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Ein Schild weist am 10.07.2017 in einem vom Eichenprozessionsspinner befallenen Wald bei Rühen im Landkreis Gifhorn auf die Gefahr hin.

Eichen-Prozessionsspinner breitet sich aus

Gefährlich für Menschen: Giftiges Tier setzt sich in Bayern fest - und erobert neue Regionen

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Bayern hat einen neuen Dauer-Gast – und zwar einen, um den man besser einen Bogen machen sollte. Das giftige Tier erobert immer mehr Regionen.

Freising – Eine Prozession gibt es, die in Bayern alles andere als gerne gesehen wird. Allerdings war in den vergangenen Tagen die Chance nicht gerade klein, irgendwo auf sie zu treffen. Denn die sehr behaarten Teilnehmer marschierten in vielen Regionen deutlich sichtbar durch den Freistaat. In bis zu 10 000 Mann starken Trupps. Und wer mit diesen Kameraden schon einmal das Vergnügen hatte, weiß, dass sie sehr unangenehm werden können. Denn es handelt sich bei ihnen um Eichen-Prozessionsspinner – und die können beim Menschen schwere Allergien auslösen.

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Lebensbedingungen für den Falter werden besser

Der nachtaktive Falter ist in Bayern zwar kein neuer Gast – aber er scheint es sich im Freistaat nun dauerhaft gemütlich machen zu wollen. Dass die Lebensbedingungen für ihn hier immer besser werden, verdankt er dem Klimawandel. „Das sehr warme Jahr 2015 und die warmen Folgenjahre haben es dem Eichen-Prozessionsspinner leicht gemacht, sich hier zu vermehren“, erklärt Gabriela Lobinger von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft in Freising. Schon Anfang der 90er-Jahre hatten warme Sommer dazu geführt, dass die Population stark anstieg, davor stand der Eichen-Prozessionsspinner sogar auf der Roten Liste. Zuerst wurde er vor allem in Franken gesichtet. „Inzwischen arbeitet er sich immer weiter nach Süden vor“, berichtet Lobinger. Die Stadt Freising hat diese Woche mit einem Info-Schreiben an die Bürger reagiert. Auch in Rosenheim und Wasserburg sind die Tiere schon gesichtet worden.

Und das in den vergangenen Wochen vor allem in Raupenform. Bis Ende Mai halten sie sich vor allem in den Kronen von Eichen auf und sind kaum zu sehen, erklärt die Expertin. Im Juni ziehen sie dann in großen Trupps los und suchen sich einen geeigneten Platz, um ihre großen Nester anzulegen. „Die sind bis zu einem Meter lang und so groß wie die Eichenstämme“, erklärt Lobinger.

Ein Eichen-Prozessionsspinner (Thaumetopoea processionea).

Raupen sind schon verpuppt

Zu dieser Jahreszeit sind bereits alle Raupen verpuppt. Aber die Gefahr, mit ihren feinen Brennhaaren in Kontakt zu kommen, ist deshalb noch lange nicht gebannt. „Die Haare haften im Gespinst“, sagt Lobinger. Wenn sich die Nester irgendwann zerlegen, verbreiten sie sich und könnten zum Beispiel über die Schuhe von Spaziergängern nach Hause transportiert werden. In den Härchen steckt das Gift Thaumetopoein, das bei Menschen schwere Allergien auslösen kann. Die machen sich im harmlosen Fall durch juckende Pusteln bemerkbar – aber unter Umständen auch durch Augenentzündungen, schweren Husten und Asthma. „Je häufiger der Kontakt mit den Haaren, desto intensiver werden die Reaktionen“, sagt Lobinger. Deshalb raten die Experten, die Augen offen zu halten. In vielen Wäldern sind bereits Hinweisschilder angebracht, wenn Eichen-Prozessionsspinner gesichtet wurden. „Wer mit den Haaren in Kontakt gekommen ist, sollte sich zu Hause möglichst schnell duschen und umziehen“, rät Lobinger. „Und es ist hilfreich, die Schuhe zu säubern, bevor man das Haus betritt.“

Viel mehr als vor den Tieren zu warnen und die betroffenen Regionen mit Hinweisen auszustatten, können die Ämter nicht. „Bäume werden nur gefällt, wenn sie beispielsweise auf einem Schulhof befallen sind“, sagt Lobinger. Insektizide werden nur bei besonders starkem Befall und nur sehr punktuell eingesetzt – das letzte Mal 2009. Und natürliche Feinde, die die Eichen-Prozessionsspinner an der Ausbreitung hindern würden, gibt es nicht. „Wenn die Falter losfliegen, verbreiten sie sich über weite Strecken“, erklärt die Expertin. So haben sie sich in den vergangenen Jahren immer weiter nach Süden vorgearbeitet. Nur im Allgäu und in den Mittelgebirgen sind bisher noch keine Trupps gesichtet worden. Aber auch das könnte sich noch ändern. Gabriela Lobinger sagt: „Uns bleibt eigentlich nichts anderes übrig, als zu lernen, mit diesen Tieren zu leben.“

Katrin Woitsch

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