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Die oberbayerische Grenzstadt Freilassing ist zum Schauplatz der Flüchtlingsfrage geworden.

Eine Kleinstadt meistert die Flüchtlingskrise

Freilassing: "Alle ziehen an einem Strang“

Freilassing - Die oberbayerische Grenzstadt Freilassing ist zum Schauplatz der Flüchtlingsfrage geworden. Die Kommune mit 16 000 Einwohnern rückt in der Krise zusammen. Wie schafft die Stadt das?

Josef Flatscher hat einen neuen Spitznamen: „Bürgermeister der größten Stadt Südostbayerns“ werde er von Kollegen seit kurzem genannt, sagt der 59-Jährige. Dabei ist der CSU-Politiker eigentlich nur Rathaus-Chef einer 16 000-Seelen-Stadt an der Grenze zu Österreich. Seitdem die Bundesregierung wieder Grenzkontrollen angeordnet hat, ist Freilassing jedoch für viele Flüchtlinge der Ort, an dem sie zum ersten Mal deutschen Boden betreten. 

Mehr als 16 000 Menschen sind seit Wiedereinführung der Grenzkontrollen gekommen - immer mit Schwerpunkt Freilassing. Um die Geflüchteten zu versorgen, ist die ganze Stadt im Einsatz: Bayerisches Rotes Kreuz, Caritas, Malteser, Feuerwehr und Technisches Hilfswerk sind dabei, ehrenamtliche Helfer verteilen Lebensmittel, Kleidung und Decken. Viele Menschen erreichen die Stadt mit dem Zug. 

Alle träumen von einem Leben in Sicherheit

Es sind Menschen wie Taiseer aus Syrien, die unter der Saalach-Brücke sitzen und auf die Kurz-Registrierung durch die Bundespolizei warten. Taiseer, 22 Jahre alt, hat seine Familie zurückgelassen und träumt davon, sein Studium der Elektrotechnik in Deutschland fortzusetzen. Er schildert die Überfahrt von der Türkei nach Griechenland. 45 Menschen auf einem acht Meter langen Boot, vier Stunden unterwegs, mitten in der Nacht. „Very dangerous“, sagt Taiseer, sehr gefährlich. 1200 Euro habe er für die Überfahrt zahlen müssen, seine gesamten Ersparnisse. 

Geschichten wie diese hört man dutzendfach in Freilassing. Viele Kinder sind dabei, wenige Alte. Alle träumen von einem Leben in Sicherheit. „The first point is to be safe“, sagt Taiseer. Jetzt sind sie zwar in Sicherheit, aber auch im Kalten. Der September neigt sich dem Ende zu, es hat keine zehn Grad mehr. Viele der Flüchtlinge warten seit Stunden darauf, dass es vorangeht. Taiseer holt Studentenfutter aus der Tasche - er möchte teilen, was er hat.

"Warum heißt Deutschland die Menschen aus Syrien willkommen?"

Doch Taiseer erzählt nicht nur, er fragt auch: Warum Deutschland die Menschen aus Syrien willkommen heiße? Was der wahre Grund sei?

Der Grund für die Hilfsbereitschaft rührt zwei Jahre zurück. Egal, mit wem man spricht, irgendwann ist die Rede vom Saalach-Hochwasser von 2013, das Teile der Stadt überflutet hatte. Man habe damals gespürt, wie es ist, auf Hilfe angewiesen zu sein, sagt eine der Organisatoren von „Freilassing hilft“. Mit dem Hochwasser im Gedächtnis habe man gewusst, „dass wir gut aufgestellt sind“, sagt der Sprecher des Landratsamtes Berchtesgaden, Andreas Bratzdrum. „Man spürt, dass alle an einem Strang ziehen.“

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dpa

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