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Kunst vor Gericht: Die Bilder zu den Füßen von Richterin Jacqueline Aßbichler sind alle gefälscht. Doch das rauszufinden, hat lange Zeit gedauert.

Echt oder falsch? Posse um Picasso-Plagiat

Rosenheim - Ein kurioses Verfahren beschäftigt seit über einem Jahr die halbe Kunstfachwelt Europas. Im Zentrum steht ein Picasso. Der Besitzer verbürgt sich vor dem Amtsgericht Rosenheim für die Echtheit des Gemäldes – jetzt kam die Tochter des Malers zu Wort.

Das gefälschte Gemälde „Picadores y Toros“

Er fühlt sich betrogen, dabei ist wohl er der Betrüger. Seit über einem Jahr läuft der Prozess gegen einen Immobilienmakler (63) aus dem Kreis Rosenheim. Der Kunstliebhaber wollte 28 Gemälde verschiedener Künstler verkaufen. Der geschätzte Wert der Bilder: 200 Millionen Euro – wenn sie echt wären. Sind sie aber nicht.

Immer wieder haben Gutachter vor dem Amtsgericht Rosenheim nachgewiesen, dass es sich bei den Bildern um Fälschungen handelt. Doch das ließ der Angeklagte nicht gelten. Keine Gelegenheit ließ er aus, die renommierten Experten zu korrigieren und ihnen jeden Sachverstand abzusprechen. Damit nicht genug: Der 63-Jährige strickte Verschwörungstheorien, nach denen das Landeskriminalamt „Gefälligkeitsgutachten“ erstelle. Auch wenn solche Behauptungen bei Richterin Jacqueline Aßbichler abprallten – verurteilen konnte sie ihn bislang noch nicht. Denn bei einem der 28 Kunstwerke, einem Picasso, waren sich die Gutachter nicht sicher. Das Bild „Picadores y Toros“ (Lanzenreiter und Stier) könnte tatsächlich echt sein, hieß es.

Jetzt hat die Tochter des Maler-Genies, Maya Picasso, mit einem Gutachten die letzten Zweifel beseitigt: Auch der Picasso ist eine Fälschung. Die 75-Jährige lebt in Paris und gilt als Expertin für die Bilder ihres 1973 verstorbenen Vaters. Wegen Stil- und Motivfehlern erkannte sie das Bild nicht als echt an. Gleichzeitig fand der Papiersachverständige Georg Dietz aus Dresden bei einer Materialprüfung heraus, dass das Blatt synthetische Stoffe beinhaltet, die es zum angeblichen Zeitpunkt der Entstehung noch gar nicht gab.

Ludwig Simeth

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