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Es wurlt am Ast, mit schlimmen Folgen: Die dreí Millimeter langen Härchen der Raupe brennen zunächst auf der Haut, dann kommen Pusteln. Daran schuld ist ein Nesselgift, das auch Fieber verursachen kann.

Es knistert im Baum: Eichenprozessionsspinner verbrennt Haut von Mutter und Sohn (8)

Horror-Raupen überfallen Familie

Der Feind kommt durch die Luft – doch sein Angriff ist keineswegs lautlos: Über Düllstadt (Landkreis Kitzingen) ist eine Invasion der Eichenprozessionsspinner hereingebrochen.

Raschelnd und knisternd fressen sich die gierigen Tiere durch die Eichenwälder. Ihre Härchen fliegen meterweit – fallen sie auf Bürger nieder, bleibt nur verbrannte Haut.

Auf dem Anwesen von Monika Maier (43) ist die Invasion am extremsten: 15 Eichen stehen hier, alle sind von den grauen Larven mit den ätzenden Brennhaaren übersät. Im vierten Jahr muss Familie Maier nun die Versäumnisse der Behörden ausbaden – denn weil sich die Schädlinge auf Privatgrund befinden, sieht sich das Amt für Landwirtschaft und Forsten hier nicht in der Pflicht. „Wir fühlen uns im Stich gelassen“, sagt Mutter Monika, während sie die blutigen Pusteln auf dem Körper ihres Sohnes Marcel (8) einschmiert. Der Junge reagiert ohnehin schon allergisch auf Pollen. Spielen im Garten? „So gut wie ausgeschlossen“, sagt die Mutter. Erst vor kurzem lieferte sie Marcel mit allergischem Schock im Krankenhaus ein. Sie selbst leidet unter geschwollenen Augen, Juckreiz und einer Schilddrüsen-Unterfunktion. Und das Cortison gegen die Raupen-Schmerzen hat einen unangenehmen Nebeneffekt: „Ich habe schon zwölf Kilo zugenommen.“

Für die Chemie-Keule ist es längst zu spät: Die Nachtfalter-Larven häuten sich derzeit zum fünften Mal. „Erst im Juli, wenn die Raupen in Puppenruhe gehen, ist die Entwicklung der Brennhaare beendet“, sagt Peter Aichmüller vom Amt für Landwirtschaft und Forsten. Doch die alten Häute bleiben in den Bäumen hängen, die Härchen sind sogar bis zu sieben Jahre aktiv. Präventiv ließ die Gemeinde an den Waldrändern Düllstadts den Häutungshemmer Dimilin sprühen. „Doch die Tiere sind dagegen längst immun“, denkt Monika Maier. Härtere Chemikalien würden dagegen auch den Bestand ihres Karpfenteiches – samt Eisvögeln und Schildkröten – vernichten.

Spätestens im Herbst wollen die Maiers den Eichenbestand auf ihrem 8000-Quadratmeter-Grundstück fällen und die Bäume abfackeln. „Und selbst als Brennholz will wegen der aktiven Härchen niemand mehr das Holz“, sagt Monika Maier. Sie selbst hat im Anbau ihres Hauses eine Schleuse eingerichtet: Alle Hausbewohner müssen sich dort ihrer Kleidung entledigen, damit die giftigen Härchen nicht ins Haus getragen werden. „Ich habe jeden Tag einen Wäsche­berg zu bewältigen“, klagt die Erzieherin. Und damit steht sie nicht allein. Auch ihre Nachbarn lassen inzwischen meist die Fenster zu. Sie können das Knistern in den Eichen rund um Schwarzach nicht mehr hören – im Akkord fressen die Raupen die Bäume kahl.

jv

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