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Eignungstests für Lehrer? Ministerium sagt Nein

München - Der Passauer Uni-Präsident Walter Schweitzer fordert einen verpflichtenden Eignungstest für angehende Lehrer. Beim Kultusministerium stößt die Forderung auf wenig Gegenliebe.

Der Passauer Lehrstuhlinhaber für Schulpädagogik, Prof. Norbert Seibert, hält mit seiner Meinung nicht hinterm Berg. „Den Kultusminister“, so sagte er unlängst in einem Interview, „interessiert die Lehrerausbildung nicht“. Minister Ludwig Spaenle trage „den Slogan der Dialogbereitschaft vor sich her“. Aber geredet habe er noch nicht mit ihm. Seiberts Frust kommt nicht von Ungefähr: Mit dem Kultusministerium führt er seit langem eine Art Privatfehde – unter anderem auch deswegen, weil ein vor zwei Jahren unter seiner Federführung gestartetes Pilotprojekt der Uni Passau bei der Lehrerausbildung nicht ausgeweitet wird. „Es findet keinen Widerhall“, sagt auch der SPD-Bildungsexperte Martin Güll.

Seit 2009 bittet die Uni angehende Lehramtsstudenten zu einem Eignungstest. Bislang ist er freiwillig, doch der scheidende Uni-Präsident Walter Schweitzer würde ihn gerne verpflichtend einführen: „Im Prinzip wäre es richtig, wenn man das obligatorisch macht, nur können wir das von der Gesetzeslage her nicht“, sagte er. „Das müsste für ganz Bayern einheitlich geregelt werden, weil das Lehrerexamen nach wie vor ein Staatsexamen und kein Universitätsexamen ist.“ Hier, so sagt Schweitzer, sei der Freistaat gefragt. Mit dem Test werde Geld gespart – denn ein Lehrer, der mit 55 wegen „Burn out“ frühpensioniert werde, koste den Staat bis zu 400 000 Euro.

In Passau absolvieren die Studenten einen Test mit praktischen und schriftlichen Übungen. Das sogenannte „Parcours“-Projekt dauert einen ganzen Tag und soll verhindern, dass für den Beruf ungeeignete Studenten ins Lehramt streben. „Das ist der richtige Weg“, sagt der Bildungsexperte der SPD-Landtagsfraktion, Martin Güll, der sich „Parcours“ selber einmal angesehen hat. Eine Eignungsprüfung vor Beginn des Studiums sei auch im Sinne ungeeigneter Kandidaten, die sich dann noch rechtzeitig nach etwas Neuem umsehen könnten. Jeder Schulleiter könne von de facto unfähigen Junglehrern berichten, die nach dem Motto „Versuchen wir’s halt mal“ im System Schule mitgeschleift würden.

An der Uni Passau ist der Test freiwillig – und es macht nur eine Minderheit mit: 2009/10 waren es 126 von 450 Studenten, 2010/11 214 von 500 und in diesem Semester 218 von 492. Erfahrungsgemäß werde etwa zehn bis 15 Prozent der Teilnehmer von einem Lehramtsstudium abgeraten, teilte die Uni mit. „Nur Einzelfälle entscheiden sich – aus sehr unterschiedlichen Gründen – tatsächlich dagegen.“

Auch der Chef des Bayerischen Philologenverbands, Max Schmidt, kennt den Test. Er äußert sich jedoch skeptisch. „Die Absicht ist lobenswert, das Verfahren muss man hinterfragen.“ Der Passauer Test sei extrem aufwändig, jeder Teilnehmer werde von wissenschaftlichen Mitarbeitern der Pädagogik-Fakultät persönlich unter die Lupe genommen. „Ich glaube nicht, dass das an den großen Unis beispielsweise in München praktikabel ist.“

Wahrscheinlich sei es ausreichend, so Schmidt, wenn die Studenten einen Test zur Selbsteinschätzung absolvieren würden. Davon sind einige auf dem Markt, beispielsweise auf der Homepage des Philologenverbands und auf der des Kultusministeriums.

Von letzterer Stelle kommt zu Schweitzers Vorstoß auch eine klare Absage: „Wir wollen den Test nicht als Pflicht“, sagt Kultusstaatssekretär Bernd Sibler (CSU). Man solle die Bedeutung derartiger Tests „nicht so hoch hängen“, da sich junge Menschen an der Uni weiterentwickeln könnten.

Das Ministerium empfiehlt einen anderen Weg: In sogenannten Uni-Klassen, wie sie der Münchner Grundschulpädagogik-Professor Joachim Kahlert entwickelt hat, werden Lehramts-Kandidaten schon zu Beginn ihres Studiums in zwei Münchner Grundschulen geschickt. Ihr Auftritt vor der Klasse wird gefilmt und anschließend besprochen.

Dirk Walter und Christine Cornelius

Rubriklistenbild: © dpa

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