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Johannes M. an dem Ort, wo er monatelang lebte.

Johannes M.

Einsiedler: Darum lebte ich monatelang im Felsloch

Pentling - Einsiedler Johannes M. lebte monatelang in einem Felsloch bei Pentling. Jetzt erzählt er, warum er dies tat.

Mitten unter uns – und doch in einer völlig anderen Welt … Wir sehen eine Höhle bei Pentling (Kreis Regensburg, Oberpfalz). Hier, in diesem kleinen, rohen Felsloch oberhalb der Donau, hat ein 65-jähriger Mann monatelang gewohnt. Ein Einsiedler, so gut wie weg von der Gesellschaft, trotz der räumlichen Nähe … Jetzt erzählt der Mann, den wir Johannes M. nennen wollen, aus seinem Leben.

„Ernährt habe ich mich von Waldfrüchten und Pilzen. Zum Einkaufen ging ich in die Pentlinger Supermärkte.“ Das Geld dafür verdiente er sich durch Flaschensammeln, vier bis sechs Euro pro Tag. Gepflegt hat er sich in der Fernfahrerdusche einer OMV-Tankstelle (für 50 Cent). Die ganze Zeit über, von Mitte August bis vor einer Woche, schlief Johannes im nackten Fels. Die Grotte ist etwa fünf Meter lang, eineinhalb Meter breit und eineinhalb Meter hoch. Nachts mummelte er sich in mehrere Schlafsäcke ein, ab und zu machte er ein Feuer, kam so immerhin auf zehn Grad. 

Ein Leben in der Höhle – und ansonsten unter freiem Himmel. Aber mit Romantik hatte das alles nicht viel zu tun … Zum Beispiel an jenem Tag, als Johannes am bewaldeten Hang vor der Höhle ausrutschte und etwa fünf Meter durch ein kleines Kar abstürzte. Für sechs Wochen war M. lädiert. Ein Loch im Kopf und ein vermutlich angebrochenes Steißbein waren die Folge, berichtet er. Heute scherzt er: „Das Fliegen ging, aber die Landung war verheerend …“

Darum lebte Johannes M. monatelang in der Höhle

Und warum das alles? Warum dieses harte Leben ohne Strom, ohne Heizung, ohne Wasser, ohne alles? Johannes M. sagt: „Mir war einfach alles zu viel geworden …“ M., der gebürtiger Oberpfälzer ist, hatte über 40 Jahre lang in Nordrhein-Westfalen gelebt. Bis Mitte 2014 – als er einfach ging, ohne Abschied. Seine deutlich jüngere Ehefrau, die zwischenzeitlich einen Sohn gebar, hatte ihn als vermisst gemeldet. „Entgegen anderslautender Meldungen will ich“, so sagt M., „nicht nach Hause zurück kehren.“ Ob er der leibliche Vater des Kindes ist, könne er nicht mit Gewissheit sagen. Bei seiner Frau, die er vor sechs Jahren geheiratet hatte, ist er ohnehin nicht mehr erwünscht. Sie hat schließlich über zwei Jahre lang vergeblich auf ihn gewartet, ohne Nachricht …

Und M.? Der hat zuletzt in seinem steinernen Heim gelebt, wo ihm Sauberkeit wichtig war. Ganz entsetzt sah er jetzt nach seinem Auszug die Bilder von durchwühlten Gegenständen – die Lebensmittel hatte er immer fein säuberlich links, die Kleidung rechts gelagert. Plus rund 15 saubere Damenslips – allesamt Andenken an amouröse Begebenheiten während der vergangenen 28 Monate.

Johannes wohnt zurzeit in einer Obdachlosenunterkunft in Pentling. Sein Elternhaus, das jemand anderer erworben hat, steht leer. Auch das Elterngrab am nahen Dorffriedhof ist aufgelöst. Hier ruhte auch Johannes’ Bruder Edgar, der einst im Alter von elf Jahren abgestüzt sein soll – gar nicht weit entfernt von der Höhle …

Josef Eder

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