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Sie richten Notunterkünfte ein, organisieren Kleiderspenden, betreuen Flüchtlinge – und das alles seit vielen Wochen. Doch bald sind die ehrenamtlichen Helfer mit den Kräften am Ende.

Ehrenämtler tätigen Hilferuf

Flüchtlingshelfer: „Lange halten wir nicht mehr durch“

München - Deutliches Signal: So geht’s nicht weiter. Leonhard Stärk, Landesgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes, hat einen Hilferuf abgesetzt – die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer sind am Ende.

BRK-Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk.

Irgendwann ist Schluss. Beim besten Willen. Und den haben sie, die vielen hundert Ehrenamtlichen, die sich täglich in der Flüchtlingshilfe engagieren. Doch auch sie stoßen an ihre Grenzen. Maximal zwei Wochen, dann bricht das System in sich zusammen, mutmaßt Leonhard Stärk, Landesgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK). „Ich will keine Katastrophe in der Katastrophe heraufbeschwören – aber so kann es nicht weitergehen“, sagt Stärk. Er hat einen Hilferuf auf der Facebook-Seite des BRK veröffentlicht. „Sehr lange halten wir das mit ausschließlich ehrenamtlichen Kräften nicht mehr durch! Auch hier sind jetzt dauerhafte Lösungen gefordert“ – ein unmissverständlicher Appell an die Politik: Die soll sich nicht nur aufs Ehrenamt verlassen, sondern Gelder bereitstellen, damit die Hilfsorganisationen hauptamtliche Kräfte in der Flüchtlingshilfe einsetzen können.

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Derzeit schuftet die „Arge Bevölkerungsschutz“, eine vor eineinhalb Jahren gegründete Arbeitsgemeinschaft aller Hilfsorganisationen in Bayern, allerorten – bis zur Grenze der Belastbarkeit. Die ist bald erreicht. Denn die ehrenamtlichen Kräfte von BRK, Arbeiter-Samariter-Bund, Malteser Hilfsdienst, Johanniter Unfall-Hilfe, DLRG, Technischem Hilfswerk und Medizinischem Katastrophen-Hilfswerk, die 24 Stunden an sieben Tagen die Woche abrufbar sind, gehen nebenher ja noch anderen Berufen nach. „Die ersten Arbeitgeber, die unsere Helfer großzügigerweise seit Wochen freistellen, sagen schon: Ihr müsst wiederkommen“, erzählt Stärk, der dafür Verständnis hat: „Es kann ja nicht sein, dass die Betriebe unter dem ehrenamtlichen Engagement leiden müssen.“

Flüchtlinge: Helfer sind schon seit mehr als zwei Wochen im Dauereinsatz

Hinzu käme der Aufwand, den Arbeitnehmer betreiben müssen, um ihren Ausfall ersetzt zu bekommen. „Irgendwann steigen die Leute aus – wir sind jetzt seit vier Wochen im Dauereinsatz. Wenn wir dem Staat in dieser Dimension helfen müssen, muss er finanzielle Mittel für hauptamtliche Kräfte bereitstellen, die in unserem Auftrag arbeiten“, fordert Stärk.

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Pro Tag sind allein vom BRK 500 Ehrenamtliche in Bayern im Einsatz – und von den anderen Organisationen noch einmal etwa 250, schätzt Stärk. Was all diese engagierten Menschen leisten, und wie auch die Zusammenarbeit zwischen den Diensten gelingt, sei vorbildlich, lobt der BRK-Chef – „eine großartige Gemeinschaftsleistung, die eine Hilfsorganisation alleine schon lange nicht mehr schaffen könnte“. Gemeinsam mit den Kollegen der anderen Organisationen will er nun genau analysieren, wie es weitergehen kann. Und dann „sehr klare Aussagen“ an den Freistaat richten, welche Mittel nötig sind, damit die wichtige Arbeit nicht zum Erliegen kommt.

Die Arge Bevölkerungsschutz wurde einst für Fälle wie etwa das Hochwasser 2013 in Bayern gegründet. „Das dauerte damals gute zwei Wochen, dann schien wieder die Sonne“, erinnert sich Stärk. „In der Flüchtlingshilfe sind wir nun schon mehr als zwei Wochen im Dauereinsatz. Doch die Sonne scheint noch lange nicht.“

Die ehrenamtlichen Helfer sind nicht die einzigen, die um Hilfe bitten. Auch die Polizei hat schon früh auf die enorme Belastung hingewiesen.

Katja Kraft

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