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Duzen die Bayern zu oft - oder ist das nur nett und sympathisch? Darüber waren sich die User von merkur-online und tz.de zuletzt uneinig. Wir haben eine Knigge-Expertin befragt.

User diskutieren

Wird in Bayern zu oft geduzt? Das sagt die Expertin

München - Duzen die Bayern zu oft - oder ist das nur nett und sympathisch? Darüber haben die User von merkur-online, tz.de und Facebook zuletzt heftig diskutiert. Wir haben eine Knigge-Expertin befragt.

Sympathisch oder frech?

Auf unsere Frage in Facebook, ob die Bayern zu oft duzen, war eine heftige Debatte entbrannt. Die User der Facebook-Seiten von TZund Merkur posteten die unterschiedlichsten Ansichten zu dem Thema.

Duzen ist sympathisch und zeigt Nähe, meint ein Teil. "Das ist Tradition" in Bayern, sind sich die einheimischen User einig - weil "mia san mia". Respektlos und unhöflich finden es dagegen andere. "Leicht unhöflich", kommentiert beispielsweise David G. aus dem Osten Deutschlands. Eine andere Userin schreibt, sie habe schon einige Münchner in die Schranken weisen müssen, die sie ungefragt geduzt hätten.

Später führten die User die Diskussion auf den Online-Seiten von Merkur und TZweiter. Grund genug, bei der Knigge-Expertin Janine Katharina Pötsch nachzufragen. Sie ist selbst 2006 als Spreewald-Mädchen nach München gezogen.

Knigge-Expertin: Duzen unhöflich

Prinzipiell gilt es als unhöflich und ein Zeichen von Respektlosigkeit, sein Gegenüber einfach so zu duzen ohne vorher zu fragen, erklärt Pötsch. Als "Zuagroaste" hat die 34-Jährige damit in München aber selbst noch keine schlechten Erfahrungen gemacht. "Ich könnte nicht unterschreiben, dass hier mehr geduzt wird", sagt sie. Es käme allerdings immer auf die Situation an. "In der Arbeitswelt wird man nicht geduzt, wenn man allerdings beispielsweise in eine Bar geht kann das schonmal passieren", so Pötsch. 

Wer darf das Du anbieten?

Wer wem das Du anbieten darf, hängt von der "Rangfolge" der Beteiligten ab. Prinzipiell gilt: Der Ältere ist ranghöher. Sind die Partner gleich alt, hat die Frau den Vortritt. Im Job geht es natürlich nach Position. Ist man mit dem Chef aber eimal per du, bleibt das auch so.

Sympathie entscheidet

Stellt sich nur die Frage wann man das Du anbietet? Entscheidend ist hierbei die Sympathie für das Gegenüber. Denn ein Sie ist auch Ausdruck von Distanz, wohingegen das Du mehr Nähe zeigt. Duzt man sein Gegenüber ganz unvermittelt, kann es sein dass man dessen "Tabu- und Distanzzone" verletzt.

Junge anders als ältere Generation

Ohne zu fragen duzen würde vor allem die jüngere Generation. Hier merkt Pötsch, die Knigge-Kurse anbietet, dass diese Umgangsformen in der Erziehung wohl oft zu kurz kommen. "Ältere Generationen haben meist noch eine gute Schule genossen", sagt sie.

"Landeier" duzen mehr als "Staderer"

Und tatsächlich wird auf dem Land öfter und schneller das Du verwendet als in der Stadt. "Auf dem Land kennt man sich meistens", erklärt Pötsch. Aber Neuankömmlinge könnten sich von der Überschwenglichkeit schnell auf den Schlips getreten fühlen. 

Wenn man lieber beim Sie bleibt  

Wer lieber gesiezt werden möchte, darf das seinem Gesprächspartner auch sagen. "Es kommt auf die Formulierung an, man sollte die Entscheidung höflich erklären", rät Pötsch. Beispielsweise könne man sagen: "Herr XY, Danke, ich würde gerne beim Sie bleiben und Sie erst besser kennen lernen." vu

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