Walter Heidl,Präsident des Bayerischen Bauernverbands

Interview mit Bauernpräsident

„Einen totalen Freihandel wird es nicht geben“

München - Das geplante Freihandelsabkommen mit den USA bereitet auch den Landwirten Sorgen. Wir sprachen darüber mit Bauernpräsident Walter Heidl.

Was befürchten Sie?

Der Begriff Freihandelsabkommen ist für mich irreführend. Es wird keinen totalen Freihandel geben können, weil wir natürlich massiv darauf drängen, dass sich unsere Standards zum Verbraucherschutz auch in diesem Handelsabkommen wiederfinden. Beispiel: Der Unterschied bei der Sichtweise auf die Standards ist, dass wir in Europa den Herstellungsprozess eines Produkts im Auge haben, in den USA steht nur das Produkt im Vordergrund. Wenn in den USA zur Rindermast Hormone eingesetzt werden dürfen und zum Schluss im fertigen Stück Fleisch keine Rückstände mehr drin sind, ist das aus deren Sicht in Ordnung. Wir haben schon im Herstellungsprozess ein strenges Verbot.

Haben Sie noch ein Beispiel?

Ja, beim Geflügel. In den USA werden nach der Schlachtung die Tiere mit einer Chlortunke behandelt, die alle Keime auf dem Schlachtkörper abtöten soll. Bei uns ist das nicht zulässig. Hier gibt es strenge Hygiene-Auflagen in der Haltung wie bei der Schlachtung, damit diese Keimbelastung erst gar nicht entsteht.

Sie stehen dem Abkommen kritisch gegenüber?

Nicht grundsätzlich. Ich habe aber eine klare Position, welche Voraussetzungen nötig sind, damit ein Handelsabkommen überhaupt zustande kommen kann.

Kritiker haben die Sorge, dass mit dem Abkommen auch die Gentechnik hier Einzug halten könnte.

Wir haben – was den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen anbelangt – eine ganz klare Position: Wir Bauern lehnen das strikt ab. Zum offenen Brief der Hofpfisterei an Ministerpräsident Seehofer: In der Sache sind wir uns einig. Aber meiner Meinung nach muss man Seehofer darauf nicht eigens hinweisen. Er hat immer ganz deutlich gesagt, dass er den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen ablehnt. Doch durch den Begriff Freihandelsabkommen wird der Eindruck erweckt, als könnten dadurch alle unsere Regelungen und Standards aufgehoben werden. Das darf nicht der Fall sein. Wir haben ganz klare Richtlinien für die Produktion – das ist sowohl für die Verbraucher, als auch für die Bauern entscheidend. Wir halten strikte Regeln ein und wären nicht mehr wettbewerbsfähig, wenn sie durch das Abkommen ausgehebelt oder unterlaufen würden. Bauern und Verbraucher brauchen ein faires Handelsabkommen!

Viele Bürger befürchten auch, dass durch das Abkommen die Privatisierung der Wasserversorgung wieder aktuell werden könnte?

Nach der breiten Diskussion und vielen Protesten hat die EU-Kommission hier einen Rückzieher gemacht und erklärt, dass die Privatisierung vom Tisch ist. Doch es ist ein sensibles und wichtiges Thema. Sollte sich hier politisch etwas ändern, werden wir uns wehren: nicht mit uns!

Interview: Claudia Möllers

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Razzia bei Security von Erstaufnahme-Einrichtung
Gegen die Security der Erstaufnahme für Asylbewerber in Donauwörth wird ermittelt. Die Polizei Dillingen hat am Mittwoch eine Razzia durchgeführt.
Razzia bei Security von Erstaufnahme-Einrichtung
Mercedes brennt auf der A93 aus - Autobahn Richtung München komplett gesperrt
Hohe Rauchschwaden auf der Autobahn: Ein Wagen brannte am Mittwoch auf der A93 lichterloh. 
Mercedes brennt auf der A93 aus - Autobahn Richtung München komplett gesperrt
Hakenkreuze und fremdenfeindliche Sprüche: Jugendliche gestehen Graffitis
Jugendliche sprühen Hakenkreuze und ausländer- und judenfeindliche Sprüche quer durch Kürnach - Täter offenbar geständig.
Hakenkreuze und fremdenfeindliche Sprüche: Jugendliche gestehen Graffitis
Vater tot, Sohn schwer verletzt: Sie sind wohl Opfer eines illegalen Autorennens
Ein Vater stirbt vor Augen seines Sohnes (10) bei einem Horror-Unfall in Achslach. Der Zehnjährige liegt schwer verletzt im Krankenhaus. Jetzt hat die Polizei einen …
Vater tot, Sohn schwer verletzt: Sie sind wohl Opfer eines illegalen Autorennens

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.