Eichstätt: Eine Frau soll Frieden bringen

Eichstätt - Jetzt soll es also ein vierköpfiges Team mit einer Frau an der Spitze richten: Der Stiftungsrat der Katholischen Universität Eichstätt hat die bisherige Vorsitzende des Akademischen Senats, Professor Gabriele Gien, zur Interimspräsidentin ernannt.

Ihr fröhliches Lachen hat sie nicht verloren trotz der schwierigen Aufgabe, die nun vor Gabriele Gien liegt. Die 52-jährige, aus München stammende Germanistin ist vom Stiftungsrat der Katholischen Universität Eichstätt auserkoren worden, die völlig zerstrittene Hochschule zu befrieden. Soll man sie nun bedauern ob des neuen Amtes? Da kann sie nur lachen: „Nein, nein. Ich freue mich darüber. Über die ganzen Aktionen im Vorfeld natürlich nicht. Das fand ich extrem belastend.“

Allerdings tritt die Professorin, die bisher Vorsitzende des Akademischen Senats der Universität ist, nicht allein den zerstrittenen Parteien gegenüber – die vornehmlich um die Frage ringen, wie katholisch muss oder darf die einzige katholische Universität im deutschsprachigen Raum sein. Drei Professoren der Uni und ein externer ehemaliger Professor stehen ihr zur Seite: Markus Eham (56/Professor für Liturgik, Musik und Stimmbildung an der Fakultät für Religionspädagogik und Kirchliche Bildungsarbeit der KU), Gernot Müller (43/Professor für Klassische Philologie an der Sprach- und Literaturwissenschaftlichen Fakultät) und Rudolf Fisch (75/emeritierter Sozialpsychologe/von 2008 bis 2009 bereits Interimspräsident der KU). Dass ein Team die Aufgabe übernimmt, war auch eine Voraussetzung für Gien, das Amt der Interimspräsidentin zu übernehmen.

Die Entscheidung für das Quartett ist nach Aussage des Münchner Generalvikars Peter Beer, stellvertretender Vorsitzender der Stiftungsrates, einstimmig gefallen. Laut Beer gibt es keine Möglichkeit einer längeren Einarbeitungszeit, „es brauchte daher jemanden, der die Universität von Innen her kennt“. Wie allerdings nun der Vorsitzende des Hochschulrats, Professor Wilhelm Vossenkuhl, auf diese Entscheidung reagiert, ist noch unbekannt. Wie berichtet, hatte er versucht, einen eigenen Kandidaten für das Amt des Präsidenten durchzuboxen. Nun soll die Interimsspitze die Situation der Universität stabilisieren – bis zum Abschluss eines regulären Wahlverfahrens in spätestens zwei Jahren. Zuletzt hatte Vossenkuhl sogar damit gedroht, juristisch gegen die Einsetzung einer interimistischen Spitze vorzugehen. Derzeit ist unklar, wie er weiter vorgehen wird.

Gabriele Gien wollte noch gestern mit ihm in Kontakt treten. Erstes Friedensangebot? „Wenn er sich kompromissbereit zeigt, wäre ich bereit zu sagen: Wir probieren es einfach.“ Allerdings gerät Vossenkuhl auch innerhalb des Hochschulrates unter Druck: Die internen Mitglieder des Gremiums werden ihn wegen der Vorkommnisse zur Rechenschaft ziehen.

„Ich werde ganz stark auf Partizipation, Runde Tische und Kommunikationsformat achten“, kündigt Gien im Gespräch mit unserer Zeitung an. Damit viele an der Universität wieder anfangen, „ihre Kraft auch für die Universität zur Verfügung zu stellen und nicht nur in die eigene Lehre zu stecken“. Die Interims-Chefin, die spätestens zum Oktober ihre neue Aufgabe übernehmen wird, ahnt, welche Gratwanderung auf sie zukommt. Dass sie sich einerseits sehr zurücknehmen muss – aber auch wissen muss, wo damit Schluss ist. „Ich bin immer jemand, der das Gespräch sucht, statt sofort in den Konflikt zu gehen. Das ist nur die letzte Chance, die man hat.“ Sie hofft, dass man nun mit den unterschiedlichen Gremien „doch noch mal ein Format des Gesprächs“ findet.

Bei allen Schwierigkeiten, die auf sie und ihr Team zukommen, sagt sie: „Ich halte sehr viel von dieser Uni. Wir haben richtig tolle Kollegen und für die lohnt es sich, sich einzusetzen. Bei den fünf Prozent, die ihre Kraft in Destruktives stecken, hoffe ich halt, dass sie auch bald in einen konstruktiven Rhythmus übergehen.“ Und die Studenten? Philipp Abel, Mitglied im Senat, sieht die Benennung des vierköpfigen Interimspräsidiums als gute Lösung – und ersten Schritt zur Normalisierung.

Claudia Möllers

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