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Bayerisches Fleckvieh beim Fressen. 

Interview mit einem Landwirt

„Uns geht es nicht nur um die Milch“

Auf seinem Hof in Arget bei Sauerlach züchtet Johann Eberl, 36, in zweiter Generation süddeutsches Fleckvieh, das auf dem Weltmarkt so erfolgreich wie nie ist. Ein Interview über die beliebte braun-weiße Rasse. 

Auf seinem Hof in Arget bei Sauerlach züchtet Johann Eberl, 36, in zweiter Generation süddeutsches Fleckvieh.

Warum züchten Sie Fleckvieh?

Das Fleckvieh war in Bayern schon immer die dominierende Rasse, auch bei uns im Betrieb. Früher war das Fleckvieh ein Dreinutzungsrind: Milch, Fleisch und Arbeit. Deswegen hat sich das in Bayern gehalten.

Würde ein oberbayerischer Bauer auf die Idee kommen, auf Holsteiner Rind umzusteigen?

Nein. In den 80er-Jahren gab es Einkreuzungsversuche mit dem Holsteiner Rind, um in der Milchleistung aufzuholen. Das hat sich aber nicht bewährt. Wir setzten andere Schwerpunkte als nur die Milchleistung. Bei uns geht es auch um die Fleischleistung und darum, dass das Rind gesund ist. In den letzten Jahren ist man sogar dazu übergangen, die Holsteiner durch Einkreuzung von Fleckvieh ein bisschen stabiler zu machen.

Welche Vorteile sehen Sie gegenüber dem Holsteiner Rind?

Wir haben eine Mehrnutzungsrasse. Das Fleisch macht uns krisenfester, weil wir eine zweite Einnahmequelle haben. Während der Milchkrise in den letzten zwei Jahren hat man gesehen, dass die bayerischen Betriebe am stabilsten waren. Für ein Kalb bekommen wir momentan etwa 500 Euro, für ein Holsteiner Kalb nur etwa 50 Euro. Außerdem sind unsere Tiere nicht so anfällig für Krankheiten. Und: Die Haut des Fleckviehs ist dicker und das Leder damit wesentlich wertvoller.

Was macht die Holsteiner anfällig für Krankheiten?

Die höhere Milchleistung ist eine wahnsinnige Belastung für den Organismus. Das ist vergleichbar mit dem Pensum eines Hochleistungssportlers. Es gibt nicht viele, die ihre Leistung bis ins hohe Alter bringen können. Von der Kuh wird das aber schon erwartet. Unsere sind ein wenig schwächer in der Leistung, halten das dafür aber länger aus.

Woher kommt der gewaltige Preisunterschied bei den Kälbern?

Das liegt an der Fleischleistung. Die männlichen Kälber gehen in die Mast. Beim Fleckviehbullen wächst wesentlich mehr Fleisch hin. Wenn beide ausgewachsen sind, dann rechnet sich die Mehrinvestition. Der Fleischanteil und die Fleischqualität sind beim Holstein-Bullen geringer, weil der Rasse das Fleisch weggezüchtet wurde.

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