Abdol S. ist vor dem Oberlandesgericht angeklagt.

Im Allgäu festgenommen

Ehemaliger Taliban bald in München vor Gericht

Ein junger Afghane, der in seiner Heimat für die radikalislamischen Taliban gekämpft haben soll, muss sich aller Voraussicht nach bald in München vor Gericht verantworten. Der 20-Jährige lebte zuletzt im Kreis Traunstein und war gut integriert.

München/Karlsruhe – Die Bundesanwaltschaft hat am dortigen Oberlandesgericht Anklage gegen den 20-Jährigen erhoben, wie am Freitag in Karlsruhe mitgeteilt wurde. Ein zweiter Afghane, der wegen ähnlicher Vorwürfe seit März in Untersuchungshaft saß, kommt dagegen frei. Die Bundesanwaltschaft hob am Freitag den Haftbefehl gegen den 30-Jährigen auf. Er war im Ostallgäu festgenommen worden.

Dem Mann wird vorgeworfen, sich 2013 einer örtlichen Kampfeinheit der Taliban angeschlossen zu haben. Er erhielt ein Schießtrainigung und wurde mit einer Kalaschniikow, einer Pistole und Handgranaten ausgestattet. Zwei Angriffe mit seiner Kampfeinheit auf Konvois US-amerikanischer und afghanischer Soldaten hält die Bundesanwaltschaft für erwiesen. Bei einem der Angriffe wurde Anfang 2014 ein Amerikaner getötet, zwei andere erlitten Verletzungen. Der Mann ist unter anderem wegen gemeinschaftlichen Mordes angeklagt.

Abdol S. war über den Iran und die Türkei im Dezember 2015 in Bayern eingetroffen. Nach einer Zwischenstation in Fürstenfeldbruck kam er in die Asylbewerberunterkunft in Schnaitsee (Kreis Traunstein), wo er im Februar dieses Jahres auch festgenommen worden war. Er gab an, er sei am Ende selbst durch die Taliban gefährdet gewesen und habe sich zur Flucht entschlossen. Aufgabe des Gerichts wird es auch sein, die Umstände zu ermitteln, unter denen Abdol S. als Jugendlicher zur Taliban stieß – möglicherweise wurde er zwangsrekrutiert.

In Schnaitsee galt der junge Afghane als sehr gut integriert. Er spricht Deutsch, wollte Elektriker werden und spielte im Verein Volleyball.

mm

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