Gefährliche dunkle Jahreszeit

Polizei mahnt zur Vorsicht: Jetzt schlagen Einbrecher zu

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München - In der dunklen Jahreszeit schlagen Einbrecher besonders gerne zu, daher ist jetzt besondere Vorsicht geboten. Die Polizei verstärkt ihre Präsenz auf den Straßen – und der Bund hilft mit Zuschüssen.

Herbst und Winter sind die Lieblings-Jahreszeiten der Einbrecher. Wenn es schon nachmittags finster wird, ist die Zeit der gefürchteten Dämmerungseinbrüche gekommen. „Von November bis März steigt die Zahl der Wohnungseinbrüche“, sagt Stefan Sonntag, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Das belegen viele Beispiele.

Im Landkreis Erding zum Beispiel ging es im vorigen Jahr Mitte Oktober los. Es ist früh am Abend in Altenerding, die Dämmerung hat gerade eingesetzt. Ein 17-Jähriger beobachtet, wie sich zwei Männer im Nachbargrundstück herumtreiben. Einer kraxelt laut Polizei über das Terrassendach zu einem gekippten Fenster im ersten Stock. Er entfernt das Fliegengitter, sein Kollege steht Schmiere. Der Jugendliche spricht die beiden Unbekannten mutig an. Sie flüchten. In Maisach (Kreis Fürstenfeldbruck) ereignete sich der erste Dämmerungseinbruch Anfang November. Die Täter dringen durch die Terrassentür in ein Haus ein, durchwühlen die Schränke. Sie erbeuten Schmuck im Wert von 300 Euro. Die psychologischen Folgen für die Bestohlenen sind viel schwerwiegender.

Die Polizei weiß, dass die dunkle Jahreszeit den Ganoven in die Hände spielt – und reagiert: Laut Sonntag waren in den vorherigen Jahren im Herbst und Winter vermehrt Streifen auf den Straßen unterwegs – und zwar sowohl offen als auch verdeckt. „Das wollen wir heuer wieder machen“, sagt der Polizeisprecher, schränkt aber ein: „Sofern das die Personalsituation zulässt.“ Die Beamten seien derzeit wegen des anhaltenden Flüchtlingsstroms nach Bayern sehr eingespannt. Abschreckend könnten heuer die wiedereingeführten Grenzkontrollen auf die potenzielle Täter wirken. „Wir hoffen natürlich, dass sie einen Effekt haben“, sagt Sonntag.

Zuletzt stieg die Zahl der Einbrüche in Bayern kontinuierlich an, auch unabhängig von der Jahreszeit. Das Landeskriminalamt registrierte im vorherigen Jahr 8210 versuchte oder vollendete Wohnungseinbrüche, im Jahr 2013 gab es 6385 Fälle, 2012 nur 5709. Aktuellere Statistiken geben die Behörden derzeit nicht heraus. Trotz der Steigerungsraten liegt die Zahl der Einbrüche in Bayern deutlich niedriger als in den nördlicheren Bundesländern, betont Polizeisprecher Sonntag. Im europäischen Vergleich liege Deutschland im vorderen Mittelfeld, Spitzenreiter bei den Häufigkeitszahlen sei Belgien, wo viermal so oft eingebrochen wird.

Ein effektiver Schutz gegen Diebe ist eine aufmerksame Nachbarschaft, sagt die Polizei (siehe Kasten). Der Bund will zudem den Einbau von technischen Schutzmaßnahmen bezuschussen. Der Haushaltsausschuss des Bundestags hat im Mai das Programm „Kriminalprävention durch Einbruchssicherung“ beschlossen. Bis 2017 werden jährlich zehn Millionen Euro Fördergelder bereitgestellt. Es geht um „Zuschüsse für Materialkosten“ und die steuerliche Absetzbarkeit von Arbeitskosten. Davon sollen Mieter und Eigentümer profitieren, die mithilfe eines Profis mindestens 500 Euro in den Einbruchsschutz eines Objekts stecken. Die Förderquote liegt bei 20 Prozent, die Obergrenze bei 1500 Euro.

Für die beginnende Einbruchsaison kommt das Programm aber wohl zu spät. Der Starttermin am 1. November wackelt, weil unklar ist, wer die Anträge entgegennehmen und das Geld auszahlen soll. Im Bau- und Umweltministerium arbeitet man „mit Hochdruck“ an den Vorbereitungen, teilte die Pressestelle auf Nachfrage mit. Pläne, die Aufgaben dem Bundesversicherungsamt zu übertragen, zerschlugen sich nach Informationen des Ebersberger Bundestagsabgeordneten Ewald Schurer (SPD) wegen Überlastung der Behörde. Nun ist die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) im Gespräch. „Die Abstimmungsgespräche laufen.“

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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