Trauer in Huglfing: „Ein Vollblut-Polizist“

Peißenberg/Huglfing - Franz Schlosser, der Polizist der sich beim Russisch-Roulette in den Kopf schoss, ist beerdigt worden. 1000 Menschen nahmen Abschied von einem ungewöhlichen Menschen.

Er war einer der ungewöhnlichsten Polizisten Oberbayerns: Franz Schlosser, den Freunde und Kollegen nur „Vamos" nannten. So unorthodox, wie er seine Ermittlungen im Bereich Organisierte Kriminalität und Drogenhandel führte, so spektakulär endete sein Leben - beim Russisch-Roulette in einer Autowerkstatt in Peißenberg (Kreis Weilheim-Schongau). Er wurde 56 Jahre alt. Am Samstag nahmen seine Familie, Freunde und Kollegen Abschied von ihm.

Gut 1000 Menschen drängten sich auf dem Friedhof St. Johann in Huglfing. Weil die Dorfkirche völlig überfüllt war, standen viele Trauergäste draußen und hörten über Lautsprecher dem Seelengottesdienst zu. „Wenn wir nach dem Warum für dieses tragische Unglück fragen, bekommen wir keine befriedigende Antwort“, sagte Polizeipfarrer Andreas Simbeck. Franz sei ein lieber und liebender Mensch gewesen, der weit über seinen Heimatort hinaus verehrt wurde. Kriminalkommissar Franz Schlosser genoss Respekt und Hochachtung aller Kollegen. „Er war ein überragender Ermittler. Ein Vollblut-Polizist, der außergewöhnliche Erfolge erzielte“, hieß es. Sein ungewöhnliches Auftreten nahmen Vorgesetzte deshalb in Kauf.

Polizeipfarrer Andreas Simbeck hatte für die Trauerfeier Stichworte gesammelt, die Franz Schlosser beschreiben: „Eine lebende Legende, ein herzensguter Mensch, auf Ausgleich bedacht – und ein liebender Vater und Ehemann.“ Für seine Tochter Melanie waren sie und ihr Vater ein „Dreamteam“, für ihren Freund Steve war Franz „der beste Schwiegervater der Welt“. Seine Frau Gerlinde sagt über ihn: „Meine große Liebe.“ In einem langen Trauerzug ging es anschließend zum Friedhof. Ein Polizist trug die mit Rosen verzierte Urne, ein Beamter trug Franz’ Foto in den Händen. Am über und über mit Blumenkränzen geschmückten Grab hielt die Trauergemeinde inne – und lauschten dem Lieblingslied von Franz Schlosser: „Eine handvoll Reis“, ein Antikriegslied von Freddy Quinn. Nach drei Stunden hatte Franz Schlosser seine letzte Ruhe gefunden.

jam

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