Unfallopfer

Eine Mutter kämpft um Gerechtigkeit

Kirchdorf - Vor mehr als einem Jahr hat ein betrunkener Autofahrer bei Kirchdorf (Kreis Freising) den 41-jährigen René S. überfahren. Doch seine Unfallversicherung weigert sich, die Bestattungskosten zu übernehmen. Heute kämpft Renés Mutter vor Gericht gegen das Unternehmen.

Es ist ein Martyrium: Jedes Mal, wenn Ute S. von ihrer Wohnung in Kirchdorf-Hirschbach (Kreis Freising) in einen anderen Ort möchte, muss die 63-Jährige den Weg nehmen, der der letzte ihres Sohnes war. „Das macht mir schwer zu schaffen“, sagt sie. Vor mehr als einem Jahr wurde ihr Sohn René von einem betrunkenen Autofahrer aus dem Leben gerissen. Mit 41 Jahren. Heute muss Ute S. vor Gericht mit der Versicherung des Unfallverursachers streiten – um die Bestattungskosten.

Ute S. denkt so oft über den 31. Oktober 2007 nach. Es ist Halloween, ihr Sohn René und seine Freundin Kathi wollen in Kirchdorf zu Abend essen. Mutter Ute S. soll die beiden mit dem Auto fahren. „Es war eine sternenklare Nacht, sie wollten nach dem Essen heimlaufen“, erinnert sich die 63-Jährige. Sie selbst fährt wieder heim in ihre Wohnung. Und geht mit einem komischen Gefühl ins Bett: „Ich wollte René noch anrufen und ihn fragen, ob ich sie abholen soll.“ Ute S. ruft nicht an. Sie möchte nicht den Eindruck erwecken, dass sie René kontrollieren will.

Um 1.15 Uhr klingelt das Telefon. Das Klinikum Bogenhausen ist dran: „Ihr Sohn liegt im Sterben, kommen Sie schnell.“ Ute S. eilt nach München, doch sie kommt zu spät. René ist bereits tot, als seine Mutter geschockt an sein Bett tritt. Was war passiert? René und seine damals 27 Jahre alte Freundin hatten beim Wirt in Kirchdorf zu Abend gegessen. René hatte zwei Bier und einen Schnaps getrunken. Um kurz nach 22 Uhr macht sich das Paar auf den Nachhauseweg, Hirschbach ist nur einen knappen Kilometer von der Gaststätte entfernt. Dort hat René S. eine Wohnung in der Nähe seiner Mutter. Ein Gutachten wird später zeigen, dass der 41-Jährige nicht auf der Straße, sondern auf dem Bankett gelaufen ist. Um 22.10 Uhr nähert sich dem Paar ein 46-Jähriger mit seinem Auto. Als René und Kathi noch 600 Meter von ihrem Zuhause entfernt sind, erfasst sie das Fahrzeug. Das Paar wird meterweit in die Wiese geschleudert. Die 27-Jährige rappelt sich auf, robbt die kleine Böschung hoch und sucht ihren Freund – sie findet ihn bewusstlos. Vier Stunden später erliegt René seinen schweren Kopfverletzungen. Er hinterlässt zwei kleine Kinder. Einen sieben Jahre alten Buben und ein Mädchen, vier Jahre alt. Seine Mutter Ute S. bricht zusammen, als sie ihren Sohn zu Grabe tragen muss. Der Unfallverursacher, auch das zeigt später ein Gutachten, hatte 1,8 Promille. Er begeht Fahrerflucht, meldet sich aber kurz darauf bei der Polizei. Es ist der Nachbar von Ute S.

Der Unfall liegt mehr als ein Jahr zurück. Und dennoch kommt Ute S. nicht zur Ruhe, sie hat Schlafstörungen, geht in psychotherapeutische Behandlung. „Mir geht es elend“, sagt die 63-Jährige. Denn seit dem Tod ihres Sohnes streitet sie mit der Versicherung des Unfallverursachers. Die weigert sich nämlich, die 6000 Euro Bestattungskosten zu übernehmen. Begründung: René S. sei betrunken gewesen und auf der Straße gelaufen, neben seiner Freundin Kathi. „Ein Gutachten zeigt genau, dass das nicht so war“, sagt Ute S. verzweifelt. Heute wird der Fall vor dem Landgericht Landshut verhandelt.

Carina Lechner

Rubriklistenbild: © Haag

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