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Vor Gericht hat er gewonnen, jetzt darf Alfons Kalke seine Waschmaschine endlich mit Regenwasser befüllen. In seinen Händen hält er die Akten über den Rechtsstreit.

Kurioser Rechtsstreit

Eine Waschmaschine vor Gericht

Alfons Kalke will Wasser sparen – der Umwelt zuliebe. Seinem Wasserversorger geht das gegen den Strich: Er will Kalke verbieten, seine Waschmaschine mit Regenwasser füllen. Der Grund: Die „Volksgesundheit“ sei in Gefahr.

Rechtsanwalt Dominik Storr runzelt verwirrt die Stirn. „Das ist doch völliger Unsinn“, sagt er. Der örtliche Wasserversorger im unterfränkischen Bad Königshofen hat seinem Mandanten Alfons Kalke verboten, seine Waschmaschine mit Regenwasser zu betreiben. Der Versorger beruft sich auf die Trinkwasserverordnung und fürchtet angeblich um die „Volksgesundheit“. „Unsinn“, sagt Anwalt Storr noch einmal, „hier geht es ums Geld.“

Der Streit begann vor vier Jahren. Alfons Kalke, ein 47-jähriger Unternehmensberater aus Sulzfeld (Kreis Rhön-Grabfeld), hat viel Geld und Mühe in seine neue Regenwasserzisterne gesteckt. „Ich will Ressourcen sparen“, sagt Kalke. Rund 5000 Euro habe die Zisterne inklusive Filter gekostet. Ein separates Leitungssystem versorgt die Gartenbewässerung, die Toilettenspülung und den Zankapfel: die Waschmaschine.

„Finanziell lohnt sich das nicht“, betont Kalke. „Anschaffung, Unterhalt, der Strom für die Pumpe – mir geht es nicht ums Geld, sondern um die Umwelt.“ Doch weil in Deutschland auch der Umweltschutz nach festen Regeln abläuft, gibt es einen „Benutzungszwang“ für Trinkwasser. Kalke muss bei seinem Wasserversorger vorab eine „Teilbefreiung“ beantragen.

Das macht er auch – und bekommt eine Absage ins Haus. Durch die Toilette dürfe zwar Regenwasser rauschen, nicht aber durch die Waschmaschine, so der Bescheid. Denn Wasser, das „nicht nur vorübergehend mit dem menschlichen Körper in Kontakt“ käme, müsse aus der Leitung des Versorgers fließen. Ansonsten sei die Volksgesundheit in Gefahr, denn Regenwasser sei „naturgemäß“ schmutzig. „Das ist doch bescheuert“, denkt Kalke, nimmt sich einen Anwalt und zieht vor Gericht. Vor dem Verwaltungsgericht Würzburg erstreiten der 47-Jährige und sein Anwalt einen Sieg auf ganzer Linie, doch der Wasserversorger legt Berufung ein.

Der Streit landet beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof in München – und Kalke siegt erneut. Niemand ist per Gesetz verpflichtet, Trinkwasser aus der Leitung zu verbrauchen, so das Gericht. „Minderwertiges Wasser“ zu nutzen liege in der Verantwortung des Verbrauchers. „Man kann mir ja auch nicht verbieten, Regenwasser zu trinken“, sagt Kalke nach dem Urteil. Auch die angebliche Sorge um die Volksgesundheit ist laut Gericht Unsinn. Durch schmutzige Wäsche kämen viel mehr Bakterien in die Waschmaschine, als durch Regenwasser, so die schriftliche Urteilsbegründung.

Hat Alfons Kalke nach vier Jahren Rechtsstreit endgültig gesiegt? „Wir werden Revision einlegen“, sagt eine Mitarbeiterin des Wasserversorgers. „Jetzt soll Berlin entscheiden.“ Es gehe hier nicht um den „Fall Kalke“, sondern um Rechtssicherheit. „Wir wollen das ein für allemal klären.“ „Schlechte Verlierer“, reagiert Anwalt Storr, als er von der geplanten Revision erfährt. Solang die Politik das Gesetz nicht in der Zwischenzeit ändert, geht er auch in Berlin fest von einem Sieg aus.

von Thomas Schmidt

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