Die „Augsburgblume“ auf dem Stromkasten zeigt jenes Motiv, das heute fast jeder in der Stadt kennt. Foto: fkn

„Augsburg-Maler“ vor Gericht

Wie eine Kult-Blume zur Straftat wurde

Augsburg - Riesen-Wirbel um eine Blume: In ganz Augsburg hat ein 24-Jähriger rund 470 filigrane Pflänzchen an viele Hausmauern, Schilder oder Mülltonnen gesprüht. Er wollte seine Stadt bunter machen – die Menschen fröhlicher. Jetzt muss er vor Gericht. Doch die Sympathien fliegen ihm nur so zu.

Johannes M. (Name geändert) wollte die Welt ein bisschen schöner machen. Er wollte die Menschen zum Lächeln bringen, wollte ihnen auf seine Weise einen wunderbaren Tag wünschen. Deshalb packte er eine Spraydose ein, ging auf die Straße – und fing an, Hausmauern, Trafohäuschen, Glascontainer, Postkästen und Parkscheinautomaten zu bemalen. Überall eine Blume: schwarz, zart, fünf Blätter. Rund 470-mal fand sich das Motiv in Augsburg – und die „Augsburgblume“ bekam Kultstatus. Ein Geschäft ließ sogar T-Shirts mit der Blume bedrucken. Doch dann, nach etwa eineinhalb Jahren, war alles vorbei. Die Polizei hatte den 24-Jährigen geschnappt. Nun muss er vor Gericht.

Johannes M. wird sich am morgigen Mittwoch vor Schöffen verantworten. Der Vorwurf: Sachbeschädigung – 71 000 Euro. Das ist kein Kavaliersdelikt mehr. „Wenn Eigentumsrechte anderer verletzt werden, müssen wir dagegenhalten“, sagt Ursula Baier Pickartz, Leiterin des Zentralen Stadtmarketings Augsburg. „Ein Straftatbestand ist nicht zu bagatellisieren.“ Viele Hausbesitzer hatten über das „Gekritzel“ an ihren Mauern geschimpft. Johannes M. war für sie nur ein „Schmierfink“.

Der junge Mann versteht die Aufregung offenbar nicht ganz. „Ich wollte nur meine Botschaft verbreiten, dass die Leute ihr Leben genießen sollen“, sagte er mal in einem Interview mit der „Neuen Szene“ in Augsburg. Seinen richtigen Namen nannte er damals nicht. Inzwischen ist der „Blumenmaler“ eine kleine Berühmtheit in der Stadt. In Internetforen hat er unzählige Fans. Die Menschen mögen ihn irgendwie. „Die Augsburgblume ist vielen Leuten ein Begriff“, sagt auch Hieronymus Schneider, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Nord. „Lange wusste niemand, wessen Handschrift dahinter steckt.“

Nun also geht Johannes M. in die Öffentlichkeit. Wenn auch unfreiwillig – ein Gerichtssaal dürfte kaum das Podium sein, das er sich vorgestellt hatte. Und: Ihm droht sogar eine Gefängnisstrafe. Wie die „Augsburger Sonntagspresse“ berichtet, wurde er wegen Sachbeschädigung schon mal verurteilt – damals aber „nur“ zur Bewährung.

Seine Anhänger bleiben ihm trotzdem treu. Sie haben ja das schwarze, zarte Pflänzchen längst ins Herz geschlossen. Es kursierte sogar hartnäckig das Gerücht, dass selbst die Stadt Augsburg aus der Blume ein Markenzeichen machen wolle. Stadtmarketing-Leiterin Pickartz widerspricht allerdings vehement: „Wir haben weder jetzt noch in Zukunft den Plan, die Augsburgblume in unser Stadtmarketing-Konzept einzubinden.“ Der Wunsch nach urbaner Identität sei zwar nachvollziehbar, könne aber nicht durch Bilder befördert werden, die „auf der Basis einer strafbaren Handlung“ entstanden seien. „Andernfalls wären die legitimen Interessen all jener missachtet worden, denen durch die Augsburgblume ein Sachschaden entstanden ist.“

Seit Johannes M. aufgeflogen ist, steht auf einer Facebook-Seite im Internet eine Todesanzeige zu Ehren der „Augsburgblume“. Der Trauerspruch lautet: „Die Blume geht zugrunde, aber der Samen bleibt zurück und liegt vor uns, geheimnisvoll, wie die Ewigkeit des Lebens.“

Von Marc Lamberger

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