„Ein Schock für alle Gartenbesitzer“

Emmering - Ein gewaltiges Unwetter hat am Montagabend zahlreiche Gärten verwüstet. Besonders schlimm traf es den Landkreis Fürstenfeldbruck. Dort steht Annelies Schröder, bislang stolze Gartenbesitzerin, vor den kläglichen Überresten ihrer grünen Oase.

Annelies Schröder, 72, gartelt für ihr Leben gern, ihr Mann Erwin hilft ihr dabei. Die Pfarrsekretärin im Ruhestand werkelt das ganze Jahr über im Garten rund um ihr Häuschen in Emmering (Kreis Fürstenfeldbruck). Sie pflanzt, zupft, jätet. Sie freut sich an der Blumenpracht, im Sommer erntet sie Tomaten, Gurken und Zucchinis.

Am Montag gegen 16 Uhr zerstörte ein Hagelsturm ihr liebevoll gepflegtes Idyll - nur ein paar Blümchen und vereinzelte Tomatenpflänzchen überlebten die Naturgewalt. Manche der Hagelkörner, die an diesem Nachmittag auf die grüne Oase der Schröders niederprasselten, waren groß wie Golfbälle.

Annelies Schröder ist erschüttert: „Es ist fast gar nichts mehr da von dem, was mein Mann und ich gepflanzt haben“, sagt sie am Tag nach dem Unwetter. Wo sonst Sonnenhut, Oleander, Lavendel und Pfeifenputzer wachsen, Hecken- oder Kletterrosen rankten - nichts ist mehr übrig. Margeriten und Geranien zieht sie in Kästen heran. Alles kaputt. „Die Clematis hat schon so schön geblüht“, bedauert die Seniorin. Der Hagel hat sie regelrecht zerfetzt. Jetzt sieht der ganze Garten aus wie im Herbst, findet die Seniorin.

„Das ist ein großer Schock für alle Gartenbesitzer“, sagt die Emmeringerin. Nach dem Unwetter traute sie sich erst einmal nicht mehr raus. „Heute früh sind wir dreimal um’s Haus herumgegangen und haben uns gefragt: Wo sollen wir denn anfangen?“ Es ist zum Verzweifeln. Ein Nachbar hat der 72-Jährigen erzählt, seine Frau habe geweint. Weil all die schönen Blumen kaputt sind.

Freilich, die Schröders wissen auch, dass ihr Verlust relativ ist: „Das ist harmlos im Vergleich zu Fukushima oder Amerika, wo Tornados wüten.“ Man dürfe sich eigentlich nicht beklagen. „Wir haben nur eine Ahnung davon gekriegt, was ein Unwetter ist“, sagt Annelies Schröder.

Die Straße und der Gehsteig vor ihrem Haus sahen nach dem Hagel aus wie ein grüner Teppich. Erwin Schröder kehrte die Blätter und Äste zusammen, der Anhänger ist jetzt voll mit frischem grünen Laub. Während das Paar zusammenräumte, rief ein humorvoller Passant eine Aufmunterung über den Gartenzaun: „Jetzt brauchst den ganzen Sommer nimmer gießen, jetzt kannst Dir ganz gemütlich eine Halbe einschenken“, sagte der Spaziergänger in Richtung Erwin Schröder.

Die Emmeringer konnten darüber schon wieder schmunzeln. Vielleicht ist ja nicht alles verloren: Der Oleander ist robust, wird sich wohl wieder erholen. „Die Natur wird’s sich schon wieder richten“, meint Annelies Schröder zuversichtlich. „Jetzt muss man retten, was man retten kann. Mein Mann fragt mich dauernd: ,Darf ich das ganz abschneiden, oder soll ich noch was stehen lassen?‘“ Spätestens im nächsten Jahr wird ihr Garten und der der Nachbarn wieder erblühen. So wie immer.

Angi Kiener

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