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Roman Frisch zeigt Artikel über den Wolfsangriff auf ihn.

Fall aus dem Jahr 1976

Opfer erinnert sich: „Ein Wolfsrudel fiel über mich her“

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In der Nacht zu Freitag sind sechs Wölfe aus einem Gehege im Nationalpark Bayerischer Wald ausgerissen. Da kommen Erinnerungen auf bei Roman Frisch. Er wurde vor gut 40 Jahren von einem ausgebrochenen Wolf gebissen – und hatte mit dem Folgen noch eine ganze Weile zu kämpfen.

Neuschönau – Das Schlimmste waren die Tollwutspritzen. Roman Frisch spreizt Daumen und Zeigefinger. „Mit so langen Nadeln. Alle zwei Stunden eine zwischen die Rippen.“ 14 insgesamt. Doch nach dem, was dem Neuschönauer (Kreis Freyung-Grafenau) 1976 widerfahren ist, musste diese Tortur sein. Der damals Vierjährige war von einem Wolf gebissen worden – das Risiko einer Infizierung mit dem Tollwutvirus konnte man nicht eingehen. Heute Roman Frisch 46 Jahre alt, Maurer, ein bodenständiger Kerl. Dass ihm damals nicht mehr passiert ist, verdankt er dem unglaublichen Mut seiner Freunde.

Ein Rudel von acht Tieren bricht im Januar 1976 aus dem Gehege im Nationalpark aus. Es verschwindet in den Wäldern zwischen Großem Rachel und Lusen. Hin und wieder gibt es Sichtungen von Tieren, ihr Heulen wird gehört. Zoologen und Verhaltensforscher beschwichtigen: „Die sind ungefährlich.“ Doch nicht wenige Bauern fürchten um ihre Kinder.

Damals: Die vier, die Roman damals halfen. (V.li.) Markus Schmidt, Josef Oswald, Ingrid Schmidt und Walter Frisch.
Und heute: Wolfsangriffsopfer Roman und (v.li.) Cousin Viktor Eggersdorfer, Josef Oswald und Walter Frisch

Am 20. März 1976 spielen vier Buben und eine Mädchen am Nachmittag am Waldrand. Walter Frisch (damals 10) beaufsichtigt zum ersten Mal seinen Bruder Roman. Dabei sind auch Josef (10) und Ingrid Oswald (14) und Markus Schmidt (13). „Wir spielen Fangen“, erinnert sich Walter, die Kinder stehen im Halbkreis. „Und plötzlich steht in der Mitte ein Wolf.“ Ein Raubtier des ausgebrochenen Rudels. Die Kinder machen, wie sie es gelernt haben, keinen Mucks, und hoffen, dass sie so keinen Angriff provozieren. Doch der Jüngste, Roman, bekommt Panik, dreht sich um und rennt davon. Der Wolf – ein ausgewachsenes Exemplar bringt es schon mal auf 50 Kilo – springt ihn von hinten an, verbeißt sich an Oberschenkel und Gesäß. Er zerrt an dem kleinen Körper. Der Bub steht unter Schock – „ich habe eigentlich nix gemerkt“.

Der Bericht des Münchner Merkur im März 1976 über den Vorfall.

Josef Oswald läuft in den Wald und sucht einen Stecken, ohne zu wissen, dass dort weitere Wölfe lauern. Währenddessen ziehen die anderen Kinder am Körper vom Roman, um ihn aus dem Maul des Wolfes zu bekommen. Josef kommt zurück und haut mit dem Stecken immer wieder auf die Schnauze des Wolfs. Der lässt los. Roman, so erinnern sich alle, sei dagelegen wie ein Brett, die Hose zwar zerfetzt, aber es gab kein Blut. „Er war kasweiß“, sagt Josef. Werner, der Onkel von Markus Schmidt, trifft als erster Erwachsener ein. Er trägt den Bub, der sich in Schockstarre befindet, zum Auto. Er kommt in die Klinik nach Grafenau. Dort bleibt er zwei Wochen.

Und so berichtete die tz. 

Körperlich hat er den Angriff schnell verwunden. „Doch psychisch dauert das lange.“ Immer wieder bekam er Aussetzer, einfach so. Seine Gehirnströme wurden gemessen, er erhielt Therapien, Medikamente. „Nervenpräparate, bis zur sechsten Klasse“, dann war es vorbei. Mit dem Wolfsangriff hatte er also acht Jahre lang zu kämpfen, auch wenn in der Folge oft nur hieß, er habe nur „eine leichte Bisswunde“ davongetragen. Eine Fünfmarkstück-große Narbe zeugt noch heute davon.

Lesen sie hier: Wölfe aus Gehege ausgebrochen - einer vom Zug erfasst. Außerdem: Drama! Jetzt haben sie den ersten ausgebüchsten Wolf erschossen

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