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Anschnallen und los geht’s: Minister Martin Zeil (r.) und Julian Weber von BMW testen den E-Mini.

Bayernweites Modellprojekt

Elektromobilität: Eine Region steht unter Strom

München - Auto mieten, losfahren, auftanken: Urlauber können Elektromobilität in Garmisch-Partenkirchen jetzt buchstäblich erfahren. Wirtschaftsminister Martin Zeil gab nun den Startschuss für das bayernweite Modellprojekt. 

Martin Zeil (FDP) holte sich letzte Tipps von Ski-Legende Christian Neureuther. Dann startete der Minister im Garmischer Zentrum den Mini – und gab in der Fußgängerzone Gas. Lautlos rollte er vorbei an den staunenden Passanten, winkte fröhlich, und drängelte immer wieder hinter dem vorausfahrenden Streifenwagen der Polizei. Wenige Kilometer weiter und etliche Höhenmeter höher, am Riessersee, parkte er den Kleinwagen an der Ladesäule und spazierte strahlend ans Ufer. „Das macht Spaß“, sagte Zeil.

So einfach, wie es der Minister erlebte, sollen auch Urlauber künftig Elektromobilität erfahren – und davon überzeugt werden. Deshalb hat die Staatsregierung Garmisch-Partenkirchen – neben Neustadt an der Saale und dem Bayerischen Wald – als Modellkommune ausgewählt. 30 Millionen Euro zahlt der Freistaat für das Projekt bis Ende 2014. Mit der Übergabe der Bescheide fiel dazu gestern offiziell der Startschuss.

Für den Ort sprach, dass er touristisch geprägt ist. Gerade Gäste sollen die Möglichkeit haben, sich bei einem Autovermieter im Ort ein Fahrzeug zu mieten, um damit zum Beispiel Ausflüge zu unternehmen oder zum Einkaufen zu fahren. Sechs E-Minis stellte die BMW Group schon, weitere Autos von Audi sollen folgen. In Metropolen wie Los Angeles, Tokio oder Peking habe das Unternehmen bisher Erfahrung von rund 16 Millionen gefahrenen Kilometern gesammelt, erklärte Julian Weber, Leiter Innovationsprojekte E-Mobilität bei der BMW. „In Garmisch-Partenkirchen aber ist das etwas völlig anderes.“ Die Langmatz GmbH aus Garmisch-Partenkirchen entwickelt dazu intelligente Ladesysteme: So sollen Autos oder E-Bikes zum Beispiel an Ladesäulen an Cafés oder auch an Straßenlaternen „getankt“ werden können.

Weitere Argumente waren Zeil zufolge die Größe des Ortes mit knapp 27 000 Einwohnern und die hohe Zahl von Zweit- und Drittwagen. Dafür sollten die Bürger künftig über Elektro-Autos nachdenken. Bisher sind im ganzen Landkreis Garmisch-Partenkirchen nur sieben Pkw mit Elektromotor zugelassen (siehe Kasten). Trotzdem: „Das ist eine wichtige Initiative für ganz Bayern“, sagte der Minister. Gleichzeitig stellte er fest, dass der Freistaat die „internationale Innovationsführerschaft für Elektromobilität“ übernehmen wolle. „Bayern ist das Automobilland.“

Ski-Legende Rosi Mittermaier ist nach den ersten Tests bereits überzeugt von ihrem geliehenen Elektro-Auto. „Wegen der Umwelt und weil es lautlos ist“, sagte sie. „Hier könnte es viel leiser werden.“ Ihr Mann Christian Neureuther fährt gerne Auto – und er fährt gerne schnell Auto. „Das Drehmoment ist gewaltig“, lobte er und versicherte, wie viel Spaß die Fahrt mit einem Elektro-Auto mache. Er appellierte an die Leute: „Probieren Sie es aus!“ Der Minister hat’s getan und hatte viel Freude. Zurück nach München aber eilte er doch wieder mit der großen Limousine.

Von Matthias Holzapfel

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