und Feuerwehrfahrzeuge die Patientin nach Schwabing, wo es die bayernweit einzige Sonderisolierstation für hochansteckende Patienten gibt. Für den Transport wurde ein Spezialkrankenwagen eingesetzt. „SK RTW“, so die Typbezeichnung, ist an der Feuerwache fünf in München-Ramersdorf stationiert. Es handelt sich um ein Fahrzeug, dessen Türen luftdicht schließen und nicht von außen zusätzlich abgeklebt werden müssen.

Obwohl die Übung gut klappte, wird in Bayern noch nachjustiert. Im April beschloss der bayerische Ministerrat die Aufstellung einer Spezialeinheit („Task force“) von Ärzten, die beim Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Oberschleißheim stationiert wird und in ständiger Dienstbereitschaft stehen soll. Noch ist diese nicht aufgestellt, aber Claudia Schuller vom LGL versichert, dass dies bald der Fall sein wird. „Es geht uns um den verstärkten Schutz am Flughafen.“

Das bayerische Gesundheitsministerium hat den Ärzten im Freistaat in den vergangenen Wochen Fachinformationen über die Vorgehensweise bei einem Ebola-Verdachtsfall zugeleitet. Solche Informationen werden derzeit fast täglich aktualisiert, denn kaum ein Hausarzt dürfte über Ebola-Basiswissen verfügen. Erst gestern zum Beispiel veröffentlichte das Robert-Koch-Institut ein sogenanntes Flussdiagramm, das dem Arzt bei der Abklärung von Verdachtsfällen helfen soll. Es ist auf der Homepage (www.rki.de) abrufbar.

Außerdem hat das bayerische Gesundheitsministerium die Rettungskette um „konkrete Handlungsanweisungen“ präzisiert, wie eine Sprecherin erklärt. Demnach soll ein Arzt, der von einem Verdachtsfall erfährt, zuerst das Gesundheitsamt informieren. Dort besteht der Kontakt zum Behandlungszentrum in München-Schwabing. Die Gesundheitsämter, die es in jedem Landkreis gibt, hätten im Fall der Fälle noch eine wichtige Funktion: Sie müssten die sogenannte „Kontakt-Abklärung“ vornehmen, also herausfinden, mit wem ein Ebola-Patient alles in Berührung war.

Wie wichtig eine breit angelegte Information aller Fachleute ist, zeigte sich erst vor knapp zwei Wochen in Schongau, als eine Frau nach ihrer Rückkehr aus Westafrika eine Ebola-Erkrankung befürchtete. Sie rief ihren Arzt an. Der hätte eigentlich den Amtsarzt im Gesundheitsamt informieren müssen. Doch stattdessen rief er bei der Polizei an, die wiederum die Unfallklinik Murnau alarmierte. Die Klinik ist aber für solche Fälle nicht gerüstet. Schließlich kam ein Rettungswagen – allerdings handelte es sich nicht um das Spezialfahrzeug aus München. Immerhin trugen Ärzte und Sanitäter Schutzanzüge. Sie konnten den Ebola-Verdacht noch auf der Fahrt nach München ausräumen. Die Frau litt an einem normalen bakteriellen Infekt.

Dirk Walter

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