Nach der Gewalttat in Königsdorf

Einbruch-Experte: „Ich lerne jede Woche neue Tricks der Täter“

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Kriminalhauptkommissar Peter Körner ist Experte in Sachen Einbruchsschutz. Erst in München, jetzt bei der Kripo in Miesbach. Er berät – und ermittelt selbst.

Nach dem schrecklichen Ereignis in Königsdorf, wo zwei Senioren mutmaßlich Opfer von Einbrechern wurden und auf grausame Weise starben, sind viele Menschen verunsichert. Nicht nur in der Region.

Die Polizei verstärkt dort immerhin ihre Präsenz. Wir haben einen Experten zudem dazu befragt, wie sich jeder am besten schützen kann. 

Wir haben einen Experten gefragt, wie man sich schützen kann.

Münchner Merkur (MM): Wie sieht der typische Einbrecher aus?

Peter Körner: Wir haben es mit deutschen Tätern genauso zu tun wie mit osteuropäischen Banden. Das geht von Jugendlichen, die mal was probieren wollen, bis zur organisierten Kriminalität. Eines haben alle gemeinsam: Sie sind einfallsreich, und nicht immer verhalten sie sich logisch. Ich lerne jede Woche neue Tricks der Täter.

MM: Welche denn?

Körner: 70 Prozent gehen von hinten an Anwesen heran und hebeln Terrassentüren und Fenster auf. Es gibt aber auch die, die durch die Eingangstür kommen, Gitter wegreißen und Fensterscheiben einwerfen, obwohl das viel länger dauert. Ein Schema gibt’s nicht. Ein Beispiel: 80 Prozent der Täter scheuen Licht. Aber 20 Prozent freuen sich, weil sie dann besser sehen, wo sie hebeln müssen.

MM: Wie verhalte ich mich, wenn ich einen Einbrecher im Haus bemerke?

Körner: Seien Sie leise und versuchen Sie zu telefonieren. Wählen Sie immer die 110, dann läuft das Telefonat über die Einsatzzentrale. Auf keinen Fall sollte man den Helden spielen und Täter ansprechen. Selbstjustiz mit dem Baseballschläger oder einer Waffe ist völlig falsch, weil das zu gefährlich ist. Die Polizei ist der Profi.

MM: Aber die Aufklärungsquote liegt bei unter 20 Prozent. Warum?

Körner: Wir sind auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen. Früher haben wir in München auf Streife pro Nacht drei Anrufe bekommen, heute nicht mehr. Viele Zeugen sind vor Gericht so blöd von Anwälten angeredet worden, dass sie nicht mehr helfen wollen. Das ist gerade in der Stadt ein Problem, auf dem Land schaut man noch mehr aufeinander. Generell gilt: Die Polizei stößt immer wieder auf Täter. Aber dann muss man die Taten 100 Prozent zuordnen können.

MM: Ist das so schwer?

Körner: Das Problem: Die Leute wissen nicht, was ihnen gestohlen wurde. Wenn wir nach drei Monaten eine Aufstellung bekommen, ist das Diebesgut schon verwertet oder eingeschmolzen. Ich empfehle, regelmäßig Fotos zu machen: von den Vitrinen, Schmuckkästchen und Typenschildern von Fernsehern und Laptops. Mit Bildern können wir Gutachten erstellen und Diebesgut zuordnen.

MM: Gibt es für die Spurenauswertung Spezialisten?

Körner: Bei großen Kripo-Dienststellen wie in München gibt es spezialisierte Kommissariate: Kellereinbruch, Autoaufbruch und Wohnungseinbruch. Auf dem Land ist meist ein Kommissariat zuständig. Gerade dort ist es im Einsatz so, dass die Beamten der Dienststellen geschult sind, um die Spuren am Tatort zu sichern. Erst bei höherwertigen Einbrüchen übernimmt die Kripo. Wohnungseinbrüche gelten in Bayern seit Jahren als Schwerpunkt und werden von uns gezielt behandelt.

MM: Wie schütze ich mich?

Körner: Mechanischer Schutz ist besser als elektronischer. Wenn’s in einer Minute nicht klappt, bricht der Täter in der Regel ab. Erstens hilft Außenbeleuchtung mit Bewegungsmeldern, die nur auf Personen reagieren. Je seltener die Anlage angeht, desto höher ist die Sensibilität bei Bewohnern und Nachbarn. Zweitens muss die Mechanik halten. Dafür gibt es Fenster und Türen der Sicherheitsklassen WK 2 oder RC 2, darauf sollte man beim Kauf achten. Diese Fenster haben Pilzzapfen, absperrbare Griffe und durchwurfhemmende Folie – nur diese Kombination hilft.

MM: Die Anschaffung ist sehr teuer.

Körner: Bei Nachrüstungen kann ein Element 500 bis 600 Euro kosten. Bei Neubauten bekommt man den Einbruchschutz für eine Mehrbelastung von nur vielleicht 100 Euro. Wer baut, sollte sich deshalb vorab mit unseren Beratungsstellen in Verbindung setzen. Infos der Polizei gibt’s auch im Internet unter www.k-einbruch.de.

MM: Der psychische Schaden ist meist höher als der materielle. Wie werden Einbrüche verarbeitet?

Körner: Ich habe schon Zwei-Meter-Hünen gesehen, die ihr Haus verkauft haben, weil sie nicht mehr darin leben konnten. Deswegen ist Prävention so sinnvoll. Die Zahlen zeigen, dass sie funktioniert: 2400 Einbrüche wurden im vorigen Jahr durch gute Sicherheitselemente verhindert – das sind 40 Prozent der Fälle.

Alle aktuellen Entwicklungen zu dem Fall Königsdorf können Sie in unserem Nachrichten-Ticker nachlesen

Zahlen & Fakten

Laut dem bayerischen Innenministerium ist die Zahl der Wohnungseinbrüche in Bayern zuletzt zurückgegangen. 2015 waren es 7480 Delikte. Aber: 2016 stiegen die Fallzahlen in Stadt und Landkreis München deutlich an. Der Zuwachs lag bei neun Prozent und ging vor allem auf das Konto organisierter Banden aus Osteuropa, die systematisch ganze Stadtviertel ins Visier nahmen. 2015 gab es rund 59 Einbrüche pro 100 000 Einwohner – der bundesweite Durchschnitt liegt bei 206 Fällen, das ist mehr als dreimal so hoch. Schlusslicht ist NRW mit 354 Fällen pro 100 000 Einwohner.

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